Fischenthal senkt den Steuerfuss auf 127 Prozent

Blick in den Saal des Gasthauses Blume, wo die Fischenthaler Gemeindeversammlung stattgefunden hat: Alle Anträge des Gemeinderats, darunter das Budget 2017, wurden mit überwiegender Mehrheit angenommen (Foto: Massimo Diana)

Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Fischenthal haben an ihrer Gemeindeversammlung das Budget 2017 sowie einen Nachtragskredit von rund 118‘000 Franken gutgeheissen. Nach der Versammlung informierte der Gemeinderat über die Zukunft des Pflegeheims «Haus Geeren».

Dezember ist Budgetmonat. Auch die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Fischenthal hatten an ihrer Gemeindeversammlung von Anfang Dezember über Voranschlag und Steuerfuss für das Jahr 2017 zu befinden. Daneben war ein weiteres Finanzthema traktandiert: Die Genehmigung eines Nachtragskredits von rund 118‘000 Franken im Zusammenhang mit der Strategie und der Reorganisation des gemeindeeigenen Alters- und Pflegeheims «Haus Geeren».

Dies sei vorweggenommen: Nachdem die zuständigen Mitglieder des Gemeinderats geduldig und auch für Nicht-Experten verständlich alle Fragen der Bürgerinnen und Bürger zum Budget beantwortet hatten, wurden Voranschlag, Steuerfuss und Nachtragskredit mit überwiegender Mehrheit gutgeheissen (Zahlen siehe Box rechts unten). Peter Ackermann, Präsident der Rechnungsprüfungskommission, lobte den gesamten Gemeinderat, aber ganz besonders Finanzvorstand Herbert Müller, für seine sehr gute Arbeit.

Knifflige Schwimmbadsanierung

Im Zusammenhang mit dem Voranschlag 2017 gaben vor allem 400‘000 Franken in der Investitionsrechnung zur Sanierung des Schwimmbadbeckens in Steg zu Fragen Anlass. Ein Bürger meinte, das wirke, wie wenn man das Schwimmecken vergolden wolle. Der Gemeinderat stellte klar, dass erst rund 50‘000 Franken dieser Investitionssumme ausgegeben worden sind; und zwar zur Installation einer Alarmsäule und zur Erhöhung verschiedener Geländer am Sprungsturm, damit diese den neusten Sicherheitsvorschriften entsprechen. Die eigentliche Sanierung des Schwimmbeckens hat sich als sehr kniffliges Projekt erwiesen. Deshalb hat der Gemeinderat eine Studie in Auftrag gegeben, in der verschiedene Sanierungsvarianten verglichen werden. Denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail: Was auf ersten Blick als günstige Sanierungsvariante erscheint, erweist sich langfristig als teurer, während sich eine vermeintliche «Luxussanierung» über einen längeren Zeitraum als günstigste Option herausstellt. Das bedeutet: Bevor der Gemeinderat sich für eine Sanierungsvariante entscheidet und diese der Bevölkerung zur Abstimmung vorlegt, will er die damit verbundenen Kosten in einer Langzeitperspektive betrachten. Kommt dazu, dass auch der Beton des Schwimmbeckens zu überprüfen ist und die Sanierungskosten beeinflusst.

Da das Schwimmbad von immer mehr Menschen genutzt wird, reicht eine Bademeisterstelle nicht mehr. Der Gemeinderat beantragte deshalb zusätzliche 43‘000 Franken, um eine 50 Prozent-Aushilfsstelle zu schaffen und dem aktuellen Bademeister eine kleine Lohnerhöhung zu gewähren. Die beiden Verantwortlichen für die Sicherheit im Schwimmbad sollen damit einerseits dauernd am Schwimmbecken präsent sein und sich zugleich sinnvoll ablösen, um Überzeit zu kompensieren. Die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger liessen sich von diesen Erläuterungen überzeugen.

Über den Nachtragskredit von rund 118‘000 Franken für den Strategieprozess und die Reorganisation des Alters- und Pflegeheims «Haus Geeren» wünschten die Stimmberechtigten keine Diskussion.

