Eindringliches Votum gegen die «Fusionitis»

Gemeinderat Fredi Waldvogel überreicht die Ehrenurkunden dem Arzt Hans-Peter Mösch (links) und der Sportlerin Abassia Rahmani (Foto: wir)

Gemeindepräsident Hans-Peter Meier fand in seiner Rede anlässlich des Wilemer Neujahrsempfangs deutliche Worte für die Erhaltung der Kleinräumigkeit der Gemeinden. Ein weiterer Programmpunkt war die Ehrung zweier Bürger für ihre Leistungen und ihren Einsatz.

Man weiss es längst: Hans-Peter Meier ist kein Freund von Gemeindezusammenschlüssen, auch nicht auf Ebene der Schulgemeinden. Noch einmal kommt er in seiner Rede vor rund 120 Zuhörern auf die Stellungnahme des Gemeinderates im Vorfeld der WWT-Abstimmung zurück. «Die Schule ist eine Kernkompetenz der Gemeinde, die dürfen wir nicht aus der Hand geben!», so sein Hauptargument. Die Bedeutung der Kleinräumigkeit und der Selbstbestimmung in der Gemeinde dient Meier dann auch als Übergang zum Thema des Abends. Wila ist eine gesunde Gemeinde, auch finanziell, daher entbehrt der Drang zur Fusion mit anderen Gemeinden seiner Hauptgrundlage. Trotzdem sieht Meier die Gefahr gegeben; der Kanton macht Druck und die Kantone Luzern und Bern haben sogar die gesetzliche Handhabe, unwillige Gemeinden in die Knie zu zwingen oder gefügig zu machen. Dies kann, nach Ansicht des Redners, nicht der richtige Weg sein. «Eine Gemeinde muss die Fusion selber wollen, sie darf nicht von aussen diktiert werden.»

Baum mit drei starken Wurzeln

Der gleichen Thematik stehen auch die Kirchgemeinden gegenüber. Unter dem Namen «KirchgemeindePlus» sind ähnliche Bestrebungen im Gange und die kirchliche Obrigkeit macht unter anderem dadurch Druck, indem sie Fus-ionsunwilligen die Ausgleichszahlungen kürzt. Meier hat seitens der Kirchgemeinden noch kein Aufbegehren gespürt. Seiner Meinung nach funktioniert eine kleine und straff organisierte Kirchgemeinde einfach besser. Im Status Quo begrüsst die Kirchgemeinde Wila jeden Neuzuzüger persönlich, eine Kontaktaufnahme, die nach einer allfälligen Fusion zu einer grossen Kirchgemeinde wegfallen würde.

Hans-Peter Meier vergleicht eine gesunde Gemeinde mit einem gesunden Baum mit drei starken Wurzeln: Ein gelebtes Milizsystem mit Scharnierfunktion zwischen Bürger und Staat, ein gesundes Gewerbe sowie initiative und gesunde Vereine. Der Gemeinderat hat sich zum Ziel gesetzt, Wege und Lösungen zur Erhaltung und Stärkung dieser Wurzeln zu finden und umzusetzen. Der Redner ist sich bewusst, einseitig Stellung bezogen zu haben und mit einigen Vertretern des Fusionsgedankens hart ins Gericht gegangen zu sein. Wer sich aber berufen fühlt, Gegenargumente an gleicher oder ähnlicher Stelle als Redner zu vertreten, darf sich bei der Gemeinde melden. «Sie werden herzlich empfangen.»

Verleihung zweier Ehrenurkunden

Seit 1991 wird in der Gemeinde Wila ein schöner Brauch gepflegt. Jeweils am Neujahrsempfang werden Bürger geehrt, die sich durch besonderes Engagement für die Allgemeinheit oder durch ausserordentliche Leistungen hervorgetan haben. Auch dieses Jahr darf Gemeinderat Fredi Waldvogel zwei solche Ehrungen aussprechen. Zum einen an Abassia Rahmani, eine junge Sportlerin, die durch einen Schicksalsschlag beide Unterschenkel verlor und im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht hat. Mit ihrer Motivation und intensivem Training hat es Rahmani als Läuferin an die Europameisterschaften in Grosseto in Italien geschafft. Der fantastische Gewinn der Bronzemedaille im 100-Meter-Lauf ermöglichte ihr die Qualifikation für die Paralympics in Rio de Janeiro, wo sie im Rennen über 200 Meter den vierten Rang erlief! Abassia Rahmani, die ihren Sport nebenberuflich ausübt, hat noch weitere Ziele. Im laufenden Jahr möchte sie an den Europameisterschaften in London teilnehmen und als Fernziel stehen die Paralympics in Tokyo von 2020 auf ihrem Programm.

Die zweite Ehrung geht an den Arzt Hans-Peter Mösch. Zusammen mit seiner Frau und seinen Angestellten steht er seit Jahrzehnten zu jeder Tages- und Nachtzeit im Einsatz aller. Neben seiner grossen Auslastung in der Praxis scheut der weit über die Gemeindegrenzen bekannte Arzt nicht vor Hausbesuchen zurück. Auch als Familienvater dient er seinen Kindern als gutes Vorbild. Wer über diese lange Zeit eine derartige konsequente Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit vorlebt, hat eine solche Anerkennung und Auszeichnung hochverdient. Waldvogel überreicht den beiden eine Ehrenurkunde und einen Blumenstrauss. Ein besonderer Dank seitens des Gemeinderates und natürlich aller Anwesenden geht auch an Ueli Bodenmann, der für die musikalische Unterhaltung besorgt war, sowie an den Verkehrsverein mit seiner Präsidentin Daniela Bruno. Der gesamte Abend vom Begrüssungsapéro über das feine Nachtessen bis hin zu Kaffee und Kuchen war ausgezeichnet organisiert.