Gibswiler Kinder sammeln für syrische Flüchtlingskinder

Die engagierte Schulklasse mit ihren drei Lehrerinnen und den beiden Kabarettisten (Foto: pa)

Schon dreimal hatten sich die Kinder des Schulhauses Ried an der Sternenwoche der UNICEF beteiligt. Dieses Jahr waren sie ausgewählt worden, vorgängig eine Pressekonferenz abzuhalten, um auf die Woche vorzubereiten.

Etwas nervös waren die Schüler der 4. bis 6. Klassen des Schulhauses Ried schon, als das Dutzend Medienleute ihr Klassenzimmer betrat. Besonders aufgefallen sind sie allerdings nicht, denn natürlich waren auch noch andere Erwachsene anwesend: die Schulleitung, die Schulpflege, wohl auch ein paar Eltern. Aber dann nahmen die 4. bis 6. Klässler die Sache an die Hand und vertraten souverän und überzeugend ihre Sache.

Nach einer ernst, fast feierlich vorgetragenen Begrüssung durch Leon – schwarzes Hemd, schwarze Anzugsjacke und Krawatte – wurde zuerst die eigene Klasse vorgestellt. 21 Schüler, zwei Drittel von ihnen stammen aus Gibswil, das zur Gemeinde Fischenthal gehört. Das Schulhaus steht zwar im Dorfteil Ried und gehört somit zur Gemeinde Wald.

Die Sternenwoche der UNICEF

Anlass für die Pressekonferenz ist die Sammelaktion der Sternenwoche. Unter dem Motto «Kinder helfen Kindern» findet die Sternenwoche der UNICEF jeweils in der Woche vor dem ersten Advent statt. In dieser Woche sammeln Kinder für Kinder in Notsituationen. Wie sie die Sammelaktionen gestalten, entscheiden die Kinder selber. Mit ihrer Idee zur Sammelaktion können sie an einem Ideenwettbewerb der UNICEF teilnehmen. Dazu schicken sie einen Beschrieb und Fotos ihrer Aktion.

Neben Erläuterungen zu UNICEF und zur Sternenwoche erhält das Sammelziel das Hauptgewicht der Pressekonferenz. Und da spürt man auch das Engagement der Kinder: Rund zwei Millionen Menschen aus Syrien leben im Libanon in Flüchtlingslagern. 800’000 davon sind Kinder, die mit ihren Familien in Zelten und Notunterkünften leben. Auch im Libanon wird es im Winter bitter kalt. Warme Kleider, Winterschuhe, Mützen, Handschuhe, warme Decken für die kalten Nächte sind dringend nötig. Zudem soll den Kindern auch der Schulunterricht ermöglicht werden, damit sie nicht von jeglicher Zukunftshoffnung abgeschnitten werden. Auch diese Kinder sollen eine Chance haben, oder wie es die elfjährige Carla überzeugend sagt: «Wir wollen, dass alle Kinder gleich und gerecht behandelt werden.»

Für die Sammelaktion am 25. November hat die Klasse gebastelt und gebacken. Weihnachtskarten, Schneeflocken und kleine Tannenbäume zum Aufhängen, Sternenlaternen aus Papier, gedörrte Apfelstückchen und gebrannte Mandeln werden an einem Marktstand in Gibswil (beim Denner) und – von einem Bauchladen – in den Quartieren verkauft. Der Erlös der Aktion wird der UNICEF für Winterhilfe zugunsten syrischer Flüchtlingskinder gespendet.

Prominente Unterstützung

Zur Unterstützung der Pressekonferenz teilt die UNICEF Schweiz den Schulklassen prominente Persönlichkeiten zu. So durften die Rieder Schüler Manuel Burkart und Jonny Fischer, Cabaret Divertimento, als Gäste begrüssen und gleich auch zum Thema interviewen. Damit bekam die Pressekonferenz noch eine andere Farbe. Die Kinder können zwar über die Situation in den Flüchtlingslagern berichten und von ihrem Projekt erzählen, aber ihnen fehlt es noch an Lebenserfahrung, um dazu eine persönliche Haltung zu entwickeln. So gesteht Jonny Fischer, dass er manchmal ein schlechtes Gewissen habe, wenn er ausrastet und schimpft und flucht, weil der Zug wieder einmal Verspätung hat. Dabei haben doch andere Menschen, eben zum Beispiel Flüchtlinge ganz andere Probleme als ein paar Minuten Verspätung. Wir seien doch sehr verwöhnt. Auf die Frage, was er sich wünsche, meinte Manuel Burkart, er hoffe, dass sich die Welt wieder beruhige und wieder mehr Friede komme – und dass Donald Trump nicht allzu viel Schaden anrichte. «Und einen anderen Coiffeur findet», ergänzte Jonny Fischer.

Mit einem Dank für das Interesse endete schliesslich die halbstündige Pressekonferenz. Die beiden Kabarettisten, die sichtlich Spass an der Sache hatten – es war nicht das erste Mal –, wurden von den jungen Autogrammjägern bestürmt. Ein Apéro mit einem kleinen Buffet rundete die Sache ab – wie echt!

Sammlung
Am Freitag, 25. November, sammeln die Schüler der 4. bis 6. Klasse des Schulhauses Ried im Rahmen der Sternenwoche der UNICEF für syrische Flüchtlingskinder im Libanon. In Gibswil vor dem Denner und in den Quartieren.