Ein rundes Bild mit vielen Eckpunkten

Richard Hasler (Zweiter von links) im Jahr 2016 mit dem Leiterteam Break Time, dem er als Abteilungsleiter vorstand (Fotos: R. Hasler)

«Wahrscheinlich war ich schon als Kind etwas extrovertiert.» Richard Hasler, 27-jährig, hat in seiner Zeit als Leiter in der Jungschar und in der jungen Kirche Bauma auf verschiedenen Stufen schon mehr Führungserfahrung gesammelt, als mancher Vorgesetzter in seiner ganzen beruflichen Karriere.

In den Jahren 2005 bis 2008 begann Haslers Laufbahn als Leiter in der Jungschar der reformierten Kirche Bauma-Sternenberg. Es wäre falsch zu sagen, sein Weg in dieser religiös motivierten Organisation wäre durch seine Erziehung vorgezeichnet gewesen. Vielmehr war es genau diese Zeit als Leiter von gegen zwanzig Viert- bis Sechstklässlern, die dem jungen Richard den Weg zum Glauben gezeigt hat. Jedenfalls scheint in seinem Fall die berühmte Frage nach der ersten Existenz von Huhn oder Ei geklärt.

Endgültig zu Gott fand Hasler dann durch ein Schlüsselerlebnis, dem Verlust eines guten Freundes nach einem tödlich verlaufenen Motorradunfall. In seinem Steckbrief auf der Seite der Jungschar Bauma steht als Grund für die Leitertätigkeit unter anderem: «Es ist mir wichtig, dass die Jugendlichen von Gott erfahren und mit Leitern über ihn reden können.» Leider findet sich dieser Steckbrief in der Rubrik Ehemalige, aufgehört im Jahre 2017. Aber so ganz ohne Freiwilligenarbeit für die reformierte Kirche wird auch Haslers Zukunft nicht verlaufen. Schliesslich lautet sein oberstes Ziel, Freude und den Glauben weiterzugeben, nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis.

Keine Entzugserscheinungen

Fast jedes Jahr hat sich Richard Hasler als Leiter in verschiedenen Bereichen weitergebildet und sein Palmarès laufend ergänzt. Parallel dazu haben sich auch seine Führungsaufgaben erweitert bis hin zum Abteilungsleiter oder zum Hauptleiter SOLA (Sommerlager). In dieser Funktion galt es unter anderem, ein Team von weiteren Leitern zu führen. Zuletzt, als Abteilungsleiter Junge Kirche, betreute Hasler zwischen 20 und 25 Lehrlinge und verbrachte einen grossen Teil seiner Freizeit mit den Jugendlichen. Dazu kamen teilweise aufwendige Vorbereitungen und dementsprechend ein weiterer Zeitaufwand – irgendwann verlangte etwas in ihm nach Veränderungen. Dass dies eine Neuausrichtung und kein Abbruch sein dürfte, war ihm von Anfang an klar.

Ab Januar 2018 amtet Richard Hasler daher als Hauptleiter Jugendgottesdienst, eine Aufgabe, auf die er sich sehr freut. Diese Jugendgottesdienste werden von bis zu 100 Oberstufenschülern und Lehrlingen be-
sucht und sind, so der Leiter in spe, sehr modern gehalten. «Das ist eine Aufgabe, die kann ich auch längerfristig übernehmen und neue Ideen einbringen!» Es wird seiner Aussage nach immer etwas zu tun geben und nur schon die Schilderung der sich auftuenden Perspektiven macht eines deutlich: Die Arbeit in und mit der Kirche macht ihm grossen Spass und gibt ihm gleichzeitig die Herausforderung, die er schon seit Jahren schätzt.

Engagement auf breiter Ebene

White Cane bedeutet auf Deutsch so viel wie Blindenstock. Es ist gleichzeitig der Name einer Worship-Band, in welcher Hasler die E-Gitarre spielt und als Bandleiter fungiert. Der Name ist kein Zufall, die sechsköpfige Formation versteht sich als Hilfesteller in der Lobpreiszeit, auf dass die Menschen mit ihnen Gott anbeten und ihm Lieder singen können. Zweifellos ein wichtiges Mosaiksteinchen in seinem Bild, können doch in der heutigen Zeit viele Jugendliche am einfachsten über die Musik erreicht werden. White Cane präsentiert sich auf einer modernen und informativen Webseite, die, wie könnte es auch anders sein, durch Richard Hasler betreut wird. Eines seiner weiteren Hobbies ist das Gestalten von Internetseiten, kurz Webdesign. Es ist daher naheliegend, dass er auch gleich für den Internetauftritt der ganzen Jungschar Bauma verantwortlich ist. Natürlich erledigt er auch diese Aufgabe gerne, viel mehr noch, es handelt sich für ihn dabei um eine spannende Herausforderung. Die Frage, woher er die Zeit für all diese Aktivitäten nimmt, beantwortet Hasler mit einem lächelnden Schulterzucken. Gut möglich, dass er es selber nicht weiss.

Vielseitig veranlagt

Neben seinem intensiven Engagement für die Kirche interessiert sich der junge Baumer durchaus auch für weltliche Belange. Nach seiner Lehre als Elektroniker und kurzer Tätigkeit in diesem Beruf entschloss sich Hasler zu einem Studium, welches er nach drei Jahren im Sommer 2016 mit dem Bachelor-Titel in Elektrotechnik abgeschlossen hat. Zurzeit arbeitet er in dieser Funktion als Applikations- und Supportingenieur in einer Volketswiler Firma und befasst sich mit Elektromotoren, Turbokompressoren und Umrichtern. Wenig überraschend steht aber auch hier schon die nächste Veränderung an, ein weiterführendes Studium über drei Semester mit dem Ziel des Master-Titels in Business Engineering. «Es ist halt in mir drin, ich übernehme gerne Verantwortung», sagt Hasler, als ihm noch eine weitere nennenswerte Station in seinem Leben einfällt. Er deutet auf einen Unterbruch in der Auflistung seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten im Jahr 2011: «Damals war ich im Militärdienst und hatte so für ein ganzes Jahr keine Zeit für die Jugendarbeit.» Auf einen fragenden Blick ergänzt er beinahe verlegen, er hätte halt vom Panzergrenadier gleich bis zum Zugführer weitergemacht.

Und nicht zuletzt…

Erleichtert erfahre ich, dass Richard Hasler auch ein Privatleben hat. Im August letzten Jahres hat er geheiratet, kennengelernt hat er seine Frau in der Kirche. Selbstverständlich ist sie in all seine Pläne einbezogen, besonders hinsichtlich des bevorstehenden Vollzeit-Studiums. Für diese Zeit werden die beiden von Erspartem und dem Einkommen von Haslers Frau leben, nicht wie die Könige, aber es wird gehen, erklärt er. «Das Studium prügle ich schnell durch!» – eine Aussage, die ich ihm gerne abnehme. Richard Hasler, kein religiöser Träumer, sondern ein Mensch, mit der Welt und Gott im Reinen und der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht.

Ein Bild aus dem diesjährigen Sommerlager: Hasler (hinten links mit Brille) amtete als Hauptleiter
Ein Bild aus dem diesjährigen Sommerlager: Hasler (hinten links mit Brille) amtete als Hauptleiter