Fischenthaler Gemeinderat wird parteilos

Barbara Dillier-Keller ist die neue Gemeindepräsidentin von Fischenthal (Foto: Archiv tth)

Die neue Fischenthaler Gemeindepräsidentin heisst Barbara Dillier-Keller. Sie wurde am Sonntag mit einem Glanzresultat gewählt. Da Nelly Villiger von der SVP den Sprung in die Exekutive nicht schaffte, sind neu alle Mitglieder parteilos.

Das Resultat ist glasklar: Barbara Dillier-Keller (parteilos) schaffte vergangenen Wahlsonntag den Sprung in den Fischenthaler Gemeinderat problemlos. Bei einem absoluten Mehr von 295 Stimmen und einer Wahlbeteiligung von knapp 39 Prozent überflügelte Dillier-Keller mit ihren 609 Stimmen die anderen Anwärter auf einen Sitz in der Exekutive deutlich: Sowohl die ebenfalls gewählten Elmar Schaufelberger (parteilos, 529 Stimmen), Matthias Zürcher (parteilos, 495), der als einziger der Bisherigen wieder antrat, und Rudolf Pfeiffer (parteilos, 371), als auch die nicht gewählte Nelly Villiger (SVP, 285). Komplettiert wird der neu auf fünf Mitglieder reduzierte Gemeinderat von der wiedergewählten Schulpflegepräsidentin Judith Rüegg (siehe separater Artikel).

Aufgrund der Wahlergebnisse für die Sitze in die Fischenthaler Exekutive ist es wenig überraschend, dass Dillier-Keller ebenso als Gemeindepräsidentin klar gewählt wurde, wo sie konkurrenzlos antrat. Da erzielte sie 588 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 315. Auf Vereinzelte fielen 41 Stimmen. So ein deutliches Resultat habe sie nicht erwartet, sagte die 44-jährige Mutter dreier Kinder am Sonntag kurz nach Bekanntgabe der Resultate am Telefon. «Ich freue mich natürlich sehr darüber und werte dies als Zeichen grossen Vertrauens.» Auch ihre erste Amtshandlung hatte sie da bereits hinter sich: «Ich bin bei allen gewählten Gemeinderatsmitgliedern zu Hause vorbei gegangen und habe ihnen zur Wahl gratuliert.»

Sprechstunde einrichten

Richtig los gehe es für «die neue Mannschaft» aber erst Ende Juni. Dann trifft sich der neu gewählte Gemeinderat das erste Mal, unter anderem um die Ressortverteilung vorzunehmen. Ein Wunschressort habe sie nicht, sagte die neu gewählte Gemeindepräsidentin: «Ich bin vielseitig interessiert und könnte mich mit jedem Ressort anfreunden.» Ihr wichtigste Ziel sei und bleibe, bürgernah zu sein. «Ich will eine Sprechstunde einrichten, bei der mir die Bürger ihre Probleme vortragen können und wir nach Lösungen suchen.» Ausserdem lege sie Wert auf eine transparente Kommunikation.

Parteizugehörigkeit zweitrangig

Die Wahl vom Sonntag steht für Fischenthal für eine Art Wachablösung: Mit Dillier-Keller steht neu eine Frau an der Spitze der Gemeinde Fischenthal. Ausserdem ist der amtierende Gemeindepräsident Josef Gübeli (SVP) schon lange im Amt, nämlich seit 16 Jahren. Weiter wird aufgrund der Nicht-Wahl von Nelly Villiger zukünftig niemand mehr von der Volkspartei im Fischenthaler Gemeinderat sitzen, sondern nur noch Parteilose. In der nun ablaufenden Legislaturperiode stellte die SVP immer mindestens drei Gemeinderäte. Barbara Dillier-Keller sieht darin nicht wirklich ein Problem, dass die SVP in ihrer Hochburg Fischenthal niemanden mehr in der Exekutive stellt: «Wir betreiben auf Gemeindeebene Sachpolitik. Da ist Parteizugehörigkeit nur zweitrangig.»

Die Strategie der Fischenthaler Lehrer ist nicht aufgegangen

Judith Rüegg bleibt Schulpflegepräsidentin von Fischenthal. Mit 307 Stimmen schaffte sie die erneute Wahl ins Präsidium, dies bei einer Wahlbeteiligung von gut 38 Prozent und einem absoluten Mehr von 299 Stimmen. Ihre Herausfordererin, Michaela Oberholzer Huber, erhielt 260 Stimmen und schaffte sogar nur ganz knapp die Wiederwahl in die fünfköpfige Schulpflege. Da erzielte Oberholzer Huber 400 Stimmen und damit nur fünf Stimmen mehr als Corinne Schoch, die das absolute Mehr von 266 Stimmen ebenfalls locker erreichte, aber als Überzählige ausschied. An der Spitze obenaus schwang Petra Orlando (482), gefolgt von Sonja Wildhaber (448), Judith Rüegg (446) und Hans Lazzarotto (422). Sie alle wurden am Sonntag ebenfalls in die Schulpflege gewählt.

Judith Rüegg zeigte sich am Sonntag auf telefonische Anfrage «sehr erfreut» über ihr Resultat. «Ich habe gehofft, dass ich als Schulpräsidentin wiedergewählt werde. Nun fühle ich mich von der Fischenthaler Bevölkerung getragen.» Auf die Kampagne der Fischenthaler Lehrerschaft angesprochen, die explizit für die Wahl Oberholzer Hubers auf deren Flyer warb, sagte Rüegg: «Es müssen sicherlich noch einige Gespräche geführt und Dinge aufgearbeitet werden.» Sie sei aber nicht wütend und nehme die Aktion der Lehrer auch nicht persönlich, welche mehr auf ihr Amt als auf ihre Person gezielt habe. Und sie fügt hinzu: «Wir als Schulpflege und besonders ich als Präsidentin fungieren halt manchmal als Spielverderber. Das ist mitunter unsere Funktion und Aufgabe.» Es gelte nun positiv in die Zukunft zu blicken und weiterhin professionell zusammenzuarbeiten.

Bei Michaela Oberholzer Huber hält sich am Sonntag die Enttäuschung über das verpasste Schulpräsidium in Grenzen. «Es ist immer schwierig, gegen jemand Amtierendes zu gewinnen und ich bin zufrieden, dass ich weiterhin in der Schulpflege mitwirken kann.» Auf ihr knappes Resultat angesprochen, sagt sie: «Ich bin jemand, der halt ein wenig polarisiert.» Sie glaubt aber nicht, dass ihr in diesem Zusammenhang das Aufführen der Fischenthaler Lehrer auf ihrem Wahlflyer geschadet hätte, «sonst wäre Sonja Wildhaber nicht als Zweitbeste gewählt worden.» Ausserdem würde Michaela Oberholzer Huber nochmals genau so handeln: «Ist der Leidensdruck der Lehrer so gross und kämen sie erneut auf mich zu, würde ich sie wieder auf meinen Flyer nehmen.»

Judith Rüegg bleibt Schulpräsidentin

Judith Rüegg bleibt Schulpräsidentin

Rolf Hug
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