Eva Ashinze hielt packende Lesung in Schlatt

Eva Ashinze freut sich, in Schlatt aus ihrem Krimi vorzulesen (Foto: rg)

Die unter der Leitung von Sabine Mühle stehende Bibliothek in Schlatt wartete am Samstagvormittag mit einem besonderen Genuss auf: Die Schriftstellerin Eva Ashinze hielt eine Lesung aus ihrem Krimi «Tod in Winterthur».

Um das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Schlattern beizubehalten und zu fördern, organisiert die Bibliothek in Schlatt im Winterhalbjahr jeweils eine «Cafeteria». Die Stammkundschaft schätzt die Begegnungsmöglichkeit, denn die drei Bibliotheksfrauen schaffen mit Warmherzigkeit das passende Ambiente. Der letzte Anlass in der Saison am vergangenen Samstag stand im Zeichen einer Lesung der Schriftstellerin Eva Ashinze. Dies war dank der freundlichen Unterstützung der Raiffeisenbank möglich und bescherte gut 20 BesucherInnen einen besonderen Morgen. «Hinter mir liegt gerade eine Woche, in der ich krank war. Ich hoffe, meine Stimme reicht für die Lesung», gestand die Autorin zu Beginn des Anlasses. Die Stimme hat gereicht – der literarische Appetithappen brachte die eigenwillige Anwältin Moira van der Meer so nahe, dass man zu gerne das Buch sofort weiterlesen möchte. Der Krimi «Tod in Winterthur» ist im September 2017 erschienen. Winterthur ist auch der Handlungsort des Erstlingswerks «Der Fall Maria Okeke».

«Winterthur ist für mich zentral, ich lebe und arbeite hier, ich kenne es», beantwortete Ashinze die Frage aus dem Publikum, warum die Handlung im Bezirkshauptort angesiedelt sei.

Aus zwei mach drei, der dritte Band ist im Entstehen

Inzwischen habe sie den dritten Band in Angriff genommen, führte Ashinze aus. Darin wird die Frage beantwortet, was es mit Maria, der verschwundenen Schwester von Moira van der Meer, wirklich auf sich hat. Die Leserschaft wird aber bis 2019 im Ungewissen gelassen, denn – so sagt die Schriftstellerin – sie könne sich nur abends hinsetzen und schreiben. Dann, wenn ihre beiden Kinder im Bett sind. Tagsüber arbeitet sie als Anwältin und witzigerweise bald wieder im gleichen Gebäude, in dem sie früher schon einmal tätig war. Es ist ihr bestens vertraut, denn auch ihre Hauptfigur Moira van der Meer hat dort ihr Büro. Privat ist die im Buch agierende Anwältin an der Rychenbergstrasse wohnhaft. Das Titelbild von «Tod in Winterthur» symbolisiert ihren Lieblingsort, nämlich eine Fensterbank, auf der sie gerne sitzt, raucht, dabei den Blick über die Stadt schweifen lässt und ihre Gedanken sortiert.

Tanzen auf drei Hochzeiten

Sie habe ihr Buch in drei Stränge eingeteilt, führte Eva Ashinze aus. Die Idee für die Handlung entstand aufgrund einer Zeitungsmeldung. Da war zu lesen, dass sich eine junge Frau nie richtig zu ihrer Familie zugehörig gefühlt habe. Es stellte sich dann heraus, dass sie als befruchtete Eizelle (leibliche Eltern unbekannt) in den Körper ihrer vermeintlichen Mutter eingepflanzt worden war. Das würde eine interessante Geschichte geben, fand Ashinze. Für einen Krimi musste zudem eine Leiche her! Diese taucht im Buch dann auch bald auf. Es ist Jan, die frühere grosse Liebe der Anwältin van der Meer. In der Folge kümmert sie sich um die Witwe, die wiederum befreundet war mit der verschwundenen Maria (die Verknüpfung zu Maria ist denn auch der dritte Strang). Diese Norah ist nicht leicht zu verstehen und zu knacken. Aber elegant ist sie. Und ebenso elegant verknüpft Eva Ashinze die drei Handlungen.

Was geschieht in der Kinderwunschklinik? 

Moira van der Meer geht auf unkonventionelle Art der Frage nach, was es mit der renommierten Kinderwunschklinik auf sich hat. Da scheint es nämlich tatsächlich Ungereimtheiten zu geben. Ein betroffenes Ehepaar beauftragt im ersten Kapitel die Anwältin mit den Abklärungen. Claire heisst die Frau, der man in der Klinik zu einer Schwangerschaft verholfen hat und nun befürchtet, dass befruchtete Eizellen von ihr ohne Einwilligung bei einer anderen Frau eingesetzt werden. Wird in 20 Jahren eine junge Frau sich fragen, ob sie überhaupt blutsverwandt ist mit ihren Eltern? Nie und nimmer möchte Claire, dass das passiert. Van der Meer kann bei ihren Ermittlungen auf die Hilfe im Umfeld zählen und deckt eine unschöne Geschichte auf. «Tod in Winterthur» umfasst viele packende Elemente und zeigt zugleich eine sehr menschliche Anwältin, die mit ihrer Vergangenheit hin und wieder hart konfrontiert wird.