Gedanken – bunt wie das Herbstlaub

Heute gehe ich verschiedenen Gedanken nach, die mich in der letzten Zeit beschäftigten. So befasse ich mich mit Geboten/Verboten, Bachelor und Paradise Papers. Die 10 Gebote geben es schon vor. Du sollst nicht …. Im Alltag begleiten uns überall Verbote. Der Schilderwald nimmt laufend zu und zeigt manchmal groteske Züge. Dem durchschnittlichen Bürger ist nicht mehr klar, was nun verboten und was erlaubt ist. Gleichzeitig steigt die Zahl der Übertretungen. Schauen wir nur, wie viele Autofahrer mit dem Handy am Ohr unterwegs sind. Besonders störend wirkt es, wenn der Lenker eines teuren Autos sich nicht mal eine Freisprechanlage leisten kann. Die Unfallgefahr ist mit einer solchen Anlage nicht gebannt, aber sicherlich reduziert. Obwohl das Risiko bekannt ist, kümmern sich viele Autofahrer nicht darum. Es scheint ein Volkssport geworden zu sein, sich nicht mehr an Verbote zu halten. Schliesslich sind diese für die anderen, aber nicht für mich.

Ich nutze deshalb diesen Standpunkt für ein Geständnis. Seit meiner Jugend plagt mich ein Verstoss gegen das 8. Gebot. Jetzt möchte ich endlich reinen Tisch machen. Ja, ich habe als Kind im Volg Kaugummis gestohlen. Dieses Geständnis ist mir besonders wichtig, weil ich im nächsten Frühjahr wieder für den Turbenthaler Gemeinderat kandidiere. Heute werden Kandidatinnen und Kandidaten bis auf die 6. Stelle hinter dem Komma durchleuchtet. Jede noch so kleine Verfehlung wird ans Licht gezerrt. Dabei geht es nicht um die Sache selber, sondern darum, die Person zu diffamieren. Ich fühle mich jetzt wie der Verdächtige während des Verhörs, wenn der Kommissar eindringlich fordert: «Gestehen Sie endlich, nachher werden Sie sich viel besser fühlen».

Kürzlich haben wir einen Ball in Zürich durchgeführt. Über 65’000 Franken sind für die von uns aufgebaute und betriebene Schule in Indien zusammengekommen. Mit diesem Betrag können wir über 160 Buben und Mädchen vom Kindergarten bis in die 4. Klasse während eines ganzen Jahres unterrichten und ihnen täglich eine gesunde Mahlzeit bieten. Mehr als 15 Lehrerinnen und Lehrer sowie Hilfskräfte beziehen einen Lohn und auch die Miete für das Schulgebäude ist im Betrag enthalten. Ein solcher Anlass lebt von den prächtig herausgeputzten weiblichen Ballgästen, vom feinen Essen, der Tombola und dem Tanzen. Damit niemand wegen eines Tanzmuffels am Tischen sitzen bleiben musste, haben wir sogar sogenannte Taxi Dancers engagiert. Diese schwebten dann mit der Dame oder dem Herrn übers Parkett. Und an einem Ball darf natürlich die Cervelat-Prominenz nicht fehlen. Diese soll dem Anlass etwas Glamouröses verleihen. Dieses Jahr sass unter anderen der aktuelle Bachelor am Ehrentisch. Er kam natürlich alleine, weil die Rosen-Verteilschlacht am Fernsehen noch nicht fertig gezeigt wurde. So wissen wir leider nicht, wer nun seine Herzdame ist. Wenn der Bachelor schon an unserer Charity-Veranstaltung teilnimmt, dann will ich mich vorgängig mit dieser Fernsehsendung befassen. Deshalb habe ich zwei Mal in die Sendung reingezappt. Und wenn ich mich mit dieser Aussage unbeliebt mache: Diese Sendung ist schlicht Schwachsinn. Da wird ein Rollenbild vorgeführt, welches eine Zumutung ist. Beispiel gefällig? Der Bachelor ruft und die «Ladies» rennen. Die Frauen sind für jeden Blödsinn zu haben, nur um die nächste Runde zu erreichen. Mann = stark, muskulös, begehrenswert. Frau = schön, willig, zickig. Und am Montagabend sitzen sie wieder vor dem Fernseher und ziehen sich die nächste Folge rein. Warum machen starke, intelligente Persönlichkeiten diesen Unsinn mit? Warum fiebern so viele Leute vor der Glotze mit und vergiessen Tränen, wenn eine «Lady» den Koffer packen muss? Im Moment läuft die weltweite Kampagne, die sexuelle Übergriffe aufdecken soll. Normalerweise geht es um das Fehlverhalten von Männern gegenüber Frauen. Wir dürfen aber nicht die Augen verschliessen vor der Tatsache, dass auch Frauen gegenüber Männern Gewalt in jeder Form ausüben. Die Anschuldigungen gehen viele Jahre zurück, meist in eine Zeit, als das Bild der Frau noch ganz anders gezeichnet wurde. Irgendwie sind wir trotz Emanzipation nicht viel weitergekommen, wenn Sendungen wie «Der Bachelor» einen solchen Zulauf verzeichnen. Oder geht es einfach um die Sehnsucht nach einer heilen Welt?

Die Bachelor-Sendungen werden unter strahlend blauem Himmel an einen wunderschönen Sandstrand aufgenommen. Dies bringt mich zu den Paradise Papers. Was für ein schöner Name für eine unappetitliche Sache. Es geht um Informationen über Steuervermeidung, Steuerdelikte und Steuerschlupflöcher. Paradise Papers umfassen die letzten Enthüllungen in einer langen Reihe von sog. «Leaks». In den Nuller-Jahren ging es um die Lichtensteiner Steueraffäre. Ab 2013 ging es weiter mit den Offshore-Leaks, den Luxemburg-Leaks, den Swiss-Leaks. Dann tauchten die Panama Papers auf, welche von den Malta Files abgelöst wurden. Meistens geht es um eigentlich vertrauliche Unterlagen, welche den Medien zugespielt wurden. Bei den Paradise Papers werden tausende Fälle beschrieben, bei denen grosse Konzerne und wohlhabende Personen Steuervermeidung und Steuerhinterziehung betrieben mittels Verschleierung, Splittung und Geldwäsche. Briefkastengesellschaften wurden gegründet und Steueroasen genutzt. Gemäss Experten sollen alleine in Deutschland wegen illegaler Finanztransaktionen jährlich 50 bis 70 Milliarden Euro verloren gehen. Die Entrüstung ist gross, passieren wird wohl nicht viel. Warum ich es trotzdem thematisiere? Bei der letzten Steuerklärung wurde mir der früher immer bewilligte Abzug für die Nutzung des Velos gestrichen. Es geht nur um 700 Franken. Aber hier passt das Sprichwort: Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen. Und so schliesst sich der Kreis zu den eingangs beschriebenen Geboten/Verboten.