Ein sinnvoller Landhandel

Dieses Grundstück zwischen Bahnlinie und Altlandenbergstrasse möchte der Gemeinderat verkaufen. Die Gemeindeversammlung wird entscheiden (Foto: Archiv tth)

An der Gemeindeversammlung vom 19. Juni wird über den Verkauf einer gemeindeeigenen Landparzelle im Bereich
Grosswis/Altlandenberg entschieden. Der Verkauf würde die Schaffung von neuem Wohnraum ermöglichen.

Die Gemeinde Bauma hat vor langer Zeit vom Kanton ein grös-seres Grundstück erworben. Auf einem Teil davon wurden das Schulhaus Altlandenberg und das Hallenbad erstellt. Die Parzellen 6787 und 6788 entlang der Bahnlinie blieben vorerst unüberbaut. Vor etwa acht Jahren wurde die Parzelle 6788 an die RegiChile verkauft. Dort steht heute das Gemeinschaftszentrum Grosswis.

Die Parzelle 6787, über deren Verkauf an der Gemeindeversammlung entschieden wird, liegt in der Wohnzone W3 direkt gegenüber dem Schulhaus Altlandenberg. Gemäss Bau- und Zonenordnung kann auf diesem Grundstück dreistöckig gebaut werden. Bisher war diese Parzelle verpachtet. Der Pachtzins lag bei 200 Franken im Jahr. Dieser Pachtvertrag wurde unterdessen aufgelöst.

Mit dem Verkauf der Parzelle 6787, die eine Fläche von 4158 Quadratmetern aufweist, möchte der Gemeinderat einen Erlös von rund 2,5 Millionen Franken erzielen bei einem Mindestverkaufspreis von 600 Franken je Quadratmeter. Zur Erinnerung: Die RegiChile kaufte die Nachbarparzelle seinerzeit für 450 Franken je Quadratmeter. Der Verkauf des Grundstücks soll dazu dienen, die grossen Investitionen für die Sanierung von Hallenbad, Altersheim Böndler und Gemeindehaus mitzufinanzieren. Der Gemeinderat schätzt die erforderlichen Investitionen für die grossen Sanierungsvorhaben auf 21 bis 26 Millionen Franken.

Keine Optionen verbaut

Nach einer groben Bedarfsabklärung ist der Gemeinderat zum Schluss gekommen, dass die Parzelle 6787 verkauft werden kann, ohne dass sich die Gemeinde dadurch Optionen für die Zukunft verbaut: Ihre strategischen Landreserven bilden nämlich die Areale «Alter Landi» und «Werkhof». Der Schule Altlandenberg bringt die Parzelle keinen Nutzen: Das heutige Schulhaus verfügt noch über genügend Raumreserven, die ausgeschöpft werden können. Der Verkauf der gemeindeeigenen Parzelle könnte hingegen die Bautätigkeit in moderatem Mass ankurbeln, denn Bauma wird den Prognosen zufolge jährlich um ein Prozent wachsen. Gleichzeitig liegen rund 20 Prozent des in der ganzen Gemeinde eingezonten Baulandes noch brach und würde Platz für 1000 bis 1500 zusätzliche Einwohner bieten. Die Überbauung der Parzelle 6787 könnte mit 20 bis 25 Wohnungen Platz für 50 bis 60 Einwohner schaffen, was dem Ziel eines moderaten Wachstums entspricht.

Den Verkauf der Parzelle 6787 möchte der Gemeinderat in einem offenen Submissionsverfahren durchführen. Auf diesem Weg sollen geeignete Investoren gefunden werden. Als Zuschlagskriterium gilt das beste Preisangebot, wobei der Mindestverkaufspreis von 600 Franken pro
Quadratmeter im Beschluss der Gemeindeversammlung festgeschrieben werden soll. «Wir haben im Gemeinderat diskutiert, ob wir einen Projektwettbewerb durchführen sollen. Dieser Prozess dauert aber lange und ist mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet», erklärt Paul von Euw, Gemeinderat und Ressortleiter Hochbau und Liegenschaften und ergänzt: «Wir wollen aber die Parzelle möglichst rasch verkaufen, deshalb haben wir uns für den Verkaufspreis als Hauptkriterium entschieden». Als einzige Auflage werde von den neuen Grundeigentümern verlangt, die gesamte neue Überbauung an die Holzschnitzelheizung anzuschliessen. Gemäss geltender Bau- und Zonenordnung können auf der Parzelle 6787 Wohnblöcke mit drei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss erstellt werden. «Es ist eher unwahrscheinlich, dass auf diesem Grundstück Einfamilienhäuser erstellt werden», sagt von Euw.

