Ein Leben für die Tiere

Die Tierschützerin Susy Utzinger (Foto: Archiv tth)

In dem Buch «Heimatlos» wird das aussergewöhnliche Leben der Tierschützerin Susy Utzinger beschrieben. Zum ersten Mal spricht die Tierschützerin auch offen von ihrer schwierigen Kindheit.

Weinen könnte man teilweise beim Lesen des Buches, angesichts der schwierigen Jugend und den Schicksalsschlägen, welche die Tierschützerin erleiden musste. Doch «Aufgeben ist in meiner Genetik nicht verankert», sagt Susy Utzinger in der Biographie, die von der Journalistin Franziska K. Müller verfasst wurde. Diese Leidenschaft, aus den Qualen, welche das Leben mit sich bringt, das Beste zu machen, zieht sich durch das ganze Leben der Tierschützerin und machen einem verständlich, weshalb sie zu der Person geworden ist, die sie heute ist.

Aufgewachsen ist Utzinger in sehr schwierigen Verhältnissen. Schon in jungen Jahren machte die Mutter Susy für ihr eigenes Unvermögen und ihr gescheitertes Leben verantwortlich. Zu hören bekam das kleine Mädchen Sätze wie: «Ohne dich wäre ich Fotomodell oder Ärztin geworden. Und was bin ich nun? Die Frau des Hauswarts». Susy bleibt für die Mutter das «seltsame» Kind, im Gegensatz zu ihrer Schwester.

Schwierige Beziehung zu der Mutter

Trotzdem war die Kindheit nicht ein einziger Alptraum. Ein Schicksal-Erlebnis war die Verletzung der Schäferhündin der Familie. Daraufhin hatte der Vater eine Geschäftsidee, er gründete die «Veterinärambulanz», die später unter dem Namen «Tierambulanz» weitergeführt wurde. Das Ziel des Vaters war es, schweizweit die Bergung von verletzten Tieren zu garantieren. Schon früh übernahm die Tochter den nächtlichen Telefondienst bis in die Morgenstunden. Wenn sie einen Anruf erhielt, benachrichtigte sie die Eltern, damit einer der freiwilligen Fahrer an die genannte Adresse ausrückte.

Trotz der schwierigen Beziehung zu den Eltern und den kurzen Nächten war Utzinger gut in der Schule und schaffte den Sprung auf das Gymnasium. Die junge Schülerin wusste bereits, wohin ihr Weg später gehen soll – sie will Tierärztin werden. Ihre Freizeit widmete sie ihrer neuen Liebe, einem Pferd, welches ihre Eltern angeschafft hatten.

Zur gleichen Zeit wurde die seit je fragile Beziehung zur Mutter immer brüchiger. Heftige Auseinandersetzungen waren der Normalzustand. Als der Teenager mit dem Gedanken spielte zu ihrem Freund zu ziehen, eskalierte die Situation vollends. Fortan drohte ihr die Mutter. Nachdem die Gymnasiastin an der Abschiedsfeier einer Lehrerin teilnahm, liess die Mutter den von ihrer Tochter geliebten Hund einschläfern. Kurz darauf fasste die junge Frau den Entschluss, das Gymnasium im dritten Jahr abzubrechen, mit einer Lehre zu beginnen und so schnell wie möglich von zuhause auszuziehen. Als sie den Plan in die Realität umsetzte, wurde das Pferd, das Susy so liebte, getötet – die Mutter verkaufte es einem Metzger. Danach brach Utzinger den Kontakt zu den Eltern ab.

Zerwürfnis mit dem Vater 

Nach ihrer kaufmännischen Lehre, die sie nicht glücklich machte und in eine Sinnkrise führte, begann die 22-jährige in der Tierambulanz des Vaters zu arbeiten. Utzinger entwickelte sich zu einem Workaholic. Sie erlebte, was persönliche und berufliche Erfüllung bedeutet. Fünf Jahre später folgte die grosse Enttäuschung. Die Tierschützerin erfuhr, dass ihr Vater immer wieder Gelder der Ambulanz für private Zwecke abgezweigt hatte. Die Tochter schwieg nicht und wurde vor die Türe gestellt. Währenddem der Spendenskandal die Öffentlichkeit erreichte, bedrohte der Vater seine Tochter mit dem Tod. Gegen aussen spielte er den Leidenden. Zur gleichen Zeit starb die Grossmutter, sie wünschte sich sehnlichst, dass ihre Enkeltochter sie vor ihrem Tod nochmals besuchen kommt, die Familie lässt Utzinger jedoch bewusst nichts von dem Wunsch wissen.

Wenig später fand die Tierschützerin Arbeit als Journalistin, wo sie im Bereich Tiere und Tierschutz ihre Anliegen in verschiedenen Zeitungen und Radios einbringen durfte. Gleichzeitig gründete Utzinger den «TierRettungsDienst – Leben hat Vortritt». Viele der einstigen Helferinnen und Helfer unterstützten den Neuanfang, der aufgrund des Imageverlustes nach dem Spendenskandal sehr schwierig war, stillschweigend. In den kommenden Jahren baute Susy
Utzinger und ihr Team den Dienst erfolgreich weiter aus.

Im September 2000 gründete die Tierschützerin die noch heute bestehende und anerkannte «Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz», die in Kollbrunn beherbergt ist. Die Stiftung unterstützt unterschiedlichste Projekte, welche dem Tierschutz dienen sollen, in der ganzen Welt.

Die Autorin der Biographie, Franziska Müller, schildert die anspruchsvolle Arbeit, welche die Tierschützerinnen und Tierschützer leisten, genauso wie die Widerstände, mit denen sie chronisch zu kämpfen haben, akribisch. So erfahren die Leserinnen und Leser, was die Stiftung in Gabun für die Strassenhunde machte, mit was für Schwierigkeiten sie in Rumänien zu kämpfen hatte, bevor sie dort nachhaltig die Arbeit verbessern konnte, und vieles mehr. Die in Tagebuchform gebrachte Autobiographie von Utzinger ist für alle, die einen tieferen Einblick in das Leben von tierschützenden Menschen gewinnen wollen, empfehlenswert. Obgleich die Tierschützerin Utzinger mit all ihren Aufgaben vermehrt im Vordergrund steht, kommt auch die private Seite nicht zu kurz. So erfährt man sehr Persönliches über ihr heutiges Privatleben und ihre grosse Liebe.

BUCHANGABEN
«Susy Utzinger, Heimatlos – aus dem Tagebuch einer Tierschützerin»
ist im Wörterseh Verlag erschienen. Geschrieben von Franziska K. Müller.
201 Seiten. ISBN: 978-3-03763-071-6