Gutes Projekt – viele Hindernisse

Die Schloss-Scheune in Turbenthal könnte zu einem Ort werden, wo Landschaft und Geschichte des Tösstals gepflegt werden (Foto: md)

Die Gemeindebibliothek Turbenthal kann ins «Schlossguet» ziehen, sofern das Projekt eines überregionalen Kulturzentrums von den Stimmberechtigten bewilligt wird. Sowohl die politische Gemeinde, als auch die beiden Schulgemeinden haben im Grundsatz einer Verlegung der Bibliothek zugestimmt.

Aus der Schloss-Scheune von Turbenthal soll etwas Attraktives werden. Ziel ist, diese zu einem überregionalen Kulturzentrum umzunutzen, das die Gemeindebibliothek, das Ortsmuseum und Veranstaltungsräume umfasst. Der Gemeinderat hat der Kommission «Schlossguet» den Auftrag erteilt, das Projekt zur Abstimmungsreife zu bringen. Vor kurzem haben der Gemeinderat,
die Sekundarschulpflege Turbenthal- Wildberg und die Primarschulpflege Turbenthal ihre grundsätzliche Zustimmung zur Verlegung der Bibliothek und der damit verbundenen jährlichen Betriebskosten von rund 80’000 Franken gegeben. Die Verlegung hätte zwei Vorteile: Die heutigen Bibliotheksräume könnten in dringend benötigte Schulräume umgewandelt werden und die Bibliothek könnte in ein attraktiveres Umfeld ziehen, das mehr Raum für die beliebten Bibliotheksveranstaltungen bietet. Der neue Bibliotheksstandort ist aber in ein Gesamtkonzept eingebunden, für das die Stimmberechtigten Ende 2018 oder Anfang 2019 ihre Zustimmung geben müssen.

Lange Vorgeschichte

Das Projekt «Tösstaler Kulturscheune Schlossguet» hat eine sehr lange Vorgeschichte: Die Gemeinde kaufte 1990 die Schloss-Scheune mit der Absicht, das bauhistorisch bedeutende Gebäude zu erhalten und darin ein Ortsmuseum einzurichten. Viele Anläufe zur Umnutzung wurden unternommen, doch diese scheiterten meist an den Kostenprognosen. Vor rund einem Jahr setzte der Gemeinderat eine Arbeitsgruppe ein mit dem Ziel, bis Ende 2017 ein Nutzungs-Konzept und einen Kostenvoranschlag zu erarbeiten. Markus Küng, Gemeinderat und Hochbauvorstand sowie Präsident der Kommission «Schlossguet» konnte am letzten Dienstag Konzept und Kostenprognose den Medien vorstellen.

Das Konzept sieht vor, im denkmalgeschützten Bau aus dem 17. Jahrhundert ein Zentrum für die Tösstaler Kultur einzurichten. Dieses soll nebst der Gemeindebibliothek einen Saal, Ausstellungsräume, das Infozentrum Tösstal sowie einen Spielplatz umfassen. Das Infozentrum wird der Geschichte des Tösstals, also nicht nur Turbenthals, gewidmet sein. Dieses Konzept wird Küng als Vorlage dienen, um ein Beitragsgesuch an den kantonalen Lotteriefonds zu richten. Er verspricht sich davon einen namhaften Beitrag an das Projekt der Tösstaler Kulturscheune. Küng hofft auf einen Betrag von 3 Millionen Franken. Sicher ist dies aber nicht.

Hohe Investitionskosten

Die Investitions- und Betriebskosten bilden das grosse Fragezeichen am gesamten Projekt: Rund 7,5 Millionen Franken soll die Umnutzung der Schloss-Scheune, der Umbau für die Bibliothek inbegriffen, kosten. Die Betriebskosten veranschlagt Küng auf rund 440’000 Franken jährlich. Zu dieser Summe müssten noch die Abschreibungen und die Kapitalzinsen hinzugerechnet werden. Der Präsident der Kommission «Schlossguet» rechnet mit gesamten jährlichen Kosten von rund 600’000 Franken.

