Ein Regenbogen, der Begeisterung auslöst

Gemeindepräsident Martin Lüdin freut sich auf die Eröffnungsfeier der Rägeboge-Halle in Kollbrunn (Foto: md)

Am 8. April werden die Rägebogehalle und die Schulhauserweiterung in Kollbrunn mit einem grossen Volksfest eingeweiht. Der «Tößthaler» hat mit Gemeindepräsident Martin Lüdin einen Rundgang durch die Neubauten gemacht. Die Mehrzweckhalle ist ein technisches Wunderwerk und hat eine hervorragende Akustik.

Martin Lüdin strahlt, wenn er auf die neue Mehrzweckhalle Rägeboge in Kollbrunn zu sprechen kommt: Der Gemeindepräsident der Gemeinde Zell, zu der auch das Dorf Kollbrunn gehört, hat in den letzten Jahren sein Herzblut für dieses Projekt vergossen. Und jetzt, wo das Bauwerk steht, führt er den Besucher mit sichtlichem Stolz durch die Räume der Neubauten. «Als die Schüler nach den Sommerferien zum ersten Mal den Platz zwischen dem Schulhaus und der Mehrzweckhalle betreten durften, sind sie begeistert auf die Halle losgerannt und sind dann vor dieser stehen geblieben, um sie zu bewundern», erinnert sich Lüdin. Dieses Bild der Begeisterung hat sich ihm eingeprägt. Und wer mit dem Zeller Gemeindepräsidenten einen Rundgang durch die riesige Dreifachhalle macht, wird seine Begeisterung schnell teilen.

Vor Hochwasser geschützt

Wer die Regenbogenhalle betritt, schreitet zuerst über einen gedeckten Laubengang leicht aufwärts zum Haupteingang. Aus Gründen des Hochwasserschutzes steht der Hallenbau, der für maximal 1000 Personen ausgelegt ist, 90 Zentimeter über dem gewachsenen Grund. Die unterirdischen Gebäudeteile liegen in einer wasserdichten Wanne. Nasse Füsse kann man in der Regenbogenhalle also höchstens in den Duschen der Garderoben bekommen. Das Foyer ist die «Verkehrsdrehscheibe» der Mehrzweckhalle: Von hier erreicht man die Turnhallen, den Mehrzweckraum für 100 Personen, die Küche, die Galerie sowie die Garderoben und Technikräume im Untergeschoss.

Eindrückliche Ausmasse

Martin Lüdin führt zuerst in die Doppelturnhalle: Ihre Ausmasse sind beeindruckend: Sie misst 43,5 mal 23,5 Meter und hat eine lichte Höhe von acht Metern. «Das sind sogenannte Magglingermasse», betont Lüdin, der auch Präsident der Baukommission ist. Die Doppelturnhalle mit den Massen einer Dreifachturnhalle kann im Verhältnis 1:2 unterteilt werden und hat ein Volumen von 10’000 Kubikmetern. Sehr beeindruckend ist, wie die aus Holz gefertigten Dachträger, die sogenannten Binder, die gesamte Hallenbreite stützenlos überspannen. Das Erdgeschoss besteht aus vorgefertigten Holzbauelementen. Die grössten Bauteile, die übrigens im Toggenburg gefertigt wurden, waren elf Meter lang und 3,6 Meter hoch.

Ein Laubengang führt von der Strasse zum Haupteingang der Mehrzweckhalle. Dieser liegt aus Gründen des Hochwasserschutzes 90 Zentimeter über dem gewachsenen Grund
Ein Laubengang führt von der Strasse zum Haupteingang der Mehrzweckhalle. Dieser liegt aus Gründen des Hochwasserschutzes 90 Zentimeter über dem gewachsenen Grund

