Entsteht eine Kirchgemeinde Eulachtal?

Gehören vielleicht dereinst zu einer gemeinsamen Kirchgemeinde: die Kirchen von Schlatt, Elgg und Elsau (von links) (Fotos: abs)

Unter der Überschrift «KirchGemeindePlus» strebt die Evangelische Landeskirche des Kantons Zürich die Zusammenlegung von Kirchgemeinden an. Schlatt sieht am ehesten eine Verbindung mit Elgg und Elsau.

Schätzungsweise 30 Personen folgten der Einladung der Kirchenpflege am Freitagabend in den Gemeindesaal, um über die Zukunft der Kirchgemeinde Schlatt zu diskutieren. Als Gäste dabei waren die Präsidentinnen der benachbarten Kirchgemeinden Elgg (Katharina Wachter) und Elsau (Heidi Manz) sowie Edith Fäsi von der Bezirkskirchenpflege Winterthur.

Präsidentin Verena Wüthrich stellte einleitend die Frage: «Bleibt die Kirche im Dorf?» Sie erinnerte daran, dass bis 2010 die Landeskirche dafür gesorgt hatte, dass Pfarrpersonen im Einzelpfarramt in einem 100-Prozent-Pensum arbeiten konnten. Ab 2011 änderten sich die Bedingungen. Arbeitspensa in kleinen Gemeinden waren nun ausschliesslich abhängig von der Anzahl Mitglieder der Kirchgemeinde. Wollte die Pfarrperson mehr arbeiten, musste sie sich selber organisieren. Für Schlatt bedeutete dies ein Pensum von 70 Prozent. Mit der Kündigung von Roger Müller sank es auf 60 Prozent.

Die Kirchenpflege fragte sich damals, ob es noch attraktiv sei, in Schlatt zu arbeiten. Darüber sinniert man auch derzeit noch. Mit was könnte sich die kleine Kirchgemeinde profilieren, damit ein Pfarrer hier arbeiten möchte? Schlatt hat ein riesiges, denkmalgeschütztes Pfarrhaus, was aber auch nicht alle lustig finden. Die Kirchenpflege glaubt, dass Schlatt als attraktiver Arbeitsplatz erhalten werden kann, aber die Rahmenbedingungen müssen aktiv mitgestaltet werden.

Orientierung Richtung Eulachtal

Präsidentin Verena Wüthrich liess die Anwesenden wissen: «Im Moment sehen wir eine Chance darin, die Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden zu verstärken und einen neuen Rahmen anbieten zu können.» Diese Nachbargemeinden beginnen mit einem E und liegen im Eulachtal. Je nachdem, in welchem Ortsteil die Bürger wohnten, könnte es sinnvoll sein, sich mit Turbenthal oder Zell zusammenzutun. In einem ersten Schritt wurden deshalb mit allen angrenzenden Kirchgemeinden das Gespräch gesucht.

Doch mit Elgg gebe es eine-geografische Verbundenheit durch die verschiedenen Eulachquellen. Ebenso eine historische, denn das Kirchgebäude in Elgg gelte als «Mutterkirche» der kleineren Kirchen von Elsau und Schlatt. Und nicht zuletzt: «Elgg hat sich sehr offen gezeigt.»

Verena Wüthrich musste eingestehen: «Als Finanzausgleichsgemeinde sind wir nicht wirklich unabhängig. Wir erhalten – gemessen an der Mitgliederzahl – einen relativ hohen Beitrag von der Landeskirche (im Durchschnitt mindestens 100’000 Franken jährlich). Dadurch sind wir verletzlich beziehungsweise steuerbar.»

Die Kirchenpflege möchte die Chance haben, herauszufinden, mit wem und wie sie die Zusammenarbeit gestalten könnte. Konkret: «Wir müssen jetzt überlegen, was wir alles benötigen, damit die Identität von Schlatt erhalten bleibt.» Ebenso sei zu überlegen, worauf man verzichten könne, ohne die «Schlatter Seele» zu verlieren. Bereits realisiert seien gemeinsame Gottesdienste mit Elgg und Elsau und dazwischen keine in Schlatt selbst.

