Gemeinsam oder allein? 

Die Schulhäuser werden weiterhin bestehen bleiben, auch nach einer Fusion. (Fotos: tb/sl)

Am Sonntag wird über die Schulfusion Elsau-Schlatt abgestimmt. Die heute eigenständigen Gemeinden der Primarschulen Elsau und Schlatt sowie die Oberstufenschule Elsau-Schlatt wollen sich auf den 1. Januar 2019 zu einer Schulgemeinde mit dem Namen «Schule Elsau-Schlatt» zusammenschliessen.

Durch die Fusion würden sich die jetzigen drei Schulgemeinden zu einer Kreisschulgemeinde zusammenschliessen. Die Schulhäuser der drei Gemeinden werden allerdings auch in Zukunft bestehen bleiben. Zurzeit ist die Schweizer Bildungslandschaft von mehreren Reformprojekten betroffen; die Lehrpläne von 17 Kantonen, darunter auch Zürich, sind bereits nach dem Lehrplan 21 ausgerichtet. Diese grundlegenden strukturellen Veränderungen machen auch vor kleineren Gemeinden keinen Halt. Vom Zusammenschluss erhoffen sich die Schulpflegen dauerhafte Vorteile in dem komplexen Schulumfeld, dessen Anforderungen in den letzten Jahren gestiegen sind. «Der Tößthaler» stellte Philipp Berni, dem Präsidenten der Oberstufe Elsau-Schlatt, einige Fragen zur Schulfusion.

Was erhoffen Sie sich von dem Zusammenschlussvertrag?

Philipp Berni: Einerseits stärkt der Zusammenschluss eine koordinierte und verbindliche pädagogische Schulentwicklung. Diese wird über alle Schulstufen koordiniert. Das ermöglicht markante Verbesserungen der Stufenübertritte, vor allem von der Primar- in die Oberstufe sowohl im fachlichen wie auch im sozialen Bereich. Als Beispiele seien der Fremdsprachenunterricht und die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) erwähnt. Davon profitieren alle Schülerinnen und Schüler. Weil nur noch eine Behörde die Verantwortung für die Schulstrategie trägt, führt dies zu Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit. Damit wird langfristig ein qualitativ hochstehendes Bildungsangebot für alle Kinder und Jugendlichen gesichert. Andererseits ermöglicht der Zusammenschluss die Optimierung der Organisation. Eine starke, aber schlanke Organisation bildet das Fundament der neuen Schule, welche auf künftige Entwicklungen professionell und effizient agieren kann. Die Ressourcen von Lehrpersonen, vor allem jedoch von den Schulverwaltungen und den Schulleitungen werden optimal genutzt, weil Reformprojekte zusammen ange-packt werden können. Eine grössere Schule ist ein attraktiver Arbeitgeber, da Mitarbeitende ihre Pensen nach Wunsch auf mehrere Schulen verteilen können. Fachteams im Bereich der Sonderpädagogik und Schulsozialarbeit ermöglichen fachlichen Austausch und Weiterbildungen.

Sekundarschulpräsident von Elsau-Schlatt Philipp Berni (Foto: zVg)
Sekundarschulpräsident von Elsau-Schlatt Philipp Berni (Foto: zVg)

Was würde sich bei einer künftigen Schulfusion für die Gemeinden Schlatt und Elsau ändern?

Beide Politische Gemeinden haben einen verlässlichen Partner, der den Bildungsauftrag der Volksschule erfüllt. Sofern die Frage darauf abzielt, ob der Schulzusammenschluss eine Fusion der politischen Gemeinden begünstigt – dies kann klar verneint werden. Für beide politischen Gemeinden verändern sich die Fusionsperspektiven grundsätzlich nicht, da sie bereits an den durch die Oberstufenschule gegebenen Gebietsperimeter Elsau-Schlatt gebunden sind.

Was würde sich für die Schülerinnen und Schüler ändern?

Die Schulen sollen zu einem Ganzen zusammengeführt werden. Mit der gemeinsamen, auf beide Schulstufen abgestimmten Schulentwicklung, die eine einheitliche Lern- und Lehrkultur vom Kindergarten bis in die Sekundarstufe ermöglicht, schaffen wir einen Mehrwert für unsere Kinder und Jugendlichen. Und eine grosse Schulgemeinde kann mehr oder gezielter Mittel für pädagogische Entwicklungen und schulische Zusatzangebote zur Verfügung stellen, weil sich Ressourcen durch organisatorische und administrative Vereinfachungen sowie Synergiebildungen optimaler einsetzen lassen. Damit wird eine fusionierte Schule unseren Kindern und Jugendlichen noch bessere Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Als grosse Schule haben wir die Möglichkeit, die einzelnen unterschiedlichen Fördermassnahmen für Kinder zu bündeln. Dies bedeutet eine gewisse finanzielle Entlastung. Aber auch neue Schulformen wie Tagesschulen oder Freifachangebote wie beispielsweise Lager, Begabtenförderung, Schulsport oder Musikalische Grundausbildung lassen sich mit grösseren Schülerzahlen viel besser verwirklichen.

Aus der individuellen Perspektive der Schülerin oder des Schülers ändert sich unmittelbar wenig. Sie gehen in die bestehenden Schulhäuser zur Schule und eventuell zur selben Lehrperson wie ihre älteren Geschwister.

Können Sie mit Sicherheit sagen, dass der Steuerfuss in Elsau nach einer möglichen Schulfusion nicht erhöht würde?

Die Kompetenz über die Festlegung des Steuerfusses liegt bei den Stimmberechtigten der neuen Schulgemeinde. Deshalb können die heutigen Behörden keine solche Versprechen abgeben. Der Frage haben wir uns natürlich sehr wohl gestellt und sind dabei zum Ergebnis gelangt, dass die fusionierte Schulgemeinde die Aufgaben bei einem Steuerfuss auf dem Niveau von Elsau (heute 68 Prozent) erfüllen kann. Mit anderen Worten: die isoliert betrachtete Entwicklung von Elsau – insbesondere der Primarschule Elsau – als deutlich grössere und somit auch aufwandbestimmende Gemeinde ist massgebend. Trotz anstehender Investitionen am Schulhaus der Primarschule Elsau ermöglicht die neue Schule dank ihrer Grösse eine stabile Steuerfussentwicklung.

Wie geht es weiter, sollte die Fusion abgelehnt werden?

Die Projektgruppe wird dann ihre Arbeit abschliessen und die drei Schulgemeinden bleiben eigenständig. Im Moment gibt es keine Alternativprojekte. Diese wären schwierig zu realisieren, da sie fast immer eine Auflösung des Gebildes der Oberstufenschule Elsau-Schlatt mit sich ziehen würden.