«Hanf ist eine wertvolle Nutzpflanze»

Michael Müller will seinen Bestand noch vergrössern (Foto: sv)

Seit Anfang Mai gibt es in Steg eine legale Hanfanlage. Der Inhaber Michael Müller will, dass die Nutzpflanze von ihrem negativen Ruf wegkommt.

Langsam öffnet Michael Müller den Reissverschluss des 18 Quadratmeter grossen Zeltes, in dem sich die Pflanzen befinden. Zum Vorschein kommen rund 240 Hanfpflanzen, welche dicht nebeneinander wachsen und in helles, rötliches Licht getaucht sind. Aus dem Zelt dringt warme Luft und ein süsslicher Geruch. «Megalone» hat der Turbenthaler seine Anlage getauft, was griechisch ist für «wachsen».

Förderlich für die Gesundheit 

Michael Müller ist als Bauernsohn aufgewachsen und hat die Industrie des Bauernhanfs miterlebt. Auf die Idee, selbst Hanf anzubauen, ist er durch seine Mutter gekommen. Sie ist schon älter und hat gesundheitliche Beschwerden. Dies hat den 35-Jährigen dazu motiviert, die Nutzpflanze selbst anzubauen. Er möchte, dass Hanf von seinem schlechten Ruf als Drogenpflanze wegkommt: «Hanf ist eine wertvolle Nutzpflanze», meint der Unternehmer.

Am 5. Mai dieses Jahres begann Müller mit dem Hanfanbau in seiner Halle in Steg. Das Ganze hat aber zwei Jahre Vorbereitungszeit gebraucht. Während dieser Zeit hat er lange nach den geeigneten Räumlichkeiten gesucht, bis er in Steg die perfekte Halle fand. Eine Bewilligung musste er nicht einholen, das Vorhaben wurde im Voraus der Kantonspolizei gemeldet, Angaben zur Rasse und Menge wurden ebenfalls gemacht. Das forensische Institut entnimmt regelmässig Proben von Müllers Pflanzen, um den THC-Gehalt zu kontrollieren. THC steht für Tetrahydrocannabinol, welches beim Konsum berauschend wirkt. Da Müllers Pflanzen weniger als ein Prozent THC enthalten, sind sie legal verkäuflich.

Pflanzen brauchen stabiles Klima

Es ist ein komplexer Prozess, der hinter dem Hanfanbau steckt. Ganz zu Beginn wird aus dem Samen eine Mutterpflanze generiert. Diese wird dann geklont, es entsteht eine genetisch identische Kopie der Mutterpflanze. Auf diese Weise ist es möglich, eine so grosse Anzahl Pflanzen herzustellen. Dies wird aber oft von anderen zuständigen Personen gemacht. «Bei mir erfolgt vor allem die Vegetations- und Blütephase und schliesslich die Ernte der Blüten», so Müller. Während dieser Phasen müssen bestimmte Verhältnisse herrschen. Der Hanf braucht 25 Grad Wärme und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Während der Vegetationsphase benötigen die Pflanzen blaues Licht, während der Blütephase rotes. Jede halbe Stunde werden sie mit einer Nährlösung besprüht.

Die Pflanzen sind heikel und brauchen viel Aufmerksamkeit. Alle sechs Stunden muss der Logistiker nach seinen Schützlingen sehen. Vor allem die kleinen Pflanzen sind sehr schwach und anfälliger auf Schäden. Wenn diese einmal nicht genügend Wasser bekommen, kann das sehr schlecht enden. Die Nutzpflanze hat eine Lebensdauer von zwölf Wochen. «Gewisse Dinge muss man auf den Tag genau erledigen, sonst droht der Ernteausfall», weiss Michael Müller. Sein Wissen über den Hanfanbau hat der gebürtige Bündner einerseits aus seiner Kindheit, als er den Hanfanbau von Bauern miterlebte. Andererseits las er viel Literatur, um sich zu informieren. Es sei aber kein einfacher Prozess, es ginge nicht von heute auf morgen, meint er.

Vielfältige Verwendung 

Abnehmer der Blüten ist der Hanfshop Hempner im Aargau. Dieser verkauft die Hanfblüten als Ersatztabak weiter. Gerne würde der Hanf-anbauer die Aufmerksamkeit von
Bäckereien oder Brauereien auf sich ziehen. Diese könnten zum Beispiel ein Hanfguetzli oder ein Hanfbier produzieren. Aus den Blüten könne man tausende von Produkten herstellen, man muss einfach die entsprechenden Zulassungen einholen, meint der gelernte Baumaschinen-mechaniker. Michael Müllers Ziel ist es, hauptberuflich als Hanfanbauer tätig sein zu können

Zurzeit arbeitet Müller alleine, bekommt aber Unterstützung von Freunden und Familie. Er tauscht sich auch regelmässig mit anderen Hanfanbauern aus. Da er seinen Bestand vergrössern will, wird er bald auf weitere Helfer angewiesen sein. Dazu würde er gerne Leute aus der Region auf Stundenlohnbasis einstellen, die er auch genügend entlöhnen kann. Durch die Beschäftigung der regionalen Bewohner möchte er neue Jobs schaffen.

Weiter möchte er Teile seiner Anbaufläche an Privatpersonen weitervermieten. Es soll den Leuten bewusst sein, dass in der Schweiz ausschliesslich CBD-Pflanzen, die im EU Sortenkatalog aufgeführt sind, draussen angepflanzt werden dürfen. «Nicht im EU Sortenkatalog aufgeführte CBD-Stecklinge dürfen nur in geschlossenen Räumen angebaut werden. Da komme ich ins Spiel, indem ich die Fläche und Betreuung für die Stecklinge zum Mieten anbiete», sagt Müller. Dies soll alle Personen ansprechen, die das nötige Wissen nicht besitzen oder über keinen geeigneten Raum verfügen, meint er weiter.

Wer an der Anbaufläche interessiert ist, kann sich per Mail an Michael Müller wenden: info@megalone.ch

 

Infobox
In der Hanfpflanze finden sich über 80 Cannabinoide, die wichtigsten sind das berauschende Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht berauschende Cannabidiol (CBD), das zudem die psychotrope Wirkung des THC vermindert. CBD unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Mehr Informationen auf der Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG): www.bag.admin.ch