Die Sicht der Landeskirche

Den zweiten Teil des Abends bestritt Frieder Furler. Der ehemalige Pfarrer begleitet Fusionsprozesse im Kanton Zürich. Er betonte, ein solcher Prozess sei nur möglich, wenn eine Vision dahinterstehe. Und die laute «nahe, vielfältig, profiliert». Das sei die Landeskirche schon lange, aber es kämen neue Herausforderungen auf sie zu. Er nannte zwei Kräfte, den positiven «HoffnungsZUG» und den negativen «LeidensDRUCK». Er wünsche sich, dass die erste Kraft überwiege: «Die Frage ist, verwalten wir den Untergang oder gestalten wir den Übergang?»

Furler rechnete vor, dass es in den drei Gemeinden, von denen an diesem Abend die Rede war, drei Kirchengebäude mit vergleichbarem Angebot, viele Freiwillige vor Ort (mit ähnlichen Aufgaben in jeder Gemeinde), vier Pfarrpersonen, drei Kirchenpflegen (15 Personen, zumeist mit mehreren Ressorts) und somit dreimal die Bewirtschaftung von Liegenschaften, Finanzen, Personal, Kommunikation gebe. Zusätzlich führe jede Gemeinde ein Sekretariat. «Nah beieinander wird für ganz wenige Leute Ähnliches gemacht», resümierte er.

In der Vision 2020 könnte es so aussehen: drei Kirchengebäude (mit attraktiven Schwerpunkt-Programmen), mehr Freiwillige vor Ort (mit neuen attraktiven Aufgaben), vier Pfarrpersonen (die Akzente setzen und sich gegenseitig vertreten), eine Kirchenpflege mit fünf Personen, nur noch einmal Bewirtschaftung der oben erwähnten Ressorts, und schliesslich nur noch ein Sekretariat mit verbesserter Erreichbarkeit. Nicht zuletzt könnte sich eine grössere Kirchgemeinde eher selber finanzieren.

Es besteht Reformbedarf

Kirchenpräsidentin Verena Wüthrich wünschte sich in der Diskussionsrunde kritische Fragen oder Voten. Ein Teilnehmer wollte wissen, was passiere, wenn Schlatt sich gegen einen Zusammenschluss ausspräche. Frieder Furler antwortete, heikel wäre die Bemessung der Pfarrpensa. Diese werden ab 2020 auf jeden Fall neu bemessen. Im Extremfall könnte eine Fusion aufgezwungen werden.

Ob der Kirchenrat Druck ausübe, wurde gefragt. Furler räumte einen ökonomischen Druck ein, erklärte aber: «Die Kirche hat Bedarf an Reformen, es gibt Baustellen und es herrscht Ressourcenknappheit.» Verena Wüthrich ergänzte, der ursprüngliche Anstoss sei tatsächlich finanzieller Natur gewesen. Doch es sei eine andere Dynamik entstanden: «Wir machen etwas Mutiges, wir sind nicht gehorchend.»

Die beiden Referenten sähen einen Vorteil in der Fusion, weil dann Anlässe angeboten werden könnten, die in einer kleinen Gemeinde zu wenig Publikum anlockten. Ob denn die Kinder weiterhin im Dorf unterrichtet würden, wollte eine Besucherin wissen. «Wir möchten gewisse Sachen im Dorf behalten», antwortete Wüthrich, und «der Unterricht gehört ins Dorf.» Jemand pochte darauf, dass die Senioren nicht vergessen werden sollten: «Es darf nicht alles in Elgg stattfinden.»

Zum Schluss ermunterte die Kirchenpräsidentin, zu ihr oder zu einem anderen Pflegemitglied mit Fragen oder Anliegen zu kommen.

Albert Büchi
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