Giesserei Wolfensberger neu in Münchner Hand

Die in Bauma ansässige Wolfensberger AG wurde von der Fidelium Partners gekauft (Foto: Kai Hicks)

Die Münchner Firma Fidelium Partners hat die in Bauma ansässige Giesserei Wolfensberger per Ende 2017 zu 100 Prozent übernommen. Gemäss Markus Schmidhauser, Geschäftsführer der Giesserei, ist der Standort Bauma dadurch nicht gefährdet. Im Gegenteil: Geht die Strategie auf, rechnet man sogar mit der Möglichkeit der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Seit dem ersten Januar ist die in Bauma ansässige Giesserei Wolfensberger AG zu 100 Prozent im Besitz der Münchner Firma Fidelium Partners, einer auf Industriebeteiligungen spezialisierten Investmentgesellschaft. Dies geht aus einer gestern an die Medien versandten, gemeinsamen Mitteilung der beiden Unternehmen hervor. Damit endet eine 93-jährige Firmentradition. Seit ihrer Gründung 1924, respektive drei Generationen lang, war die Giesserei im vollständigen Besitz der Familie Wolfensberger und wurde als Familienunternehmen geführt.

Gemäss Markus Schmidhauser, Enkel des Firmengründers und aktueller Geschäftsführer, entschied man sich für den Verkauf an eine externe Firma, «weil aus den Reihen der Familie kaum jemand interessiert war, das Unternehmen weiter zu führen.» Der gesamte Verkaufsprozess dauerte rund ein Jahr lang und wurde von einem auf den Verkauf von Unternehmen spezialisierten, weltweit operierenden Beratungsunternehmen eng begleitet. Im Verlauf dieses Prozesses wurden über 100 mögliche Interessenten kontaktiert.

Aufbau einer schlagkräftigen Giesserei-Gruppe

Die Familie Wolfensberger hat sich letztlich für die Fidelium Partners entschieden, weil diese sich «als die gesamthaft beste Alternative herausgestellt hat», erklärt Schmidhauser. Für die Familie sei es sehr wichtig, dass das Unternehmen am Standort Bauma weiter bestehen bleibt und gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft erhalte. «Beides ist mit dem neuen Eigentümer gegeben, da Fidelium bereit ist zu investieren und eine Wachstumsstrategie zu fahren.» Konkret sei nicht geplant, dass Arbeitsplätze verlagert werden. Fidelium wird das gesamte Management-Team und die Mitarbeitenden übernehmen. Geht die Strategie auf, rechnet man im Gegenteil sogar mit der Möglichkeit der Schaffung neuer Arbeitsplätze (siehe Interview unten).

Die Münchner Firma ist bisher zwar nicht in der Giessereibranche tätig. Es besteht jedoch die Absicht durch weitere Zukäufe eine schlagkräftige Giesserei-Gruppe aufzubauen, von welcher die Wolfensberger AG ein Teil wäre. Für den erfolgreichen Fortbestand hat für die Baumer Giesserei hauptsächlich die Umsetzung der neuen Technologie «Dünnwandiger Stahlguss» höchste Priorität. «Eine Technologie, die noch kaum jemand kennt», wie Schmidhauser erklärt. Ein Ziel wäre, dass durch diese neue Technologie in die Automobilindustrie zugeliefert werden könnte. «Würden wir in diesem Markt einen Fuss in die Türe kriegen, wären zur Erfüllung eines ersten Auftrages sehr grosse Investitionen nötig, die die Möglichkeiten der Familie übersteigen. Fidelium ist da stärker auf der Brust und hat die nötigen Mittel», sagt Schmidhauser. Unter anderem steht der Münchner Firma ein Fondsvermögen von 103 Millionen Euro zur Verfügung für die Akquise von Unternehmen,  Folgeinvestitionen und Zukäufe.

Wieviel Fidelium für die Giesserei Wolfensberger bezahlt hat, darüber wurde Stillschweigen vereinbart.

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«Natürlich schmerzt es, dass die Firma nach 93 Jahren in Familienbesitz verkauft werden muss»

Herr Schmidhauser, was bedeutet die Übernahme der Giesserei Wolfensberger durch die Fidelium Partners für den Produktionsstandort Bauma mit seinen rund 200 Angestellten?

