Eine sehr erfolgreiche «Masterleistung»

Von rechts nach links: Eva Baier, Masterstudentin, Gerhard Stutz, ehemaliger Leiter Wasserbau AWEL, Heinz Möckli, Walter Reist Holding AG und Heinz Meier, Geschäftsinhaber Wiesendanger AG an der Fischtreppe in Kollbrunn (Foto: sr)

Vergangene Woche fand die offizielle Übergabe der Fischtreppe an den Kanton Zürich beim Wehr in Kollbrunn statt. Was einst als Masterarbeit der Studentin der ETH Eva Baier begann, ging anfangs Jahr ins Inventar des Kantons über  und wird künftig vom AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) unterhalten.

Mit der Hinwiler Firma Walter Reist Holding (WRH) wurde vor rund drei Jahren die modulare Fischtreppe in Kollbrunn gebaut. Zuvor wurde die neuartige Idee als Prototyp im Aabach getestet und die dortigen Erkenntnisse für Kollbrunn übernommen. Der Mut, die Beharrlichkeit und die Bereitschaft der Studentin Eva Baier und der WRH, das Problem der Fischdurchlässigkeit der Töss lösen zu wollen, führten dazu, dass die dreizehn Fischarten von der Winterthurer Region nun endlich auch wieder ins obere Tösstal vordringen können. Bis anhin waren es nur deren drei Arten oberhalb der Fischtreppe.

In ihrer Masterarbeit konnte Baier trotz schwierigen Wetterbedingungen (Trockenheit und Hochwasser) den Erfolg der Fischtreppe aufzeigen. Vor allem Forellen passieren die «Steffstep» häufig, eine sogar 52 Mal. Das konnte mit implantierten Sonden gemessen und ausgewertet werden. Für ihre Masterarbeit an der ETH erhielt Baier eine Glanznote.

Mit Herzblut dabei

Die Freude und Erleichterung, dass der Kanton die Innovation übernimmt, war Baier an der Übergabefeier anzusehen. Denn bis dahin war es ein steiniger Weg. Einfach, technisch funktional, möglichst wartungsfrei, gut in die Landschaft integrierbar und kostengünstig musste die einzigartige Fischtreppe sein, damit sie von der öffentlichen Hand übernommen wird. Unzählige Stunden verbrachte sie und die Innovatoren Heinz Möckli, Direktionsmitglied der WRH, Peter Hausmann und Walter Schmid, ehemaliger Maschinenbauer der WRH, in der Töss an der Fischtreppe. Unentwegt wurde gefeilt, beobachtet, angepasst und kleinere technische Probleme optimiert. Die Module wurden sogar farblich ausgewechselt, damit sie optisch besser ins Landschaftsbild passen. Bei Hochwasser wurde Geröll in die Becken geschwemmt, das mühsam wieder entfernt werden musste. Unbeirrt wurde daran gearbeitet, den Anforderungen des Kantons zu genügen, damit die Aufstiegshilfe Bestand hat. Die Beharrlichkeit zahlte sich schliesslich aus. So wird in den nächsten Wochen eine Fischtreppe nach Schwyz verkauft und 18 weitere Projekte, auch in Deutschland und Österreich, warten auf ihre Realisierung.

Die Unterstützung und die Zusammenarbeit repräsentierten denn auch die geladenen Gäste: Exponenten von AWEL, ALN (Amt für Landschaft und Natur), Vertreter der Gemeinde Zell, der Hermann Bühler AG und der Firma Wiesendanger, des Fischereiverbands sowie der Fischereiaufseher und die Anwohner. 

Weitere Treppen denkbar

Gerhard Stutz, ehemaliger Leiter Wasserbau des AWEL, freute sich bei seiner Rede über den Abschluss des kleinen, aber feinen Projekts, das er in seiner Amtszeit begleiten durfte. Er führte aus, dass für 40 unpassierbare Gewässerabschnitte, davon deren vier an der Töss, in erster Priorität in den nächsten zwanzig Jahren Lösungen gesucht werden. Dabei seien auch weitere solche Fischtreppen denkbar. Er betonte auch die gute Zusammenarbeit und das Wohlwollen der öffentlichen Hand gegenüber solchen Innovationen. Manchmal seien die Mittel für die Unterstützung beschränkt, hier konnte man zum Beispiel mit einer kostenlosen Bewilligung für den Bau der Fischtreppe unterstützen. Die öffentliche Hand habe die Ressourcen für die Entwicklung solcher Problemlösungen nicht. 

Die Fischtreppe in Kollbrunn ist ein Paradebeispiel von Innovation, Ausdauer, Zusammenarbeit und Mut für solche Projekte. Die grossen Gewinner sind nicht nur die Fische, sondern die Natur, unsere Lebensgrundlage.