Die Landpreise tendieren nach oben

Der Gemeinderat ist überzeugt, dass die Parzelle zum angestrebten Preis verkauft werden kann. Dahinter steht die Überlegung, dass in den Gemeinden Richtung Zürich und in Winterthur nur noch in beschränktem Mass Bauland erhältlich ist und in diesen Gebieten auch keine neuen Einzonungen von Bauland zu erwarten sind. Dies könnte in Bauma zu einer steigenden Nachfrage nach Wohnraum führen und damit zu steigenden Preisen für Bauland.

Die Idee, das gemeindeeigene Immobilienportefeuille zu bereinigen, ist zu begrüssen. Da die Parzelle 6787 weder für die Zukunft des Schulhauses Altlandenberg, noch für jene des Hallenbads von Bedeutung ist, erscheint ein Verkauf dieses unternutzten Grundstücks sinnvoll. Nicht nur kann die Gemeinde Bauma auf einen guten Erlös hoffen, sie tut damit auch etwas für die Ortsentwicklung. Es kann nicht schaden, wenn die Bevölkerung moderat wächst, denn damit fliessen zusätzliche Steuergelder in die Gemeindekasse.

LIEGENSCHAFTENSTRATEGIE
Der Gemeinderat von Bauma möchte wissen, welche Liegenschaften sie für ihre Aufgaben braucht, wie deren baulicher Zustand ist und welcher Erneuerungs- und Sanierungsbedarf in den nächsten 15 Jahren zu erwarten ist. Zu diesem Zweck erarbeitet er eine Liegenschaftenstrategie. Auf Anfrage erklärte Paul von Euw, Gemeinderat und Ressortleiter Hochbau und Liegenschaften, was der Nutzen einer solchen Strategie ist. «Die Gemeinde besitzt 30 Liegenschaften, die für die Erfüllung ihrer Aufgaben strategisch wichtig sind», erklärt von Euw. Von diesen Liegenschaften werden der aktuelle bauliche Zustand sowie der Erneuerungsbedarf bis ins Jahr 2032 erhoben. «Damit können wir abschätzen, welche Kosten auf uns zukommen.» Anhand dieser Eckdaten wird der Gemeinderat dann seine konkrete Liegenschaftenstrategie formulieren. Diese gibt Antworten auf die Frage, welche Liegenschaften wofür benötigt werden und zu welchen Kosten. «Dies liefert dem Gemeinderat eine Entscheidungsgrundlage, welche Liegenschaften noch behalten, welche verkauft werden können, und ob allenfalls Zukäufe notwendig sind», erläutert von Euw. (md)

 

STAND DER ORTSPLANUNG
Die revidierte Bau- und Zonenordnung der Gemeinde Bauma wird nach Auskunft von Gemeinderat Paul von Euw zurzeit im Amt für Raumentwicklung der zweiten Vorprüfung unterzogen. Nach der Annahme des neuen Eidgenössischen Raumplanungsgesetzes im März 2013 hatten die Gemeinden zwei Jahre Zeit, um ihre Bauordnung dem neuen Gesetz anzupassen. Die Annahme der Kulturlandinitiative im Kanton Zürich hat die Revision der kommunalen Bau- und Zonenordnungen zusätzlich verzögert. Grundsätzlich liegt die Festlegung von Bauzonen in der Kompetenz der Kantone und Gemeinden. Doch der Bund macht Vorgaben zur maximalen Grösse der Bauzonen. Gemäss von Euw sind sich die Gemeinde Bauma und der Kanton noch nicht in allen Punkten einig. Von Euw betont aber, dass sich der Gemeinderat zum Ziel gesetzt hat, die revidierte Bau- und Zonenordnung der Gemeindeversammlung im März 2018 zur Genehmigung vorzulegen. (md)