«Für das Erlernen des Handwerks ist Wildberg ideal»

Seit rund 100 Tagen im Amt: der neue Wildberger Gemeindeschreiber Reto Stark. (Foto: Rolf Hug)

Anfang Mai hat Reto Stark den Posten als Gemeindeschreiber von Wildberg übernommen. «Ich habe mich gut eingearbeitet und wurde sehr herzlich aufgenommen», sagt er. Vor allem im Bereich Informatik möchte er etwas bewirken.

Seit rund 100 Tagen ist Reto Stark als Gemeindeschreiber von Wildberg im Amt. Er hat den Posten Anfang Mai von Peter Ringer übernommen, der in Pension ging (wir be­richteten). Ringer hat ihn in den ersten drei Wochen noch eingearbeitet, um eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten. Seither hat der 31-jäh­rige Stark die Verantwortung für die Verwaltung allein inne. «Es war zu Beginn wie der sogenannte Sprung ins kalte Wasser», erinnert sich Stark, der mit seiner Partnerin in Wolfhausen wohnt.

Zwar arbeitete er zuvor schon auf diversen Gemeindeverwaltungen, jedoch in Wildberg das erste Mal als Schreiber. «Irgendwann muss man die Verantwortung allein übernehmen. Und der perfekte Gemeindeschreiber ist noch nie vom Himmel gefallen.» Man wachse an den Aufgaben.

Zu Beginn gleich gefordert

Und diese kamen ziemlich bald nach Ringers Abgang auf Reto Stark zu. Anfang Juni standen innerhalb einer Woche eine Gemeinderatssitzung, eine Gemeindeversammlung und ein Abstimmungssonntag auf dem Programm. «Ich hatte ziemlich schnell einige Überstunden auf meinem Konto.» Im Vorfeld der Gemeindeversammlung habe er sich ausserdem überlegt, wie vorzugehen wäre, wenn ein Stimmbürger zum Beispiel ein Änderungsantrag stellen würde. «Ich habe gehofft, dass ­dieser Fall nicht an meiner ersten Gemeindeversammlung eintritt», erzählt der 31-Jährige. Und so kam es dann auch. Am Abstimmungssonntag ging ebenso alles reibungslos über die Bühne. «Die Abläufe sind in den meisten Gemeinden ähnlich.»

Dass Stark sich gerade in ­Wildberg beworben hat, ist kein Zufall. «Es hat sich abgezeichnet, dass ich Gemeindeschreiber werden will. Und für das Erlernen des Handwerks ist eine Gemeinde wie Wildberg ideal.» Da habe man unter anderem Einblick in alle Verwaltungsbereiche. In grösseren Gemeinden seien die Verwaltungswege länger und potenzielle politische Grabenkämpfe härter. «Da ist man als Gemeindeschreiber ebenso exponierter und kann schneller in ein Fettnäpfchen treten.»

Sitzungsvorbereitung soll digitalisiert werden

Für die Besetzung der Gemeindeschreiberstelle hat der Wildberger Gemeinderat ein Assessment durchführen lassen. Stark hat sich gegen rund ein Dutzend Bewerber durchgesetzt. Er fühlt sich vom Gemeinderat, aber auch von der Bevölkerung herzlich empfangen und sehr gut aufgenommen. Zu Beginn hat ihm ­Gemeindepräsident Dölf Conrad das gesamte Gemeindegebiet ­gezeigt. «Vieles habe ich aber wieder vergessen. Das waren so viele Eindrücke in den ersten Wochen», sagt Stark. Er rechnet mit ein bis zwei Jahren, bis er alle gängigen Aufgaben eines Gemeindeschreibers kennengelernt und Routine in den Arbeitsalltag gebracht hat.

Stark möchte vor allem im Bereich Informatik etwas bewirken. Diesbezüglich hat auch der Gemeinderat gewisse Erwartungen. Im nächsten Jahr prüft die Gemeinde Wildberg die Einführung einer elektronischen Geschäftsverwaltung. Heute müsse der Gemeinderat beispielsweise für die Sitzungsvorbereitung die Aktenauflage noch physisch im Gemeindehaus in Ordnern durchblättern. Um dies zu vereinfachen, würde Stark eine elektronische Geschäftsverwaltung begrüssen. Die Gemeinderäte könnten dann die Sitzungsvorbereitung komplett elektronisch vornehmen. «Simpel ausgedrückt, will ich nur noch einen Knopf drücken müssen, und die Gemeinderäte haben die Dokumente für die nächste Sitzung auf ihrem Tablet.»

Umzug nach Wildberg?

Und wird der 31-Jährige mit seiner Partnerin früher oder später nach Wildberg ziehen? «Darüber habe ich mich kürzlich mit Dölf Conrad unterhalten. Mich würde ein Einfamilienhäuschen in Wildberg zwar reizen, zuerst müsse aber noch das nötige Eigenkapital angespart werden», sagt Stark schmunzelnd. Er würde aber befürchten, dass Bürger Amt und Privatperson durcheinanderbringen könnten. «Ausserdem hat man generell mehr Abstand von der Arbeit, wenn man ausserhalb wohnt.» Und diesen Abstand brauche er.

Mindestens zwei Legislaturperioden, also acht Jahre, will Reto Stark Schreiber in Wildberg bleiben. Dann könnte er sich einen Wechsel als erster Schreiber in eine grössere Gemeinde vorstellen.

Rolf Hug
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