Dass die Gemeinde Turbenthal derartige Summen nicht alleine aufbringen kann, dürfte angesichts der knappen Finanzlage offensichtlich sein. Hans Thalmann, Delegierter der Kulturkommission Zürioberland in der Kommission Schlossguet, ist aber überzeugt, dass sich namhafte Stiftungen aus dem Kanton Zürich für eine finanzielle Unterstützung dieses Projekts gewinnen liessen, beispielsweise die Goehner- oder die Vontobel-Stifung. Ausserdem könnten, so Thalmann, wenn das Kultur- und Infozentrum einmal laufe, auch Beiträge der kantonalen Kulturförderung für einzelne Anlässe beansprucht werden. Falls der Lotteriefonds den erhofften Beitrag von 3 Millionen Franken zur Verfügung stellt, würde sich die Investitionssumme um diesen Betrag verringern. Der Zustupf des Lotteriefonds darf aber nur für das Infozentrum, nicht jedoch für die Bibliothek eingesetzt werden. Gemeinderat und Gesundheitsvorstand Heinz M. Schwyter führte zudem ins Feld, dass die Anlässe und Raumvermietungen im geplanten Kulturzentrum einen Ertrag abwerfen werden, der zur Deckung der Betriebskosten verwendet werden kann.

Steigende Nachfrage nach Kulturangebot

Die Bevölkerung sei angesichts solcher Investitionen tatsächlich skeptisch, räumte Markus Küng ein. Doch man müsse auch den Mut haben, den mit einem solchen Projekt verbundenen Gewinn den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären. Die Nachfrage nach einem Kulturangebot sei nämlich durchaus vorhanden, betonte Küng: «Die kürzlich stattgefundene Vorstellung von Gardi Hutter im Gehörlosendorf war ausverkauft». Barbara Spaltenstein, Leiterin der Gemeinde- und Schulbibliothek, bestätigte diese Beobachtung: «Unsere Bibliotheksanlässe erfreuen sich seit Jahren einer wachsenden Beliebtheit.» Auf jeden Fall will die Kommission Schlossguet Aufklärungsarbeit leisten, um die Bevölkerung abzuholen und vom Projekt zu überzeugen: Am 7. April 2018 soll in Turbenthal ein «Tag der Schloss-Scheune» stattfinden, bei dem über das Kulturprojekt informiert und auch ein Augenschein der Örtlichkeit möglich sein wird.

Wieweit sich andere Tösstaler Gemeinden finanziell an diesem Projekt beteiligen werden, bleibt aber unklar. Viele Gemeinden unterstützen das Vorhaben zumindest ideell, so Wila, Wald, Weisslingen, Schlatt, Hittnau und Bäretswil.

Küng will aber bei diesem Projekt nicht die Kostenfrage in den Vordergrund stellen: «Das Tösstal gehört, ob wir es wahrhaben wollen, oder nicht, zu den Agglomerationen von Zürich und Winterthur. Diese Agglo droht gesichtslos zu werden. Mit diesem Projekt kann der drohenden Gesichtslosigkeit etwas entgegengesetzt werden.» Es gelte, Landschaft und Geschichte des Tösstals zu erkennen und zu pflegen. Für diese Aufgabe könne das Kultur- und Informationszentrum in der Schloss-Scheune unschätzbare Dienste leisten, ist Küng überzeugt.

 

Der Plan B
Und was geschieht, wenn das Kulturzentrum Schlossguet scheitert? Markus Küng hebt hervor, dass auch ohne das Projekt für ein Kulturzentrum die Aussenhülle der Schloss-Scheune saniert werden müsse. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Franken. Für die Renovation der Wohnung sind zusätzlich rund 100’000 Franken veranschlagt. Eine reduzierte Variante des Projekts, der Plan B, sieht einzig die Realisierung des Museums- und Kulturteils vor sowie die ohnehin notwendige Sanierung der Aus-senhülle. Plan B käme auf 6 Millionen Franken zu stehen. Plan C sieht vor, nur die Aussenhülle zu renovieren und die Bibliothek in die Schloss-Scheune zu verlegen, Kostenpunkt 3 Millionen Franken.