Gnädig fegte «Burglind» durchs Tösstal

Die Feuerwehr Zell beim Räumen an der Nussbergstrasse nach Kollbrunn (Foto: Feuerwehr Zell)

Es hätte in der Region weit schlimmer kommen können. «Lothars» kleine Schwester, Sturm Burglind, fegte am Mittwoch mit bis zu 200 Kilometern pro Stunden übers gesamte Land und richtete wüsten Schaden an.

Wer die Meldung der Zürcher Kantonspolizei, Gartenmöbel und sogar grosse Trampoline rein zu räumen, belächelte, musste sich am Mittwoch wohl an der Nase nehmen. Die Zeitungen vom Donnerstag sind bereits mit spektakulären Fotos geschmückt von eingeschlagenen Autos, Flutwellen, gekippter LKWs und sogar Zügen und – von durch die Luft gewirbelten Trampolinen. Über 230 Anrufe zählte die Kantonspolizei während des Sturms. Mediensprecher Ralph Hirt bestätigte, dass sämtliche Dienste im Kanton gefordert waren, aber zum gegebenen Stand der Erkenntnisse zum Glück wenigstens keine Verletzten gemeldet wurden.

Burglind riss in Saland eine Schneise

Auch wenn Sturm Burglind nicht so stark wie der orkanartige «Lothar» im Dezember 1999 blies, – Lothar fegte damals mit 208 Kilometer pro Stunde übers Hörnli, Burglinde mit 163 – hat Burglind vor allem in den Wäldern dort weitergemacht, was Letzterer angezettelt hat. So auch im Waldstück wischen Saland und Hittnau, hinter der Reinhold Frei AG an der Tösstalstrasse. Hier riss Burglind eine Schneise zwischen die bereits von Lothar ausgedünnten Baumreihen, «ein regelrechter Windkanal», laut Förster Jürg Küenzi. Am Mittwoch ging Küenzi noch von 50 bis 60 geknickten Bäumen aus, am Donnerstag lag seine Schätzung bereits bei um die 100 Bäumen. Burglind rodete locker 200 Kubikmeter Holz aus diesem Waldstück der Holzbaufirma Wittwer AG. Die Feuerwehr Bauma musste gemäss Kommandant Beat Bosshard aber nicht ausrücken.

Im Forstrevier Wila-Sternenberg gab es laut Förster Rolf Stricker Streuschäden von insgesamt 400 Kubikmeter. Einzelne Bäume fielen über die Bach-Tobel. Wo es möglich war, wurden sie mit Traktoren und Seilwinden entfernt. Das auch unter Gefahr, denn bei einzelnen Stellen ging es bis zu zehn Meter in die Tiefe. «Solange es nicht lebensgefährlich wurde, haben wir versucht, die Bäume rauszuziehen. Denn die morsch werdenden Bäume könnten in die Bäche stürzen und diese verstopfen, was weitere Schäden verursachen würde», erklärt Stricker. Ansonsten blieb die Gegend verschont. Eine einzelne kleine Buche fiel auf die Mattstutzstrasse, an die Stricker zufällig ranfuhr und auch gleich selber aus dem Weg räumte. Von einem anderen gestürzten Baum ragten lediglich ein paar Äste in die Strasse, die ein Anwohner eigens absagte. Auch Hirt geht davon aus, dass die Kantonspolizei weniger Meldungen aus dem Tösstal erhielt als zum Beispiel aus der Stadt, weil hier die Ansässigen schnell gleich selber zum Werkzeug greifen.

Die Feuerwehr Turbenthal-Wila-Wildberg rückte gleich dreimal aus. Kommandant Urs König bestätigt, dass sie in Ehrikon an der Pfahlmattstrasse einen Baum von der Strasse räumen mussten und in Turbenthal von der Ramsbergstrasse gleich mehrere. Die Girenbadstrasse in Richtung Oberschlatt musste zur Sicherheit sogar bis Donnerstag gesperrt werden. Personenwagen wurden über Lettenberg umgeleitet und LKWs von Kollbrunn über die Bolsternstrasse nach Schlatt. Laut Revier-Förster Stefan Holenstein bestand weiterhin Gefahr, dass Bäume und abgebrochenen Äste auf die Strasse stürzen. Er sagt weiter: «Es gab Streuschäden und ein paar schräge Bäume, die wurden bereits gefällt. Es hätte aber weit schlimmer kommen können.» Zum Beispiel, wenn noch Schnee gelegen hätte. Die bedeckten Bäume geben dem Sturm mehr Angriffsfläche und auch durch das Extragewicht wären vermutlich einige Bäume mehr zu Boden gegangen.

Es hätte schlimmer kommen können

Etwas zu tun hatte auch die Feuerwehr Zell. Unter der Leitung ihres neuen Kommandanten Roman Siegenthaler waren sie mit drei Fahrzeugen und dreizehn Angehörigen der Feuerwehr über mehrere Stunden im Einsatz. Die Wildbergstrasse zum Tibet Institute Rikon, die Röhrlistrasse zwischen Langenhard und Schlatt, die Nussbergstrasse zwischen Kollbrunn und Nussberg und die Lettenbergstrasse zwischen Girenbad und Lettenberg mussten vorübergehend gesperrt werden, bis der gröbste Sturm vorbei war. Die geräumten Strassen wurden bald möglichst wieder freigegeben. Da es sich um wenig befahrene Strassen handelt, wurde keine Umleitung signalisiert. Siegenthaler freut sich, dass sein erster Einsatz als Kommandant gut verlief, «so wie ein Einsatz verlaufen muss, nach Plan und ohne Unfälle». Er ist gespannt, was die Zukunft noch bringt. «Das wichtigste ist, dass es unfallfrei weitergeht.»

Es ist auch weiterhin Vorsicht geboten

Auch weiterhin muss in den Wäldern laut dem Amt für Landschaft und Natur Vorsicht geboten werden. Viele Bäume seien beschädigt und abgebrochene Äste hängen noch in den Baumkronen. Da die Forstdienste mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sind und auch Bäume fällen, sei es wichtig, dass man die abgesperrten Gebiete wegen Holzschlaggefahr ja meide, auch wenn es die allmorgendliche Joggingroute betreffe. Die Förster Küenzi und Stricker erklären, dass das Aufräumen im Wald zur Vermeidung von Folgeschäden wichtig sei. Im Frühling würde sich nämlich der Borkenkäfer über das viele morsche Holz freuen – für diesen wäre das die ideale Brutstätte um sich rasant zu vermehren. Würde das passieren, wären auch die gesunden Bäume nicht mehr von dem kleinen Schädling
sicher und würden dem nächsten Sturm kaum standhalten können.

Übrigens erhielt der Sturm den Namen Burglind von seiner «Besitzerin», Burglind Gorn. Auf www.wetterpate.de kann man sich ein Hoch- beziehungsweise Tiefdruckgebiet «kaufen». Die Namen der Käufer werden in alphabetischer Reihenfolge über das Jahr auf die Wetterlagen verteilt – in geraden Jahren bekommen Tiefdruckgebiete weibliche Namen und Hochdruckgebiete männliche, in den ungeraden Jahren verhält es sich umgekehrt. Ist das Alphabet durch, beginnt es wieder von vorn. Freuen wir uns auf das erste Hochdruckgebiet, heissen wird es Adam.