Markus Schmidhauser: Durch die Übernahme soll der Standort Bauma weiter bestehen bleiben. Die Wolfensberger AG hat in den letzten Jahren gewisse kostenintensive Arbeiten in lohngünstige Länder verlagert. Dieser Prozess wird fortgesetzt. Es bestehen jedoch keine Pläne zur umfangreichen Verlagerung von Arbeitsplätzen. Im Gegenteil besteht bei einer erfolgreichen Umsetzung der Wachstumsstrategie sogar die Möglichkeit zur Erschaffung neuer Arbeitsplätze, sofern das Personal dafür rekrutiert werden kann. Dies stellt im Moment allerdings ein schwieriges Unterfangen dar. Wir haben Mühe genügend Fachkräfte zu finden, zum Beispiel Gusstechnologen.

Markus Schmidhauser (Foto: zVg)

Können Sie Garantien dafür geben, dass der Produktionsstandort Bauma erhalten bleibt?

Garantien für die Ewigkeit gibt es nie. Jedoch hat sich Fidelium Partners verpflichtet, die Wolfensberger AG mittelfristig zu halten und in Bauma weiterzuführen.

Wurde dies vertraglich geregelt und wenn ja, von welchem Zeitraum sprechen wir?

Ja, wir haben im Vertrag eine Jahreszahl festgeschrieben. Der Standort Bauma muss gemäss Vertrag ein bisschen weniger als zehn Jahre zwingend weiterbetrieben werden. Wir wollten mit dieser Klausel eine Übernahme durch eine Firma verhindern, die die Giesserei nach zwei, drei Jahren wieder veräussert hätte, nur um den Gewinn herauszuziehen.

Werden in Bauma bald neue Personen das Unternehmen führen?

Die bisher operativ tätigen Familienmitglieder, neben mir weitere vier Personen, die teilweise in führenden Position beschäftigt sind, werden weiterhin für das Unternehmen tätig sein. Als Geschäftsführer werde ich zudem weiterhin im Verwaltungsrat verbleiben. Damit bekräftigt der neue Eigentümer seine Absicht auf Kontinuität zu setzen und somit den bisher erfolgreichen Kurs des Unternehmens fortzusetzen. Denkbar ist ausserdem, dass sich das Management neu am Aktienkapital beteiligen kann. Die Familienaktionäre der Wolfensberger AG ziehen sich jedoch vollständig aus dem Unternehmen zurück. Die Firma wird aber weiterhin Wolfensberger AG heissen. Diese Marke ist etabliert.

Als exportorientiertes Unternehmen hatte die Wolfensberger AG auch mit dem schwachen Euro zu kämpfen. Spielten für den Verkauf auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle?

Nein. Die Wolfensberger AG weist 2017 ein sehr gutes Ergebnis aus. Und die Aussichten für 2018 sind ebenfalls sehr gut. Dazu hat sicher auch die Entwicklung des Euro-Kurses beigetragen, aber auch die generelle Erholung der Weltwirtschaft.

Was bedeutet diese Übernahme für die Gemeinde Bauma? Muss sie mit tieferen Steuereinnahmen rechnen?

Nein. Die Gemeinde Bauma muss sich nicht um den Ausfall von Steuereinnahmen sorgen. Im Gegenteil: Wir hoffen, dass wir unsere Steuerzahlungen sogar erhöhen können. Dies würde nämlich bedeuten, dass wir erfolgreich unterwegs sind. Und darauf arbeiten wir hin.

Sie sind der Enkel des Firmengründers und leiten das Unternehmen in dritter Generation. Schmerzt Sie der Verkauf?

 

Es wohnen zwei Seelen in meiner Brust. Natürlich schmerzt es, dass die Firma nach 93 Jahren in Familienbesitz verkauft werden muss. wolfensberger_banner2_online

Der Entscheid fiel nicht leicht. Wenn von der vierten Generation aber niemand das Unternehmen weiterführen möchte, dann ist es so. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass mit Fidelium Partners der richtige Käufer gefunden wurde, der das Unternehmen weiterhin in eine positive Zukunft führt.

Rolf Hug
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