Grosser Empfang für Tösstaler Bronzegewinner

Die acht Juniorinnen des Voltige Tösstal wurden in Bauma freudenvoll empfangen (Fotos: gp)

Die Juniorinnen der Gruppe Voltige Tösstal zeigten an der Weltmeisterschaft in Ebreichsdorf (AUT) eine sagenhafte Leistung: Die Sportlerinnen holten sich verdient die Bronzemedaille. Dieser Erfolg blieb in der Gemeinde nicht unbeachtet und wurde mit einem herzlichen Empfang geehrt.


Der Verkehrsverein Bauma organisierte am vergangenen Freitagabend einen herzlichen Empfang für seine Bronze-Weltmeister. Die gut 70 anwesenden Besucher fanden sich in der Bahnhofshalle zusammen und warteten gespannt auf das Eintreffen der Ehrengäste. Die acht jungen Frauen liessen danach auch nicht lange auf sich warten: In einer schwarzen Limousine fuhren sie vor und wurden von den Anwesenden frenetisch begrüsst. Von dem Rummel offenbar etwas überrascht, aber nicht minder erfreut, wurde gewinkt, umarmt und überwältigt in die Runde geschaut. In der altehrwürdigen Bahnhofshalle mit den Klängen der Harmonie und den schwingenden Fahnen hätte auch ein Weltmeister nicht freudiger empfangen werden können.

Ein steiniger Weg

Noch kurz vor den Weltmeisterschaften ist dieser Empfang wohl für keine der Tösstalerinnen für selbstverständlich gehalten worden. Es war für einmal nicht der Weg das Ziel: Denn dieser war nicht nur steinig, sondern auch ungewiss. Kurz vor den Weltmeisterschaften mussten einige Umstellungen im Team vorgenommen werden, zwei eingespielte Gruppenmitglieder konnten nicht mit an die WM und zwei Andere sprangen ein. Die Kür musste danach komplett angepasst und neu geübt werden. Dies ist umso beeindruckender, da beim Voltigesport nicht einfach Personen ausgetauscht werden können, wie es gefällt: Ein Ausfall bedeutet immer eine grosse Umstellung, ein neues Teammitglied muss sich nicht nur ins Team einfügen, sondern auch mit der Bewegung des Pferdes klarkommen. Die akrobatischen Übungen auf dem galoppierenden Pferd brauchen viel Vertrauen, von jenen, die ganz oben sind und auch von denen, die sie stützen. Vor allem an der Weltspitze spiegeln sich auch kleine Unsicherheiten in den Noten und damit im Endergebnis wieder.

Neben der Pflicht und der Kür ist ein gutes Pferd für das Mithalten an der Weltspitze unabdingbar. Der Verdienst geht somit nicht allein auf den Einsatz der Voltigierer und der Trainer zurück, sondern auch auf ihr Pferd Isabella IV. Sie zeigte sich im Zirkel einmal mehr von ihrer besten Seite, galoppierte zuverlässig ihre Runden und trug somit massgebend zum Erfolg der Gruppe bei.

Mit dem Willen zum Erfolg

Die Medaille war somit für das Team um Corinne Bosshard kein Zuckerschlecken. Entsprechend gemischt waren die Gefühle bei Bosshard vor der Abfahrt, doch sie sah darin auch einen grossen Vorteil: «Der Wille wurde dadurch noch grösser!» Ihre Mädels und auch sie hätten die Medaille unbedingt gewollt und hart dafür gearbeitet. Drei Mal die Woche trainiert das Team normalerweise und konnte sich durch die konstant gute Leistung im Vorfeld überhaupt erst für die Weltmeisterschaften qualifizieren. Umstellung, Druck und über 40 Grad in Ebreichsdorf konnten die Mädchen aus Bauma jedoch nicht bremsen. Der Wille brachte die Tösstaler absolut verdient auf das Podest. Und das auch noch um nur 0.024 Punkte von Silber entfernt.

Die Deutschen sicherten sich als Favorit Gold, und das einheimische Team der Österreicher sicherte sich das knappe Silber. Doch dieser Tatsache wird heute keine Träne nachgeweint. Im Gegenteil: Der Stolz und die Freude ist den Mädchen ins Gesicht geschrieben. Und auch die vierbeinige Unterstützung traf kurz nach der Limousine in der Bahnhofshalle ein. Von der Harmonie und den Fahnen sichtlich unbeeindruckt, liess sich der pferdige Ehrengast mit Karotten und Streicheleinheiten verwöhnen.

Schweiss und Tränen

Nach dem frenetischen Applaus und den Klängen der Harmonie richtete Gemeindepräsident Andreas Sudler das Wort an die Anwesenden. Mit grossem Stolz verkündete er, die Bronzemedaille einer WM sei die höchste Auszeichnung, die je von einem Team aus Bauma erreicht wurde. «Wie viel Schweiss ist wohl geflossen», fragte er rhetorisch in die Runde, und die lächelnden Gesichter der Tösstalerinnen zeigten: Vermutlich sehr viel. Doch die Strapazen aus Leidenschaft haben sich gelohnt. Sudler gratulierte dem Team, dass sie ihrem Ziel nun näher gerückt seien, und was gäbe es schöneres, als diese Medaille als Bestätigung. Er richtete seinen Dank an das Team, die Eltern und Helfer, die diesen Erfolg erst möglich gemacht hatten, sowie an den Verkehrsverein Bauma für die Organisation des Anlasses und auch an die Harmonie.

Ralph Hunn, Präsident des Vereins Voltige Tösstal, dankte ebenfalls allen Beteiligten und vor allem Corinne Bosshard, die mit ihrer Idee des Voltigeunterrichts vor elf Jahren den Grundstein für diesen Erfolg legte. Klein begonnen zählt der Verein heute über 50 aktive Voltigierer und Voltigiererinnen und kann sich auf sieben vierbeinige Teammitglieder verlassen. Die Krönung mit der Medaille zeigt sich als das vorläufige Ziel vieler Trainingsstunden.

«Den Moment geniessen»

Nach den Worten des Gemeinde- und des Vereinspräsidenten lud der Verkehrsverein Bauma noch zum gemeinsamen Apéro und Beisammensein mit der Harmonie ein. Die Bahnhofshalle schützte perfekt vor dem aufziehenden Gewitter, und die Anwesenden gratulierten und applaudierten ihren Bronze-Mädels ein letztes Mal.

Der vierbeinige Ehrengast wurde auch herzlich begrüsst
Der vierbeinige Ehrengast wurde auch herzlich begrüsst

Der heutige Erfolg und die überwundenen Strapazen lassen das Team denn auch nach den Ansprachen und dem Applaus noch strahlen. Wie es sich anfühlte, als die Medaille Tatsache war? «Erleichterung», meint Corinne Bosshard mit einem Lachen dazu. Der Druck, in so kurzer Zeit mit einem umgestellten Team etwas zu präsentieren, das man «anschauen kann», sei von ihr abgefallen, denn das ganze Risiko habe sich gelohnt. Den Abschluss der Saison wird die Schweizermeisterschaft Ende September bilden, wo das Team jedoch nicht in weltmeisterlicher Formation anzutreffen sein wird, da die beiden «ausgeliehenen» Voltigiererinnen in ihren eigenen Teams starten werden. Auch für die nächste Saison werden weitere Umstellungen auf die Gruppe zukommen, und dementsprechend sind noch keine konkreten Ziele definiert. «Ich geniesse den Moment», sagt die Trainerin, und man glaubt es ihr ohne zu zögern.