Gewerbetreibende von ihrer Kundschaft abgeschnitten

Das Motorradgeschäft an der Kantonsstrasse ist zweimal von Vollsperrungen betroffen (Foto: md)

Nach Ostern beginnt die Sanierung der Kantonsstrasse zwischen Bauma und Lipperschwendi. Ab Ende Juli ist der Belagseinbau geplant. Dann wird die Strasse abschnittsweise komplett gesperrt. Einige Gewerbetreibende werden während dieser Zeit total von ihrer Kundschaft abgeschnitten.

Ab 4. April wird die Kantonsstrasse zwischen Bauma und Lipperschwendi erneuert. Die Sanierungsarbeiten beginnen mit dem Ersatz des Unterbaus und der Strassenentwässerung. Gemäss Auskünften des zuständigen kantonalen Tiefbauamtes wird die Strecke von Anfang April bis zum 20. Juli halbseitig befahrbar sein, wobei der Verkehr mit Lichtsignalen geregelt wird. Was aber verschiedenen Gewerbebetrieben zwischen dem Ortszentrum von Bauma und Lipperschwendi schon jetzt Bauchschmerzen bereitet, ist die Phase des Belagseinbaus, die am 23. Juli beginnt und voraussichtlich bis zum 20. August dauern wird. Während dieser Zeit wird die Kantons-strasse Abschnitt für Abschnitt komplett gesperrt. Die einzelnen Abschnitte sollen zwar nur je eine Woche lang unpassierbar sein, doch für den Durchgangsverkehr läuft dies auf eine vierwöchige Totalsperre hinaus. Besonders betroffen davon sind Betriebe, die an dieser Strecke liegen und in hohem Mass vom Durchgangsverkehr leben, wie beispielsweise Garagen oder Restaurants.

Nur über Umwege erreichbar

Ivan Eberle ist seit acht Jahren Inhaber der Honda-Garage in unmittelbarer Nähe des Weilers Seewadel. Sein Betrieb wird vom 30. Juli bis zum 20. August von Steg aus nur über weite Umwege erreichbar sein. Während dieser Zeit wird in vier Phasen der Belag zwischen dem Ortsausgang von Bauma und Lipperschwendi eingebaut. «Ich werde für vier Wochen vom Durchgangsverkehr abgeschnitten sein, und dies während der Töffsaison», sagt Eberle. Zwar sei ein Teil seiner Kundschaft aus der Region, doch die vorbeifahrende Kundschaft werde er während des Belagseinbaus verlieren. «Der Verkauf von Motorrädern ist für mich ein wichtiger Umsatzbestandteil. Nicht selten machen vorbeifahrende Kunden spontan Halt, probieren ein neues Motorrad und kaufen es gleich», erläutert Eberle. Die Sperrung der Kantonsstrasse habe für ihn deshalb einschneidende Auswirkungen. Der Garageninhaber fügt hinzu, dass er und einige andere Gewerbetreibende den Kontakt zum kantonalen Tiefbauamt hätten suchen müssen, um an Informationen über die Umfahrungsmöglichkeiten zu kommen.

Optimismus und Skepsis

Ebenfalls stark von den Bauarbeiten betroffen sind das Restaurant Schwendi und die Schwendi Garage am Ortsausgang von Bauma. Diese sind ganz besonders auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen. Beide Betriebe sind in hohem Mass von den ersten beiden Belagseinbauetappen zwischen dem 23. Juli und dem 5. August betroffen, weil diese sich direkt vor ihrer Haustüre abspielen werden. Doch auch die beiden folgenden Etappen vom 6. bis 20. August werden die Zugänglichkeit der beiden Gewerbebetriebe aus Richtung Steg erheblich einschränken.

Peter Thalmann ist zusammen mit seinem Bruder Walter Inhaber eines Sanitär- und Heizungsgeschäfts, das in Bauma direkt an der Kantonsstrasse liegt. «Wir haben vor Weihnachten zusammen mit anderen betroffenen Gewerblern aus Bauma einen Brief an das Tiefbauamt geschrieben», berichtet Thalmann. Es sei daraufhin möglich gewesen, mit dem kantonalen Projektleiter und dem Vertreter des Ingenieurbüros unkompliziert einen Gesprächstermin auf Anfang Januar zu vereinbaren. An diesem Gespräch hätten die Kantonsvertreter das Projekt im Detail vorgestellt und mit den Gewerblern problematische Punkte diskutiert. «Ich habe dieses Treffen als sehr positiv wahrgenommen, weil ich den Eindruck hatte, dass die Kantonsvertreter unsere Sorgen ernst genommen haben und bereit waren, anstehende Erschliessungsprobleme pragmatisch zu lösen», sagt Thalmann. Die Kantonsvertreter hätten zudem versprochen, die betroffenen Gewerbetreibenden laufend über die Bauarbeiten und Strassensperrungen zu informieren. «Ich bin deshalb optimistisch, dass das Tiefbauamt bemüht ist, mit uns Lösungen zu finden», bilanziert Thalmann.

Dies ändere aber nichts an der schwierigen Situation jener Gewerbebetriebe, die auf Laufkundschaft angewiesen seien. Diese würden es in den nächsten Monaten schwer haben. Franz Ziegler, Projektleiter des Tiefbauamtes, sagte gegenüber dem «Tößthaler», es seien Abklärungen im Gange, um für die Betroffenen der Vollsperrung individuelle Lösungen zu finden.

Peter Leutenegger, Inhaber der Schwendi Garage, ist hinsichtlich der Vollsperrung wenig optimistisch: «Bei Tankstelle und Waschanlage, die von der Fahrkundschaft leben, gehe ich diesen Sommer von einem Umsatzverlust von 35 bis 40 Prozent aus. Ich bin erstaunt, wie die Kantonsvertreter schlicht unterschätzen, wie sehr Garagen oder Restaurants vom Verkehr und vom Publikum leben.» Leuteneggers Betrieb war bereits vor zwei Jahren von kantonalen Bauarbeiten betroffen war. Damals wurden Bauarbeiten für den Einlenker zum Radweg Richtung Lipperschwendi im Bereich der Tankstelleneinfahrt vorgenommen.

 

NOTFALLEINSÄTZE UND BUSVERKEHR
Das kantonale Tiefbauamt wird Polizei und Rettungsdienste direkt über die Durchfahrtsmöglichkeiten informieren. Während der Bauphase mit Lichtsignalanlagen wird die Feuerwehr mit Geräten für die Busbevorzugung ausgerüstet, um die grösstmögliche Durchfahrtsmöglichkeit zu gewährleisten. Ausserdem wird die Feuerwehr bei Notfalleinsätzen mit ihrem Verkehrsdienst den Verkehr regeln. Während der Vollsperrung wird die Feuerwehr ihre Einsatzmittel ausserhalb des Baustellenperimeters bereithalten. Zudem wird abgeklärt, ob die erst kürzlich sanierte Blacktenbrücke im Notfall mit Fahrzeugen über acht Tonnen Gesamtgewicht befahren werden kann, ohne Schaden zu nehmen. In Gebieten, die während der Vollsperrung von den Feuerwehrkräften Bauma-Sternenberg nicht zu erreichen sind, gewährleisten die Nachbar-Feuerwehren die Einsatzbereitschaft. Der Ersatzbus, welcher abends zwischen Bauma und Fischenthal verkehrt sowie der Ortsbus werden während der Vollsperrung den parallel zur Kantonsstrasse verlaufenden Veloweg benutzen. Dieses Vorgehen wurde mit den Busbetreibern so festgelegt.