Einstiger Tösstaler als «Baumeister» im Bundeshaus

Robert Keller (Foto: ww)

Von 1999 bis 2007 gehörte Robert Keller dem Nationalrat an. In den siebziger und achtziger Jahren war er Geschäftsführer eines Bauunternehmens in Turbenthal. Dann erwarb er in Pfäffikon ein Baugeschäft. Mit dem Tösstal blieb er aber eng verbunden und hier war er während seinem parlamentarischen Wirken für viele Leute «ihr Mann in Bern».

Für Robert Keller war das eine spezielle Aufgabe: Als Präsident der Nationalrätlichen Kommission für öffentliche Bauten war er in den Jahren 2005 bis 2007 für den Umbau des Bundeshauses zuständig. Ebenso für das gegenüberliegende neue Medienzentrum, von wo aus die Informationen aus dem Bundesrat und dem Parlament in die Kanäle von Radio, Fernsehen und Zeitungen fliessen. «Für mich als Baumeister war die politische Begleitung und Überwachung dieser Grossprojekte eine faszinierende Herausforderung», erinnert sich Robert Keller. Mit dem neuen Bundesgerichtsgebäude in St. Gallen sowie den ETH-Umbauten fielen weitere markante Bundesbauten in seine Amtszeit.

Markante Auftritte im Parlament

Ins eidgenössische Parlament gewählt wurde Robert Keller im Jahre 1999. Schon in jungen Jahren war er der SVP beigetreten. «Ich fühlte mich vor allem dem Gedankengut der einstigen BGB, der Vorgängerin der SVP, sehr nah», sagt Robert Keller. Eigentlich sei er bis heute ein alter BGB-ler geblieben. Das war dann auch die Linie, auf der er politisierte. Zuerst acht Jahre als Gemeinderat in seiner damaligen Wohngemeinde Embrach, von 1999 bis 2007 dann als Zürcher Nationalrat im Bundesbern.

Hier vertrat er vor allem die Interessen des Gewerbes, also der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und setzte sich mit der Energiepolitik auseinander. Stets trat er auch für einen gesunden Mittelstand ein und engagierte sich – als Oberst im Militär – in der Sicherheitspolitik. Besonders in Erscheinung trat er im Parlament bei der Debatte über das Strommarktgesetz, wo er als Leader der SVP-Fraktion vielbeachtete Auftritte hatte. Mit Genugtuung vermerkt er heute, dass dieses Gesetz gegenwärtig in dem Sinne nachgebessert würde, wie er es damals vergebens gefordert hatte.

Jährlich 100 Tage in Bern

In seiner politischen Arbeit war es Robert Keller immer wichtig, lösungsorientiert zu arbeiten, auch über die Parteigrenzen hinaus. «In jeder Fraktion fand ich Leute, die Verständnis hatten für die Wirtschaft». Probleme löse man besser im sachlichen Abwägen als in gegenseitigem Polarisieren, ist Keller überzeugt. «Das Nationalratsmandat hat mir Freude gemacht, wenn es auch anstrengend war.» Der Zeitaufwand sei gross gewesen, jährlich sei er mindestens 100 Tage in Bern gewesen.

«Man stelle sich vor, unsere ganze Armee findet im Fussballstadion von Barcelona Platz!»

Als Präsident von bauenschweiz, der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft, sowie als Vorstandsmitglied des Hauseigentümerverbandes und des Gewerbeverbandes, übernahm er über das Nationalratsmandat hinaus weitere Funktionen. «All das wäre ohne die grosse Unterstützung meiner Frau Elisabeth nicht möglich gewesen.»

Im Tösstal rasch wohlgefühlt 

Der in Andelfingen aufgewachsene Robert Keller hatte nach der Lehre als Zimmermann an der Bauschule Aarau das Bauführerdiplom und anschliessend in verschiedenen Weiterbildungen das Baumeisterdiplom erworben. 1970 schlug seine «Tösstaler Stunde», indem seine Arbeitgeberin, die AG Baugeschäft Wülflingen, das Baugeschäft Müller in Turbenthal übernahm und ihn als Geschäftsführer einsetzte. «Hier im Tösstal fühlte ich mich rasch wohl».