Notfallversorgung regional regeln

Somit konnte sich die Gemeindeversammlung der Frage eines Bürgers aus Gibswil zum Thema medizinische Notfallversorgung zuwenden. Dieser nahm Bezug auf einen Zeitungsartikel, in dem es hiess, die Ärzte des Notfallkreises Wald-Bauma-Fischenthal hätten einige Wochenenddienste ausfallen lassen müssen, weil es an Personal gemangelt hätte. Der Bürger wollte wissen, ob der Gemeinderat bereit sei, die Ärzte bei der Aufrechterhaltung dieses Notfalldienstes finanziell zu unterstützen. Gemeindepräsident Josef Gübeli erläuterte die Haltung des Gemeinderats: Die ärztliche Notfallversorgung sei ein regionales Anliegen. Deshalb sei es falsch, wenn jede Gemeinde einzeln mit den Ärzten verhandle. Für 2018 sei eine übergeordnete, von der Ärztegesellschaft und dem Schweizerischen Gemeindepräsidentenverband getragene Lösung zu erwarten, sagte Gübeli.

Der Gemeindepräsident räumte zudem ein, dass es nach dem Wegzug der Fischenthaler Hausärztin Barbara Zürcher schwierig sei, einen geeigneten Arzt oder eine Ärztin für die Gemeinde zu finden. Ein bekanntes Problem sei, dass die Dienste eines Hausarztes nur noch von einem kleinen Teil der Bevölkerung genutzt würden, da es üblich geworden sei, direkt ins Spital zu fahren. Zur künftigen Nutzung des nun leerstehenden Ärztehauses hat der Gemeinderat eine Studie in Auftrag gegeben, sagte Gübeli. Erst, wenn diese Studie vorliege, lasse sich mehr sagen.

Fragen Sie den Gemeindepräsidenten

Derselbe Bürger erkundigte sich mit einer zweiten Anfrage über die Informationspolitik des Gemeinderats. Konkret wollte er wissen, ob für die Gemeinde Fischenthal ein Kommunikationskonzept existiert. Der Gemeindepräsident verwies auf das Gemeindegesetz, das eine Information der Bürgerinnen und Bürger innert angemessener Frist verlangt. Für eine kleine Gemeinde wie Fischenthal sei kein Kommunikationskonzept notwendig. Informationen zu politischen Geschäften könne man entweder dem Gemeinde-Newsletter sowie der Homepage entnehmen oder jederzeit direkt beim Gemeindepräsidenten oder dem zuständigen Gemeinderatsmitglied einholen, versicherte Gübeli.

«HAUS GEEREN»: DIE ENTSCHEIDUNG FÄLLT ENDE 2017
In der Vergangenheit hatte das Alters- und Pflegeheim Haus Geeren Probleme mit der Personalrekrutierung. Seit 1. Mai 2016 wird das Geeren interimistisch von der Pflegezentrum Bauma AG geführt, vorläufig bis Ende 2017. Das Heim ist zurzeit gut ausgelastet, sagte Judith Sievi, Leiterin Soziales und Gesellschaft der Gemeinde Fischenthal anlässlich einer Information im Anschluss an die Gemeindeversammlung. Bis Ende 2017 will der Gemeinderat entscheiden, wie es mit dem «Haus Geeren» ab 2018 weitergehen soll. Geprüft wurden verschiedene Varianten, aus denen zwei konkretisiert wurden:

+ Fusion des «Hauses Geeren» mit der Stiftung Drei Tannen. In dieser gemeinnützigen Stiftung sind seit Ende 2000 die Dienstleistungen des Pflegezentrums Wald, des Altersheims Drei Tannen und der Spitex Wald und Fischenthal zusammengefasst. Die Fusion käme einem Verkauf des Alters- und Pflegeheims durch die Gemeinde Fischenthal an die Stiftung gleich.

+ Leistungsvereinbarung mit der Pflegezentrum Bauma: Das Haus bliebe im Besitz der Gemeinde Fischenthal, der Betrieb würde vom Pflegezentrum Bauma gewährleistet.

Welche Variante schliesslich den Vorzug erhält, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger von Fischenthal an einer Gemeindeversammlung oder bei einer Urnenabstimmung.

BUDGET 2017 UND STEUERFUSS
Aufwand: Fr. 20‘563‘190 Ertrag: Fr. 20‘688‘540 Ertragsüberschuss: Fr. 125‘350 werden dem Eigenkapital gutgeschrieben. Steuerfuss: 127 % (Vorjahr 134 %)