Seitlich an die Hallen angegliedert befinden sich Geräte- und Lagerräume. In letzteren sind die Bühnenelemente gestapelt. Aus ihnen lässt sich eine Bühne von total 110 Quadratmetern zusammenfügen. Martin Lüdin zeigt an die Decke: «Dort oben sehen Sie den Bühnenvorhang und die Aufhängevorrichtungen für Scheinwerfer und die fest montierten Lautsprecheranlagen. Das alles lässt sich mit einem mobilen Schaltpult steuern.» Dann öffnet Lüdin einen Wandkasten und holt die mobile Steuereinheit hervor, die auf einem Rolltisch eingerichtet ist: Beleuchtungspult, Tonsteuerung und Haustechnik. So kann das Steuerpult entweder direkt bei der Bühne oder auf der Galerie platziert werden. Ein kurzer Test bestätigt, dass die Tontechnik auf dem neusten Stand ist: Der Besucher darf sein Smartphone über die Kopfhörerbuchse direkt an die Tonanlage der Halle anschliessen und ein Musikstück abspielen. Die Akustik ist hervorragend. Lüdin macht auf eine weitere Besonderheit aufmerksam: «Wenn die Bühne aufgestellt ist, können Lager- und Geräteräume als Durchgänge zwischen Halle und Foyer dienen, ohne die Halle zu betreten.»

Sensoren erkennen schlechte Luft

Raschen Schrittes führt der Gemeindepräsident den Besucher in das Untergeschoss, wo sich Garderoben und Technik befinden. «Sehen Sie; wenn wir eine Garderobe betreten, geht automatisch das Licht an. Es hat keine Lichtschalter. Bewegungsmelder registrieren, ob sich Menschen in einem Raum befinden. Sensoren messen die Luftqualität (CO2-Gehalt und Gerüche) und erkennen damit, ob sich Menschen im Raum aufhalten. Andere Sensoren messen die Feuchtigkeit und stellen fest, wann die Lüftung eingeschaltet werden muss.» Geheizt wird mit einer Grundwasserwärmepumpe, die sich im alten Heizungsraum des Schulhauses von Kollbrunn befindet. «Wir haben mit dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) einen Heizcontracting-Vertrag abgeschlossen. Unsere Gemeinde bezieht die Heizwärme als Dienstleistung, für Unterhalt und Reparaturen sowie die Pikettorganisation ist das EWZ zuständig», erläutert Lüdin. Ein ähnlicher Vertrag, diesmal mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ), besteht für die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Halle, die eine Fläche von rund 1000 Quadratmetern aufweist. «Die Regenbogenhalle ist nach Minergie-Standard erstellt. Wir haben aber auf eine Zertifizierung verzichtet, weil ein Zertifikat keinen Mehrwert darstellt», sagt Lüdin.

Eines der drei neuen Klassenzimmer im Erweiterungsbau: Jeder dieser Schulräume ist für 24 Schüler ausgerüstet
Eines der drei neuen Klassenzimmer im
Erweiterungsbau: Jeder dieser Schulräume
ist für 24 Schüler ausgerüstet

Dies ist aber nur ein Aspekt der modernen Technik, mit der die Regenbogenhalle ausgerüstet ist. Das Gebäude überwacht und steuert laufend den Zustand der Luft, der Heizung, der Regeltechnik und der Wasserentkalkungsanlage. «Wir können die richtige Raumtemperatur für eine Veranstaltung im Winter in der Steuerung eingeben. Diese stellt sicher, dass zum geplanten Zeitpunkt die gewünschte Temperatur erreicht ist», erklärt Lüdin. Wenn eine Lüftungsklappe defekt ist oder eine Fäkalienpumpe nicht mehr läuft, so alarmiert die Steuerung den Hauswart über ein SMS. Die Regenbogenhalle ist also nicht nur energiesparend konzipiert, sie ist gewissermassen auch intelligent.