Das Tösstal war ihm vom Militär in Erinnerung. 1965 hatte er als Hauptmann mit seiner Luftschutzkompagnie in Wila einen Wiederholungskurs absolviert. Nebst ihrer Ausbildung habe die Truppe die Gemeinde an einem Wanderwegprojekt unterstützt. Als Anerkennung habe Fabrikant Walter Bosshard am Kompagnieabend reichlich Tranksame gespendet und es sei ein toller Abend gewesen, lacht Robert Keller.

Traum vom eigenen Geschäft realisiert

Das Baugeschäft in Turbenthal lief gut, doch sein Ziel war eine eigene Firma. 1983 bot sich dazu die Chance: Er erwarb das Bauunternehmen Stahel in Pfäffikon. «Es war kein leichter Neubeginn», gibt er zu bedenken. Die Konkurrenz sei gross gewesen. Es ging aber rasch aufwärts und bald florierte das Geschäft. In jenem Moment der geschäftlichen Blüte, so gibt Robert Keller unumwunden zu, habe er den grössten Fehler seiner ganzen Laufbahn begangen. Er habe 1990 viel Bauland gekauft – zu viel – dann sei der Immobiliencrash gekommen. Der Quadratmeterpreis sei von 1200 auf 500 Franken gesunken und das habe seinem Geschäft beinahe das Genick gebrochen. Schliesslich sei man aber über die Runde gekommen und die Firma habe sich bestens erholt. Es freute ihn deshalb, dass er 2010 ein gesundes Unternehmen in die Hände seines Sohnes übergeben konnte, der sich nun auf Umbauten spezialisiert hat.

Sorge um die Sicherheit

Auch nach dem Rücktritt aus dem Nationalrat und bis heute verfolgt Robert Keller das politische Geschehen mit unvermindertem Interesse. Grosse Sorge bereitet ihm die Sicherheitspolitik und er macht einen bildhaften Vergleich: «Man stelle sich vor, unsere ganze Armee findet im Fussballstadion von Barcelona Platz!» Er frage sich, ob sie mit einem auf 100’000 Mann reduzierten Bestand ihre Aufgabe noch erfüllen könne, wie es die Verfassung verlange. Katastrophal empfindet er die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen. Auch in der Bildung seien Anpassungen nötig, wobei er es aber falsch findet, ausgerechnet beim Flaggschiff ETH zu kürzen.

«Das Nationalratsmandat hat mir Freude gemacht»

Interessiert verfolgt er auch die Auseinandersetzungen um den Flughafen Zürich. Er weiss, dass die Tösstaler Bevölkerung unter dem Fluglärm leidet. Man müsse Wege für eine angemessene Verteilung finden, meint Robert Keller. Der Flughafen sei aber für die Wirtschaft unseres Landes so wichtig, dass er nicht eingeschränkt werden dürfe.

Erinnerung an ein herzliches Tösstal

Nach Embrach, wo sie mit Sohn und Tochter zuerst wohnten, lebten Robert und Elisabeth Keller viele Jahre in Turbenthal. Vor einigen Jahren zogen sie nach Pfäffikon, wo sich von ihrer Attikawohnung ein prächtiger Blick auf See und Alpenwelt bietet. «Hier haben wir zwar eine schönere Aussicht, im Tösstal fühlten wir uns aber in einer herzlicheren, familiäreren Umgebung. Hier ist es schon fast etwas städtisch», sagen beide. Deshalb pflegen sie immer noch viele persönliche Verbindungen mit Leuten im Tösstal.

Für Robert Keller ist der Alltag etwas ruhiger geworden. Die täglichen Spaziergänge mit dem Hund und viele Kontakt mit Freunden aus Wirtschaft, Politik und Sport – vor allem aus Schwinger- und Nationalturnerkreisen – füllen die Agenda nach wie vor. Zudem hilft er bei Ferienabwesenheiten im Geschäft des Sohnes aus und fährt regelmässig ins Tösstal zum Lions-Club im Gyrenbad. Und schon heute freut er sich wieder auf das Weihnachtskonzert in der Kirche Wildberg.