Ein schwungvolles Quintett

Fünf schwingende Brüder: Loris und Lukas sowie Nino und Ramon (von links) gehen in Position, während Andri Anliker (Mitte) den Kampfrichter mimt (Foto: abs)

Dass gleich fünf Geschwister als Einzelkämpfer am gleichen Wettkampf teilnehmen, ist sicher nicht alltäglich. Die fünf Brüder Anliker aus Schlatt gewannen kürzlich am Kantonalen Nachwuchsschwingfest in Weiningen allesamt einen Zweig.

Wer derzeit Berichte über Nachwuchsschwinger liest, stösst immer wieder auf einen Namen: Anliker. Dies liegt daran, dass die Schwinger aus Unterschlatt nicht nur qualitativ präsent sind, sondern vor allem quantitativ. Gleich fünf Burschen mit diesem Namen stehen an Nachwuchsschwingfesten im Sägemehlring. Kürzlich durften am Kantonalen Nachwuchsschwingfest in Weiningen alle fünf einen Zweig in Empfang nehmen («Der Tößthaler» vom 14. Juli). Da drängt sich fast die Frage auf: Wie kam es dazu, dass fünf Brüder die gleiche Sportart ausüben?

Vater Stefan Anliker schüttelt den Kopf. Vererbt sei die Freude am Schwingsport nicht, er selbst sei kein Schwinger. Ganz unschuldig ist er dennoch nicht. Vor rund sechs Jahren nahm er seinen ältesten Sohn Andri mit an den Eschenbergschwinget in Winterthur – und meldete diesen auf dem Platz an für die Klasse der Jüngsten. Dem damals Achtjährigen gefiel es so gut, dass er sich gleich für das Training beim Schwingklub Winterthur interessierte. Danach folgten etwa im Zweijahres-Rhythmus die vier jüngeren Brüder von Andri: Nino (12 Jahre alt), Ramon (10) und seit diesem Jahr die Zwillinge Loris und Lukas (8).

Trainiert wird einmal wöchentlich in der Schwinghalle am Sportplatz Deutweg in Winterthur. Eineinhalb Stunden lang bringen der Technische Leiter Jürg Schönenberger und dessen Assistent Dani Bachmann den jungen Sportlern die Technik des Schwingens bei. Die Anliker-Brüder sind sich einig: Schönenberger und Bachmann machen einen guten Job. Stefan Anliker und seine Frau Barbara bringen ihre Söhne und die anderen drei Schlatter Nachwuchsschwinger jeweils ins Training. Wenn sie verhindert sind, fährt ihr Auto trotzdem zum Deutweg, einfach mit einer anderen Person am Steuer. «Wir sind gut vernetzt. Das alles ist völlig unkompliziert», erzählen die Eltern.

Oft ein Familienausflug

Die Anliker-Clique beteiligt sich an 10 bis 15 Wettkämpfen im Jahr, die meistens in der Ostschweiz stattfinden. Wenn immer möglich ist die ganze Familie dabei. Dazu gehört noch die sechsjährige Tochter Julia. Alle freuen sich, wenn sie eine Auszeichnung mit nach Hause nehmen können. Bei den Nachwuchsschwingern ist dies ein Zweig. Bis sie um einen Kranz kämpfen können, dauert es noch ein paar Jahre. Andri hat schon klar über 20 Auszeichnungen gewonnen, einige auch im Nationalturnen. Nino nennt stolz die Zahl 17. Bei den drei jüngeren sind es altersbedingt noch nicht ganz so viele.

Auf die Frage, ob sie ein Vorbild hätten, zuckt Andri die Schultern. «Er macht halt viel mit seiner Kraft und Postur», schiebt der Vater mit Blick auf die für einen 14-jährigen beachtliche Körperstatur ein. Und Nino ergänzt: «Er sollte mehr Technik anwenden.» Der Zwölfjährige scheint in diesem schwungvollen Quintett der Intellektuellste zu sein, der sich auch mit Technik und anderen Belangen des Schwingens auseinandersetzt. Als einziger nennt Nino denn auch ein Vorbild: «Samuel Giger, weil der ein sehr guter Techniker ist.»

Bald eine Schwingerhochburg?

Das Training besuchen die Anlikers gerne, da braucht es keinen Druck seitens der Eltern. Im Gegenteil, der Vater erwähnt augenzwinkernd: «Wenn die Hausaufgaben nicht gemacht sind, dürfen sie nicht ins Training.» Das ist dann eher ein Druck bezüglich Schule denn Schwingen. Die fünf munteren Jungs sind daneben alle Mitglieder der Jugendriege Schlatt, also auch dort in einen Verein eingebunden.

Die Brüder Andri, Nino, Ramon, Loris und Lukas Anliker sind übrigens nicht die einzigen Schlatter Nachwuchsschwinger. Auch Silvan Rechsteiner (14), Alejandro Munios (10) und Nico Tonoli (9) trainieren beim Schwingklub Winterthur und bestreiten Nachwuchswettkämpfe. Vor einigen Jahren berichtete der «Tößthaler» über die gemessen an der Einwohnerzahl erstaunlich grosse Motocross-Szene der kleinen Gemeinde. Vielleicht wird die nach und nach abgelöst durch Anhänger des Schweizer Nationalsports. Wer weiss, vielleicht entwickelt sich Schlatt noch zu einer Schwingerhochburg.

Albert Büchi
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