Filmspass in der Badewanne

Die Besonderheit des Winterkinos ist, dass man Filmklassiker aus der Badewanne geniessen kann (Foto: gal)

Das Winterkino mit den exklusiven Badewannensitzen im Schöntal Anfangs Januar gehört zu den festen Bestandteilen des Jahreskalenders. Am letzten Samstag traf sich eine eingeschworene Gemeinde von etwa 100 Menschen zur 9. Ausgabe. Gezeigt wurde der Franz-Schnyder-Film «Die Käserei in der Vehfreude».

Rauchschwaden schweben über dem Spielplatz beim Winterquartier des Circolino Pipistrello, die Wohnwagen sind erleuchtet, Finnenkerzen glimmen und knacken, ein eindrückliches Feuer flackert. Darüber hängen grosse Kessel mit Glühwein, der Geschmack von Rauch und der Duft vom heissen Wein liegen in der Luft. Es herrscht eine stille, fast poetisch romantische Stimmung. Kinder, ältere und jüngere Menschen sitzen auf Bänken und Gartenstühlen und scheinen die intime Atmosphäre zu geniessen. Alle sind warm bekleidet mit Schals, Wollkappen und dicken Schuhen ausgerüstet. Nur die Badenden leisten sich den Auftritt im Bikini. Kinder rutschen auf Plastikautos die Rutsche hinab, steht ein Gartenstuhl im Weg, hat dieser Pech gehabt und wird weggefegt.

Die teuerste Gotthelf-Verfilmung

«Wir haben etwa für 80 Personen gekocht», sagt Lorenz, der das heisse Essen ausschöpft. Es gibt Älplermagronen mit viel Käse, dazu frisch zubereitete Öpfelschnitz. Etwa zwanzig Minuten vor Filmbeginn hat er ungefähr 60 bis 65 Portionen ausgegeben. Viele kommen und wünschen einen Nachschlag. An der Bar gibt Claudine – sie ist schon zum sechsten Mal dabei – Kaffee, Wein, Bier und andere Getränke aus, während Dani Meier dafür sorgt, dass das Wasser in den Badewannen richtig heiss wird. Schliesslich werden Badenixen oder –nixeriche erwartet, die sich im Warmen suhlen und dabei die – mit über einer Million Franken teuerste – Gotthelf Verfilmung der damaligen Schweiz geniessen wollen. Es ist der Film von Franz Schnyder «Die Käserei in der Vehfreude» aus dem Jahr 1958.

Für Manuel ist der Filmabend spannend. Er ist verantwortlich, dass der Filmklassiker mit allen nationalen Stars der Zeit – etwa Heinrich Gretler, Margrit Rainer, Ruedi Walter, Emil Hegetschwiler, Max Haufler, Erwin Kohlund, Margrit Winter oder dem kleinen Bub Christian Kohlund – auf der Leinwand erscheint. Als Purist zeigt er den Film in einer Kopie im traditionellen 16-Millimeter-Format. Leider ist dieses immer schwieriger aufzutreiben und er weiss nicht, ob er pannenfrei über die Runden kommt. Dann wird das Publikum zusammengerufen, Abenteuerlustige steigen in die Wanne, liebenswürdige Menschen verteilen Wolldecken, Bettflaschen und heisse Chriesisäckli, das Licht geht aus. Dann flimmert und rattert es auf der Leinwand. Die Geschichte um die Käserei, Betrug mit gepanschter Milch, Schlägereien in der Beiz, angebliche Zauberkräfte, Intrigen und Liebe beginnt.