Ein Rechencenter als Zukunftsvision für das Tösstal

Das Tösstal als Hort für Rechenzentren und Datensicherheitszentren? Der Werkvor-steher von Wila, Sacha Huber, erkennt in diesem Geschäftszweig eine grosse Chance für die Region, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Datenleitungen zu verbessern.

Der Wilemer Werkvorsteher Sacha Huber, der seit längerer Zeit aktiv nach Lösungen sucht, um die Tösstaler Aussenwachten mit Glasfasertechnologie zu erschliessen und so eine bessere Internet- und Telefonverbindung zu gewährleisten, hat bereits weitere Pläne. Er träumt von einem Rechencenter und Sicherheitsarchiv für das Tösstal und sieht darin eine grosse Chance für das Tösstal und die Region. «Der Tößthaler» befragte den Gemeinderat zu seinen Vorstellungen und zukünftigen Plänen. 

Warum braucht das Tösstal ein Rechencenter und Sicherheitsarchiv?

Sacha Huber: Die Frage ist nicht, ob das Tösstal ein Rechencenter und Sicherheitsarchiv braucht, sondern was ein entsprechendes Center für den Standort Tösstal bieten könnte (Arbeitsplätze), und warum sich das Tösstal für ein solches Zentrum hervorragend anbietet. Zum einen besteht der Bedarf nach einem Sicherheitsarchiv für diverse Industrien und Verwaltungen in unserer Region, zum anderen ist unsere Region mit überdurchschnittlich hohen Sonnenstunden und Quell- und Grundwasservorkommen gesegnet, daher besteht die Möglichkeiten der Nutzung von diversen erneuerbaren Energie-Methoden. Zudem verfügen wir über ungenutzte militärische Infrastrukturen, ein hervorragendes Fundament für ein entsprechendes Konzept. Ich betone, es geht nicht um ein Rechenzentrum 0815, sondern um ein möglichst effizientes und autarkes Konzept, dass operativ in der Region geführt werden kann.

Haben Sie bereits Kontakte geknüpft mit Interessenten und möglichen Investoren? 

Zusammen mit der Digitalisierung im Tösstal und dem möglichen Ausbau der Aussenwachten in Turbenthal und Wila durch Glasfaser, wurde dies angesprochen als zusätzliche Motivation für die Dienstleitungsanbieter Swisscom, Energie des Kantons Thurgau (EKT) und Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Zudem wäre bei einem Projekt zusammen mit der EKZ womöglich auch die Reichle & De-Massari und DormaKaba in Wetzikon oder Init7 in Winterthur sowie weiteren Unternehmen daran interessiert, beim Bau mitzuwirken mit ihren Technologien. Wer weiss, vielleicht auch als Pilotprojekt für neue Technologien?

Wie könnte ein solches Projekt realisiert werden?

Zuallererst müssten wir Anschluss an das Glasfasernetz erhalten, mit diesem steht oder scheitert diese Idee. Anschliessend müsste zusammen mit den Gemeinden und dem Bund geschaut werden, welche Infrastrukturen benutzt werden können und in welchem Zustand diese sind (Stichwort Luftfeuchtigkeit und Ausrichtung). Danach müsste ein Businessplan sowie Finanzierungskonzept erstellt werden. Ziel ist es, mit einem solchen Projekt auf unsere Region aufmerksam zu machen, zumal wir einiges bieten können. Ein Rechencenter und Sicherheitsarchiv zerstört zudem nicht unsere Natur, weil es auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen kann, beziehungsweise diese optimal eingesetzt werden kann.  

Mit was für Kosten müsste man bei einem Bau eines Rechencenters rechnen und wie soll dieses betrieben werden? 

Eine solche Aussage wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht.

Kritiker gehen davon aus, dass Rechencenter keine Zukunft haben und verweisen auf deren Schwächen, beispielsweise mangelnde Sicherheit, auch mussten bereits erste Rechencenter in der Schweiz schliessen. Warum sind Sie überzeugt, dass Rechencenter zukünftig boomen könnten?

Negative Stimmen höre ich selber nur beim Energieverbrauch. Bei Sicherheitsbedenken muss man den Kritikern immer entgegenhalten, dass Sicherheit das oberste Ziel eines Rechenzentrums und Sicherheitsarchivs ist und die operative Leitung eine entsprechende Sicherheits- und Risiko-Weisung stetig hinterfragen und modernisieren muss. Eine absolute Sicherheit existiert nicht, ob im Center oder zu Hause unter dem Bett. Die Schliessung von Rechencentern in der Schweiz war meines Wissens vor 2008 und nur von sehr kurzer Dauer – ich würde behaupten, es handelte sich lediglich um Kauf- und Verkaufstätigkeiten – und vor dem Boom an erhöhtem Datenschutz, die Daten im eigenen Land zu speichern. Ich sehe den Trend in entgegengesetzter Richtung, zumal die Schweiz ein enormes Potential hat in der Informationswirtschaft eine Vorreiterrolle einzunehmen. Gerade weil wir die rechtlichen Grundlagen haben und über eine hervorragende Infrastruktur verfügen, bieten wir hervorragenden Nährboden für diesen Wirtschaftszweig. 

Der Treiber der Rechenzentren ist vor allem der erhöhte Bedarf an Datenschutz und die Digitalisierung (Stichworte Datenauswertung, künstliche Intelligenz, Dezentralisierung von Softwareprogrammen beziehungsweise dessen Cloud-Lösungen et cetera). So arbeitet zum Beispiel die Agrarwirtschaft hoch technologisiert und die Daten müssen irgendwo gespeichert und ausgewertet werden. Durch die steigende Professionalisierung in allen Wirtschaftszweigen ist auch der Bedarf an kostengünstigen Alternativen zum in-house Betrieb von Servern und spezieller Software gestiegen. Die Dezentralisierung von Rechenzentren (auch Edge-Rechenzentren genannt) wird ebenfalls in der Schweiz an Bedeutung gewinnen.