Ein Weihnachtsbaum mitten im Sommer? Aber sicher!

Der Präsident des Vereins für ein Ortsmuseum in Turbenthal, Albert Camenzind, mit seiner Frau Maria, ist sichtlich zufrieden (Fotos: wir)

Wie jedes Jahr organisierte der Verein für ein Ortsmuseum in Turbenthal am letzten Samstag seinen Sommerflohmarkt. Der Anlass hat durchaus Tradition: «Gefühlte 25 Jahre führen wir den Markt nun schon durch», so Vereinspräsident Albert Camenzind.


Um sich von Veranstaltungen der gleichen Art etwas abzuheben, startete der mittlerweile sehr beliebte Markt auf dem Gelände vor dem Schloss Turbenthal zunächst als Nachtausgabe. Der erforderliche Aufwand dazu, angefangen bei der Beleuchtung bis hin zu Sicherheitsvorkehrungen, wurde für die Organisatoren dann irgendwann zu gross. So entschloss man sich zu einem Kompromiss: Der Standbetrieb wird um 20 Uhr eingestellt, während die Festwirtschaft noch zwei Stunden länger betrieben wird. Eine Massnahme die keinen Schaden tat, wie ein Blick über das Gelände unschwer erkennen liess. Im Gegenteil, unzählige Besucher erfreuten sich am riesigen Angebot, ausgestattet mit einem Charme, der eben nur an einem Flohmarkt anzutreffen ist, und dessen Zauber ein immer grösser werdendes Publikum in seinen Bann zu ziehen vermag.

Ein bestens gelaunter Albert Camenzind freute sich ganz besonders über die herrschende Ordnung auf dem Platz. «Irgendwie ist dieses Jahr ganz anders, angefangen hat es schon mit den ersten aufgebauten Ständen. Alle die später dazustiessen, haben im gleichen Stil weitergemacht». Natürlich trug auch das überraschend gute Wetter zum gelungenen Anlass bei. Bei diesem Punkt allerdings hatte Camenzind keine Bedenken: «Unsere Marlies hat es so bestellt und so ist es gekommen!» – gemeint war Vereins-Vizepräsidentin Marlies Hug.

Von der Schülerin bis zum Gemeinderat

Genauso breit gefächert wie die von ihnen angebotene Ware war auch die Zusammensetzung der Standbetreiber. Während zwei Mädchen ihr Verkaufsgut mit der Schubkarre vor Ort bringen mussten, sah man andernorts die Anbieter ihre Habe aus dem Lieferwagen räumen. Dazwischen auch einige bekannte Gesichter Turbenthals, wie beispielsweise Gemeinderat und Gesundheitsvorstand Heinz M. Schwyter. Sein Erscheinen als Verkäufer diente natürlich keinem Selbstzweck, vielmehr war er als Vertreter der Männerriege Turbenthal im Einsatz.

Gleich daneben gab es eine spannende Geschichte zu erfahren, erzählt von Cornelia Oelschlegel, Präsidentin der Sekundarschulpflege. Nur Zufall sei es, dass sie hier zusammen mit ihrem Mann Hannes als Verkäuferin amtete. Die feil gehaltene Ware stammte nämlich nicht aus ihrem Besitz, sondern aus dem ihrer Tochter Alissa, die demnächst eine längere Weltreise zu unternehmen plant. Der Erlös des Verkaufes soll das Unterfangen mitfinanzieren. Sinnigerweise gab es bei Oelschlegels auch einen stattlichen Globus zu kaufen, vor dem sich die später erschienene Tochter auch gerne fotografieren liess. Wohin sie die vorgesehene Reise führen wird, sei hier nicht verraten, nur so viel: Hoffentlich holte Alissa möglichst viel Erlös aus ihrer Ware!

Markus Zinniker, bekannter Goldwäscher und Original aus Winterthur, war ebenfalls am Turbenthaler Sommerflohmarkt an einem Marktstand anzutreffen. Mit viel Humor versuchte er, Schmuck und von ihm selbst gebaute Geräte an den Kunden zu bringen und wie gewohnt verstand er es, zu allem eine kleine Geschichte zu erzählen. Nicht überraschend erreichte er mit seiner Art ein breites Publikum.

Ein eifriger Handel

Könnten Sie sich vorstellen, mitten im August einen (künstlichen) Weihnachtsbaum zu erstehen? Selbstverständlich, werden Sie sagen, sofern Sie ein Flohmarktgänger sind. Schwierig, die Faszination an diesem und all den anderen Artikeln, die hier angeboten wurden, zu umschreiben. Oder wie wohl ist es zu erklären, dass man sich beispielsweise ein zwölfteiliges gebrauchtes Gläserset ersteht, während man sich soeben von etwas Ähnlichem getrennt hat? Nicht zu sprechen von den Selbstzweifeln, die einen befallen konnten, wenn man einen Mann den Markt mit einer eigenartigen Figur in der Hand verlassen sah. Eine Figur dazu, die man kurz zuvor noch kopfschüttelnd an Schwyters Stand begutachtet hatte. Aber genau diese Situationen sind die Triebfedern, die solche Flohmärkte am Laufen halten. Die Verlockung, an einem Stand ein Schnäppchen zu erstehen, oder irgendeinen sinnvollen oder sinnlosen Gegenstand zu finden, den zu brauchen man sich bis dahin nicht vorstellen konnte. Dazu die Möglichkeit, um den Preis für das begehrte Objekt zu handeln und zu feilschen – wo sonst wird einem all dies geboten?

Kein Markt ohne Festwirtschaft

Natürlich betreibt der Verein für ein Ortsmuseum in Turbenthal mit der Organisation dieses Anlasses einen grossen Aufwand. Und ebenso natürlich sollte dabei die Kasse des Vereines die Auswirkungen dieses Einsatzes zu spüren bekommen. Was eignet sich dazu besser, als der Betrieb einer Festwirtschaft? Mitten im Geschehen, umgeben von Marktständen, lud ein gedeckter Bereich mit Tischen und Bänken zum Verweilen ein. Würste vom Grill, Kuchen und Getränke wurden fleissig konsumiert und die Gelegenheit zum Austausch mit Freunden und Bekannten rege genutzt. Keine Frage, eine rundum gelungene Veranstaltung, die von einer älteren Besucherin mit einem besonderen Kompliment gewürdigt wurde: «Der Flohmarkt in Turbenthal wird nicht von Händlern dominiert, hier gibt es noch wirklich günstige Dinge zu kaufen!»