Einzig die Jahresrechnung sorgte für Gesprächsstoff 

Die Bauabrechnung für die Sanierung der Rikonerstrasse passierte an der Wildberger Gemeindeversammlung diskussionslos. (Foto: hug)

Die Jahresrechnung der Gemeinde Wildberg schloss mit einem satten Plus statt mit einem kleinen Minus. Das gefiel an der Wildberger Gemeindeversammlung vom Mittwoch nicht allen.

Gute Jahresergebnisse werden meist erfreut zur Kenntnis genommen, sollte man zumindest meinen. Dass dies nicht immer der Fall ist, zeigte sich an der Wildberger Gemeindeversammlung vom Mittwoch. Ein Bürger äusserte seinen Unmut über den in seinen Augen zu positiven Jahresabschluss der Politischen Gemeinde. Anstatt mit einem budgetierten Minus von rund 52’000 Franken schloss diese mit einem Gewinn von knapp 680’000 Franken. Die Folge: Die Gemeinde ist nicht berechtigt, beim Kanton den Individuellen Sonderlastenausgleich (Isola) zu beantragen. Um diesen jeweils zu erhalten, hob die Gemeindeversammlung in den vergangenen Jahren den Gesamtsteuerfuss schrittweise an, zuletzt im Dezember 2017 auf die neu dafür nötigen 131 Prozent. Bereits die Rechnung 2016 schloss so ab, dass Wildberg keinen Anspruch auf Isola geltend machen konnte.

«Wirklich grosse Mühe»

«Ich habe wirklich sehr grosse Mühe mit der Rechnung 2017», äusserte der besagte Bürger am Mittwoch seinen Unmut vor den 57 Stimmberechtigten in der reformierten Kirche. «Da werden extra die Steuern erhöht und nun erhalten wir gar keinen Isola. Ihr habt die Sanierung des alten Gemeindehauses ins 2018 verschoben und mir laufen aufgrund des hohen Steuerfusses die Mieter meiner Wohnungen davon. Ich fühle mich einfach nur betrogen.» Finanzvorstand Thomas Kupper konterte: «Wir haben realistisch budgetiert. Die ausserordentlich hohen Steuererträge konnten wir nicht voraussehen». Der Budgetprozess ende bereits im September. «Was nachher kommt, können wir nicht mehr einfliessen lassen.» Ausserdem hätten sehr viele Gemeinden um einiges positiver abgeschlossen als budgetiert. Auch Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) machte kurz vor der Abstimmung nochmals klar: «Wir haben die Steuern wirklich nicht zum Spass erhöht.» Schliesslich wurde die Rechnung mit einer Gegenstimme genehmigt. Das Eigenkapital der Gemeinde beträgt neu rund sechs Millionen Franken. Wie es konkret mit dem Steuerfuss weitergeht, wurde nicht diskutiert.

Schule kann Gewinn gut brauchen

Die restlichen Traktanden der Versammlung waren dann fast Formsache, so auch die Jahresrechnung der Primarschule, die statt mit einem Plus von rund 33’000 Franken mit einem Gewinn von etwa 600’000 Franken abschloss. «Dieses Geld können wir gut im Kässeli gebrauchen, um Hypotheken zurückzuzahlen», erklärte die Finanzverantwortliche der Schule, Petra Jäger. Das Eigenkapital beträgt neu rund eine Million Franken.

Diskussionslos aber jeweils mit vereinzelten Gegenstimmen nahmen die Bürger die von den Behörden beantragte Neubewertung des Verwaltungsvermögens von Schule und Politischer Gemeinde an, ebenso das Reglement über den mittelfristigen Ausgleich. Die Bauabrechnung für den Ersatz der Wasserleitungen an der Rikonerstrasse und die Abrechnung für deren Sanierung passierten dann einstimmig. Die Wahl der vier Mitglieder der Wasserwerkkommission ging ebenso schnell über die Bühne. Dasselbe gilt für die Wahl der zwölf Mitglieder des Wahlbüros. «Es freut mich ausserordentlich, dass sich hierfür vier Wildberger, vier Ehriker und vier Schalchemer gefunden haben. So geht es exakt auf», sagte Dölf Conrad.

Er hatte dann am Ende der Versammlung der Politischen Gemeinde noch die Aufgabe «etwas Unangenehmes» mitzuteilen. Wildberg habe mit seinen 240 Stellenprozenten eine der schlanksten Verwaltungen im Kanton Zürich. Damit das aber so bleibt, soll man sich neu per Telefon oder E-Mail für eine Besprechung in der Verwaltung anmelden. «Die heutigen Spontanbesuche dauern meist länger als gedacht.» Ausserdem sei es in letzter Zeit zu einer Häufung solcher Besuche gekommen. «Mit einer Anmeldung kann sich der entsprechende Mitarbeiter besser vorbereiten und die Besprechungen werden kürzer und effizienter. Keine Angst: Sie erhalten blitzschnell einen Termin», erklärte der Gemeindepräsident. Bei politischen Fragen solle zudem zuerst auf die Behördenmitglieder zugegangen werden.

Weiter teilte Conrad mit, dass die einst im 2017 geplante Sanierung des alten Gemeindehauses demnächst startet und die Bauarbeiten bis etwa Oktober dauern. Vor der Tür steht ausserdem die Kick-Off-Sitzung für das Aufgleisen einer Vorlage betreffend Einheitsgemeinde. Primarschulpräsident Swen Rüegg hatte dem nichts hinzuzufügen. Einzig, dass in der Schule «momentan alles rund läuft».

RPK-Rüffel an die Kirchenpflege

Weniger gut lief es im letzten Jahr bei der reformierten Kirche Wildberg im Zusammenhang mit den Spesenabrechnungen. Die nach neun Jahren als Kirchenpflegepräsidentin abtretende Monique Blattmann musste sich an ihrer letzten Versammlung als Präsidentin und Versammlungsleiterin noch einen Rüffel von der Rechnungsprüfungskommission (RPK) einfangen lassen. Der Grund: Ein Kirchenpflegemitglied hat gewisse Belege für Spesen nicht eingereicht und die Pflege hatte diese gutgläubig ausbezahlt. Die Belege fehlen jedoch bis heute. «Wir sind darüber sehr befremdet», mahnte RPK-Präsident Stefan Temperli in seiner Stellungnahme die Kirchenpflege ab. «Wir hätten die Spesen nicht auszahlen dürfen, doch wurde uns versichert, die Belege kommen noch», gab Blattmann unumwunden zu. «Wieso sie nicht eingetroffen sind, weiss ich nicht.» 

Die Jahresrechnung, die mit einem Gewinn von etwa 80’000 Franken abschloss, wurde von den 44 Stimmberechtigten schliesslich mit fünf Gegenstimmen angenommen. Am Ende wurde die RPK der Kirche einstimmig gewählt. In dieser dürfen nur Reformierte Einsitz nehmen.

Rolf Hug
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