Eine Küche für Grossanlässe

Die Küche, die direkt ans Foyer anschliesst, ist auf Grossanlässe ausgerichtet: In den Wandschränken lagern Teller, Besteck und Gläser für 300 Personen, alles in handlichen Kunststoffbehältern aufbewahrt, die auf einem Rollwagen gestapelt sind. Für die Zubereitung von Mahlzeiten stehen ein Herd mit vier Platten zur Verfügung, ein Bräter mit 60 Liter Fassungsvermögen, ein Warmhalteofen sowie ein Hochleistungssteamer. «Mit dem können Sie 15 Kilo Bohnen auf einmal kochen», sagt Lüdin. Nur die Getränke-Kühlschränke müssen Veranstalter von Anlässen selbst organisieren. Der knapp 100 Quadratmeter grosse Mehrzweckraum fasst 100 Personen und ist mit einem Beamer und einer Leinwand ausgerüstet.

Die Rägebogehalle wird tagsüber als Turnhalle für das benachbarte Primarschulhaus Kollbrunn genutzt. Am Abend trainieren zahlreiche Vereine in den Turnhallen. Doch wenn kein Turnbetrieb ist, können einzelne oder die gesamte Halle gemietet werden. Martin Lüdin ist überzeugt, dass die Regenbogenhalle bei Vereinen sowie Veranstaltern von gewerblichen, sportlichen oder kulturellen Anlässen Anklang finden wird wegen ihrer modernen Ausrüstung und ihrer Vielseitigkeit.

Martin Lüdin freut sich darauf, nach einem intensiven Engagement für die Realisierung der Mehrzweckhalle und der Schulhauserweiterung etwas mehr Freizeit zu haben
Martin Lüdin freut sich darauf, nach einem intensiven Engagement für die Realisierung der Mehrzweckhalle und der Schulhauserweiterung etwas mehr Freizeit zu haben

Der Pausenplatz verbindet die Neubauten

Die Regenbogenhalle, die von aussen eher unauffällig wirkt, gibt dem Schulhausareal von Kollbrunn eine neue Ausrichtung: Es öffnet sich gegen Westen, nicht mehr gegen die Tösstalstrasse und das Coop-Areal. Von der Halle führt ein Weg geradeaus zum Schulhaus und seinem neuen Ergänzungsbau mit drei Schulzimmern. Diese Schulhauserweiterung ist, wie die Regenbogenhalle, Teil des Projekts «Erweiterung Schul- und Sportanlagen Kollbrunn» (ESSK). Der Ergänzungsbau kann bei Bedarf um ein Geschoss mit weiteren drei Schulzimmern aufgestockt werden. Zwischen dem Schulhaus und der Regenbogenhalle ist ein angenehmer Aussenbereich entstanden mit Bäumen und Sitzgelegenheiten, den die Schulkinder als Pausenplatz bestimmt schätzen.

 

Blick zurück
Gemeindepräsident Martin Lüdin hat sich mit Herzblut für das Projekt Regenbogenhalle engagiert. Was bleibt nach der Fertigstellung dieses Vorhabens? «Die Realisierung war eine spannende, fordernde, aber auch lehrreiche Erfahrung. Ich möchte diese nicht mehr missen. Ich bin aber auch dankbar, dass der Bau ohne Unfälle abgeschlossen werden konnte. Ohne die mehr als 180 Termine für die Neubauten, die 38 Baukommissionssitzungen oder die über 3000 Mails kann ich jetzt etwas neutraler an Schulhäusern, Turnhallen und Mehrzweckgebäuden vorbeifahren und dafür etwas mehr Freizeit geniessen», fasst er seine Zeit als Präsident der Baukommission zusammen. Lüdin erinnert zudem daran, dass die Geschichte der Regenbogenhalle eigentlich schon im Jahr 2005 begann: «Damals wies die Gemeindeversammlung den Kredit für die Sanierung der Schulturnhalle zurück und forderte einen neuen Mehrzweckbau.» Der Erwerb einer dem Schulhaus benachbarten Landparzelle im Jahr 2011 ebnete den Weg für eine Mehrzweckhalle und die Schulraumerweiterung. Mitte 2013 bewilligte die Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit von 980’000 Franken. In einer Urnenabstimmung im November 2014 wurde der Baukredit von 13,9 Millionen Franken gutgeheissen.