Grünes Licht für neue Behördenorganisation

Der Gemeinderat Zell hat mit dem Ja am Sonntag freie Fahrt zur Umsetzung der neuen Behördenorganisation signalisiert (Foto: Christian Pohl / pixelio.de)

Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von knapp 67 Prozent haben die Zeller Stimmbürger die Teilrevision der Gemeindeordnung deutlich angenommen. Für Gemeindepräsident Martin Lüdin verpflichtet dieses Ergebnis zur «sorgfältigen Umsetzung» der neuen Behördenorganisation.

Das Resultat zur Abstimmung über die Teilrevision der Gemeindeordnung Zell fiel deutlich aus. Knapp 67 Prozent der Stimmbürger gaben am Sonntag grünes Licht für die neue Behördenorganisation, gut 33 Prozent legten ein Nein in die Urne. Dies bei einer Stimmbeteiligung von rund 42 Prozent. Dementsprechend erfreut zeigte sich der Zeller Gemeindepräsident Martin Lüdin (parteilos) auf Anfrage am Sonntag: «Das deutliche Resultat ist ein klarer Vertrauensbeweis seitens der Bevölkerung.» Und weiter: «Ich denke, die Stimmbürger haben erkannt, dass die neue Organisation zukunftsweisend ist und sich für die Gemeinde Zell als fruchtbar erweisen wird.»

Auch die eher tiefe Stimmbeteiligung von knapp 42 Prozent vermochte Lüdins Freude nicht zu trüben. Im Gegenteil: Die Revision einer Gemeindeordnung sei etwas sehr Abstraktes, erklärt er. Dies vermag die Bürger weniger zu mobilisieren als die Abstimmung über ein Sachgeschäft, zum Beispiel den Bau eines neuen Schulhauses. «Im Lichte dieser Tatsache empfinde ich den hohen Ja-Stimmen-Anteil doppelt positiv.»

Kick-Off-Sitzung Mitte Juni

Mit dem Ja vom Sonntag ist der Weg frei für die neue Behördenorganisation, wovon die Änderung der Gemeindeordnung eine wichtige Teil-etappe darstellt. In der Verwaltung wird ein Geschäftsleitungsmodell eingeführt. Weiter wird die Anzahl Kommissionsmitglieder um fast die Hälfte auf neu rund 40 reduziert. Ebenso werden diverse Aufgaben neu zugeteilt; sei es von bald aufgelösten Kommissionen in andere Kommissionen oder von Kommissionen in die Verwaltung.

Das sehr erfreuliche Abstimmungsergebnis verpflichte zu einer «sehr sorgfältigen Umsetzung», sagt Lüdin. Bei der Einführung des Geschäftsleitungsmodells in der Gemeindeverwaltung sei sehr entscheidend, dass die Personalfluktuation in der Verwaltung möglichst gering gehalten werde und das Know-how der Mitarbeiter erhalten bleibe. «Das Ziel ist, dass die Verwaltung auch weiterhin sehr bürgerfreundlich arbeitet und eine gute Leistung für die Bevölkerung erbringt», erklärt der Zeller Gemeindepräsident. Dies bedinge, dass sich die Mitarbeiter mit der neuen Organisation zu identifizieren begännen. «Damit dies geschieht, werden die Mitarbeitenden in den gesamten Prozess miteinbezogen», so Lüdin weiter und er fügt an: «Wichtig ist auch, dass bei der Zuteilung der neuen Aufgaben nichts vergessen geht und am Ende des Prozesses sowohl jede Kommission als auch die Verwaltung ihre Aufgaben kennt.»

Gemäss Fahrplan findet Mitte Juni die Kick-Off-Sitzung zur Umsetzung des Geschäftsleitungsmodells statt. Lüdin rechnet damit, dass die neue Organisation etwa Ende Oktober an einer Gemeinderatssitzung verabschiedet wird.

Entscheid fällt gegen Ende Jahr

Ferner ist es Lüdin ein Anliegen, dass «engagierte Kommissionmitglieder», die auf die Erneuerungswahlen 2018 ohne Kommission dastehen, aber weiterhin einer Behördentätigkeit nachgehen möchten, «sinnvoll vermittelt werden». Dies bedürfe einer «sorgfältigen Planung». «Wir werden seitens Gemeinderat unser Möglichstes tun», erklärt Lüdin. Die Portierung von Kandidaten für die Wahlen im April 2018 sei aber Hauptaufgabe der Parteien.

Und wie steht es um eine weitere Amtszeit des Zeller Gemeindepräsidenten hinsichtlich des deutlichen Resultates vom Sonntag? Martin Lüdin will sich nicht in die Karten blicken lassen und wird erst am offiziellen Termin, etwa Ende 2017, kommunizieren, ob er für eine weitere Amtszeit als Gemeindepräsident kandidieren wird. «Ich werde mir dies genau überlegen. Es hängt aber von diversen Faktoren ab, zum Beispiel auch der Gesundheit.»

KEIN «VETSCH-EFFEKT»
Im Vorfeld der Abstimmung über die Teilrevision der Gemeindeordnung Zell rückte plötzlich ein anderes Thema medial in den Vordergrund, welches auch die Gemeindeorganisation betrifft: die Einheitsgemeinde. So hatte der Zeller Schulpflegepräsident Andreas Vetsch an einer Informationsveranstaltung Mitte Mai im Stammertal von der Bildung einer Einheitsgemeinde abgeraten. Die Fusion von Schule und Politischer Gemeinde ging in Zell 2002 über die Bühne. Im Stammertal wird über diese im September an der Urne befunden.

Er würde heute bei der Bildung einer Einheitsgemeinde ein Nein in die Urne legen, wurde Vetsch im «Landboten» zitiert. Er sehe an einer Einheitsgemeinde zwar nicht nur negative Punkte, doch sei der Zeitaufwand für das Schulpräsidium massiv gestiegen. Vetsch war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Martin Lüdin sieht im Auftritt seines Gemeinderatskollegen auf Anfrage aber kein Problem. «Er hat dort seine persönliche Meinung kundgetan, die jeder äussern darf.»

Diese Haltung bestätigte der Gesamtgemeinderat Zell am Samstag bei einer ganztägigen Arbeitssitzung, die bereits im letzten Jahr vereinbart wurde. Dort wurde unter anderem auch über Andreas Vetschs Auftritt an der Info-Veranstaltung im Stammertal und über die Berichterstattung in den Medien gesprochen. «Das Gespräch fand in einer kollegialen und konstruktiven Atmosphäre statt», teilte der Gemeinderat anschliessend mit. Und weiter: «Der Gemeinderat hat dabei seine bisherige Haltung bestätigt, wonach jedes Mitglied seine persönliche Meinung äussern darf – selbstverständlich unter Einhaltung des Kollegialitätsprinzips.»

Martin Lüdin glaubt nicht, dass der Auftritt von Andreas Vetsch und das darauf erfolgte Medien-echo das Abstimmungsresultat in Zell wesentlich beeinflusst habe.

RESULTAT GEMEINDEORDNUNG ZELL
Stimmberechtigte 3657
Total eingegangen 1530
Gültig 1479
Ja-Stimmen 989 (66.86%)
Nein-Stimmen 490 (33.13%)
Stimmbeteiligung 41.84%
Rolf Hug
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