Gemeindefinanzen sollen im Lot bleiben

Finanzvorstand Jürg Bosshard will, dass die Gemeinde Bauma im Steuerwettbewerb führend bleibt (Foto: md)

Seit diesem Frühling ist Jürg Bosshard Finanzvorstand der Gemeinde Bauma. «Der Tößthaler» hat ihn zur Finanzplanung der nächsten Jahre befragt. Bosshards Ziel ist, alles zu tun, um die Gemeindefinanzen im Lot zu halten.

In Bauma stehen in den nächsten Jahren beträchtliche Investitionen an. Neben der Sanierung des Gemeindehauses und Hallenbads steht noch das Projekt Böndler sowie die Sanierung oder allenfalls der Neubau des Werkhofs bevor. Der «Tößthaler» wollte vom Baumer Finanzvorstand Jürg Bosshard wissen, wie die Finanzplanung für die nächsten Jahre aussieht.

Was ist für Sie eine nachhaltige und langfristig orientierte Finanzpolitik, wie sie in den Legislaturzielen angestrebt wird?

Jürg Bosshard: Für mich bedeutet eine nachhaltige Finanzpolitik zu versuchen eine Stetigkeit herbeizuführen und realistische Ziele zu setzen. Die Kernaufgaben einer Gemeinde sollen effizient und zuverlässig erledigt werden und die Bürger sollen auf geordnete und an die Ertragskraft der Gemeinde angepasste Finanzen zählen können.

Weshalb möchte Bauma die steuergünstigste Gemeinde des Tösstals sein?

Dieses Legislaturziel ist ein Bekenntnis des Gemeinderates an die Bevölkerung, dass man gewillt und motiviert ist, alles zu tun, damit die Gemeindefinanzen im Lot bleiben. Wir wollen im Steuerwettbewerb der Gemeinden im Tösstal führend sein, auch wenn uns bewusst ist, dass dies nur ein sehr eingeschränkter Wettbewerb ist.

Wie hoch war der durchschnittliche Steuerertrag der Gemeinde Bauma in den letzten Jahren?

In den Jahren 2014 bis 2016 lag der Steuerertrag ohne Grundsteuern bei durchschnittlich 10,4 Millionen Franken.

Wie hoch ist zurzeit die durch-
schnittliche Nettoverschuldung pro Einwohner?

Die Nettoverschuldung pro Einwohner im Gesamthaushalt liegt per Stichtag 31.12.20216 bei knapp unter 1000 Franken pro Einwohner. Diese Zahl hängt aber auch stark von der Bewertung des Finanzvermögens ab. Alleine durch die Neubewertung im 2016 ist die Nettoverschuldung um 160 Franken angestiegen.

Mit welchem durchschnittlichen Steuerertrag rechnen Sie in den nächsten vier bis fünf Jahren?

Ausgehend von einem Bevöl-
kerungswachstum von rund einem Prozent beziehungsweise rund 50 Personen pro Jahr und einer Erhöhung des steuerbaren Einkommens ebenfalls um ein Prozent rechnen wir damit, dass der Steuerertrag kontinuierlich ansteigen wird, 2022 auf über 11,5 Millionen Franken.

«Wir wollen im Steuerwettbewerb der Gemeinden im Tösstal führend sein.»

Neben der Sanierung des Hallenbads, welche weiteren grösseren Investitionen stehen in Bauma in den nächsten vier bis fünf Jahren an? Wie hoch werden diese Investitionen voraussichtlich ausfallen?

Die grössten Investitionen sind bereits bewilligt. Das Gemeindehaus löst für 2018 und 2019 Investitionskosten von rund 4,8 Millionen Franken aus. Im nicht steuerfinanzierten Bereich schlägt das Projekt Böndler 2020 in den nächsten drei Jahren mit 6,6 Millionen Franken zu Buche. Zusammen mit dem Hallenbad sprechen wir von Beträgen zwischen 20 und 23 Millionen Franken. Auch die Sanierung oder allenfalls ein Neubau des Werkhofes steht in Zukunft an.

Wie werden diese Investitionen über die Jahre gestaffelt, damit die Nettoverschuldungsgrenze, wie sie die Legislaturziele vorgeben, nicht überschritten wird?

Für das Gemeindehaus ist eine Bauzeit von einem Jahr vorgesehen. Fast drei Viertel der Kosten werden im 2018 anfallen und der Rest im 2019. Beim Böndler werden im 2019 die grössten Kosten anfallen. Die Nettoverschuldung wird durch die Investitionen in den kommenden Jahren im Gesamthaushalt zunehmen, vor allem auch wegen Investitionen im gebührenfinanzierten Bereich. Bezogen auf die steuerfinanzierten Finanzen kann das Legistlaturziel eingehalten werden. Ich bin kein Anhänger von statischen Kennzahlen. Künftig sollte die Verschuldung in ein Verhältnis mit den Einnahmen gesetzt werden.

Bei einem Ja am 24. September zum Erhalt des Hallenbades und zu einer der beiden Varianten, würde der Steuerfuss zwecks Vorfinanzierung um rund 3 respektive 5 Prozent erhöht. Ab wann ist diese Erhöhung geplant?

Ich bin überzeugt, dass die Baumer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger einer Sanierung des Hallenbades zustimmen werden. Eine Vorfinanzierung wird an einer Gemeindeversammlung im 2018 vorgeschlagen, idealerweise zusammen mit dem Projektierungskredit. Die Steuererhöhung wird dann mit dem Steuerjahr 2019 wirksam werden, sofern die Gemeindeversammlung zustimmt.

Trotz des erhöhten Steuerfusses zwecks Vorfinanzierung könnten nicht die gesamten Investitionskosten gedeckt werden. Diese betragen je nach Sanierungsvariante zwischen 9 und 13,5 Millionen Franken. Wo nimmt die Gemeinde das restliche Geld her?

Ausgehend von einer Bauvollendung des Hallenbades im 2023 können während fünf Jahren zwischen 0,6 bis 1 Million Franken jährlich angespart werden. Im Weiteren gehe ich davon aus, dass für die Sanierung eines Hallenbades mit überregionaler Bedeutung noch namhafte Gelder aus dem Lotteriefonds gesprochen werden. So kann schon ein schöner Anteil an die Kosten beigesteuert werden. Der Restbetrag muss voraussichtlich fremd finanziert werden.

«Ich bin überzeugt, dass die Baumer einer Sanierung des Hallenbades zustimmen werden.»

Geht man davon aus, dass es sich beim restlichen Geld um Fremdkapital handelt: Was für Auswirkungen hat dessen Aufnahme auf die finanzielle Situation von Bauma?

Für die noch nötige Finanzierung fallen Amortisationskosten respektive Abschreibungen und Kapitalzinsen an. Die Investitionskosten werden nach HRM2 linear über 33 Jahre abgeschrieben und verringern sich um die vorhandene Vorfinanzierung. In unseren Präsentationen sind wir davon ausgegangen, dass sich Kapitalfolgekosten je nach Variante zwischen 380’000 und 580’000 Franken bewegen, ohne Berücksichtigung einer Vorfinanzierung.

Rolf Hug
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