Ein Turnfest mit 1000 Facetten

Rikon ist Austragungsort des alle sechs Jahre stattfindenden Kantonalturnfestes, kurz KTF. Was hat sich am ersten Wochenende abgespielt? Und wie gut haben sich die Organisatoren auf den Grossandrang von Sportlern und Besuchern vorbereitet? Ein Stimmungsbericht.

Am ersten Wochenende des Kantonalturnfestes 2017 waren die Einzelwettkämpfe angesagt. Erwartet wurden rund 10’000 Menschen auf dem Festgelände. Was wohl jedem Neuankömmling zuerst auffällt, ist die unglaubliche Weitläufigkeit der ganzen Anlage. In meinem Fall, auf der Anfahrt mit dem Shuttlebus vom Parkgelände Dettenried, vorbei an der topgelegenen, extra für diesen Anlass aufgestellten «Alp-hütte», erhielt ich einen Blick über das gesamte Gelände. Eine Ansammlung von Festzelten, flankiert und umgeben von unzähligen abgesteckten Feldern zu allen erdenklichen Sportarten, erinnerte mich ein wenig an eine Aufnahme einer Grossstadt aus Google Earth.

Den Situationsplan einigermassen eingeprägt, machte ich mich auf den Weg zum gegenüberliegenden Eingang, wo gemäss Information der Festschrift ein Nordostschweizer Nachwuchsschwingfest stattfand. Soweit kam ich aber nicht – mein Interesse wurde geweckt auf dem mit «Plusport» bezeichneten Platz. Menschen mit Behinderungen verschiedener Art massen sich hier im Speerzielwerfen und Kugelstossen. Die Faszination, an diesem Sportanlass teilzunehmen, war den Akteuren deutlich anzumerken. Auch hier wurde nach einem Einsatz die eigene Leistung mit derjenigen der Konkurrenten verglichen und geschimpft über verpasste Möglichkeiten.

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Ein erstes Mal war ich erstaunt über den reibungslosen Ablauf der Wettkämpfe und die Anzahl der Richter und Helfer, die es dazu benötigte. Endlich konnte ich mich los-reissen und fand den Schwingplatz. Verschiedene Kreise aus Sägemehl liessen über die hier ausgetragene Sportart keine Zweifel aufkommen. Mehrere Begegnungen waren voll im Gange und wurden durch Kampfrichter beobachtet. Ein Kampf fiel mir sofort besonders auf, nicht etwa, weil ich besonders viel von dieser Sportart verstehe, vielmehr waren es die Schwinger selber, die meine Aufmerksamkeit erregten. Während einer der Kontrahenten mit einer stattlichen Grösse und wohl auch einem solchen Gewicht aufwartete, stand ihm gegenüber ein eher schmächtiger Jüngling, gut einen Kopf kleiner. Das wird wohl darauf zurückzuführen sein, dass Kinder und Jugendliche in Altersklassen aufgeteilt werden, so dachte ich mir wenigstens. Nun, immerhin war der Kampf schnell vorbei und für den Unterlegenen bestimmt eine wertvolle Erfahrung auf seinem weiteren Weg.

Das gastronomische Angebot

Mittlerweile stand die Sonne hoch am Himmel und die Suche nach schattigen Zuschauerplätzen wurde immer intensiver, höchste Zeit also für eine Abkühlung. Zur Auswahl standen mir eine Unmenge von Anbietern von Getränken aller Art. Ich entschied mich zum Gang ins grosse Festzelt, das seine Feuertaufe bereits zwei Tage zuvor als Durchführungsort der Schlagernacht bestens bestanden hat. Angrenzend an das riesige Zelt fand ich die Selbstbedienungszone. Säuberlich aufgereiht und angeschrieben, ähnlich den Schaltern in einem Amt, bot sich dem hungrigen und durstigen Gast alles, was das Herz begehrt. Ausgerüstet mit einem kühlen Getränk verliess ich die Zone vorbei an einer der vielen Kassen, anders als im Supermarkt, alle davon besetzt. Einmal mehr bewunderte ich die ausgezeichnete Organisation, bei der wohl kaum ein Detail ausgelassen wurde.

Ein Mann in einem elektrischen betriebenen Gerät warf mir in ziemlich unwirschem Ton vor, nur über positive Sachen schreiben zu wollen. Tatsächlich hatte ich mir bis dahin noch keine Minuspunkte notiert und versprach ihm, seinem Anliegen, den Anfang des hölzernen Gehweges mit einer kleinen Rampe für Rollstühle auszurüsten, an dieser Stelle Raum zu bieten. Ohne Vorschriften, Möglichkeiten oder Auflagen zu kennen, glaube ich, dass hier mit wenig Aufwand viel bewirkt werden könnte.Bild-23_300px_online

Ein Sportfest der Extraklasse

Ich gebe zu, ich war beeindruckt! Egal, wofür man sich auch immer interessiert, jedem wurde etwas geboten. So waren auch mehrere Felder vorbereitet für sportliche Aktivitäten der kleinsten Turner. Es gab Kinder, die auf rollenden Fässern balancierten genauso wie solche, die versuchten, ein Ei auf einem Löffel so über einen Parcours zu jonglieren, dass es unbehelligt am Ziel ankam. Während im Gymnastik-Zelt filigranste Vorführungen präsentiert wurden, massen sich davor die Hochspringer im Bewältigen von immer grösseren Höhen. Auf der einen Seite versuchten sich die Weitspringer zu übertreffen und gegenüber schleuderten die Kugelstösser ihre Geschosse in die Wiese. Sämtliche Spielfelder waren gesäumt von grossen Zuschauermassen, kurz ein riesen Sportfest, das keine Wünsche offenliess.

Auf dem Areal findet man sich schnell zurecht, perfekt gestaltete Wegweiser zeigen den Weg zu allen möglichen Lokalitäten. Selbst nach mehreren Gängen quer durch und rund um das Gelände gibt es stets Neues zu entdecken. Auch wenn das KTF noch einige Tage dauert, Zeit für ein erstes Schulterklopfen seitens der Organisatoren ist es allemal – das hätte man nicht besser machen können!