Ein Hort für die Geschichte und Kultur des Tösstals

Markus Küng ist die treibende Kraft hinter dem Projekt «Tösstaler Kulturscheune Schlossguet» Foto: md

Die alte Schloss-Scheune von Turbenthal soll zu einem überregionalen Kulturzentrum werden. Treibende Kraft hinter diesem Projekt ist der Turbenthaler Gemeinderat Markus Küng. Auch andere Gemeinden sind am Vorhaben interessiert.

Das Vorhaben, aus der alten Schloss-Scheune ein Zentrum für Kultur- und Museumsbetrieb zu machen, wäre eines der bedeutendsten Projekte der Gemeinde. «Der Tößthaler» hat Markus Küng, Gemeinderat und Präsident der Kommission Schlossguet zum Projekt befragt.

Worum geht es beim Projekt «Tösstaler Kulturscheune Schlossguet» genau?

Dieses Projekt ist die Vision die baufällige Schloss-Scheune zu sanieren. Genutzt werden soll das Gebäude in Zukunft als ein Tösstaler Kulturzentrum mit einem Ausstellungsbereich unter dem Titel: «Das Tösstal gestern-heute-morgen». Dazu gesellt sich ein Saal für bis zu hundert Personen und ein Raum, genannt «Langer Tisch», mit 25 Sitzplätzen. Neu dazugekommen ist die Möglichkeit die Gemeinde- und Schulbibliothek Turbenthals einzubetten.

Wer hat dieses Projekt initiiert und wer bildet die Trägerschaft?

Das geht schon sehr weit zurück: Am Ende der 80er-Jahre bot Werner Weber, der bisherige Besitzer, die unter kantonalen Denkmalschutz stehende Schloss-Scheune der Gemeinde zum Kauf an. Im März 1990 beantragte der Gemeinderat der Gemeindeversammlung den Kauf der «geschichtsträchtigen Liegenschaft» mit der Begründung, der Ökonomieteil könne dem Ortmuseums-Verein für die «fachgerechte Unterbringung der gesammelten Gegenstände» zur Verfügung gestellt werden. «Dies wird auch erlauben, Ausstellungen in Verbindung mit kulturellen Anlässen durchzuführen». Die Versammlung stimmte dem Antrag mit grossem Mehr und ohne Gegenstimme zu. Verschiedene Versuche zur Umsetzung des Gemeindeversammlungsbeschlusses scheiterten. Seit 2011 hat der Verein für ein Ortsmuseum Turbenthal ein fixfertiges Projekt in der Schublade. Der Gemeinderat beauftragte 2013 den Museumsexperten Samy Bill ein Konzept für die Nutzung des Schlossguet und für den Betrieb eines Ortmuseums auszuarbeiten. Dem Gemeinderat schien es angezeigt, nach 23 Jahren vergeblicher Bemühungen, im Schlossguet ein Ortsmuseum einzurichten, nun einen Fachmann beizuziehen. Im vergangenen März wurde die Kommission Schlossguet vom Gemeinderat eingesetzt.

«Die Verzögerung des Projekts ist nicht der Denkmalpflege, sondern dem Lotteriefonds zuzuschreiben.»

Sind auch andere Gemeinden oder Institutionen in diesem Projekt eingebunden?

Am ersten «Kulturtreffen Tösstal» vom 6. September haben 33 VertreterInnen aus umliegenden Gemeinden Interesse an unserem Projekt gezeigt. Man war sich einig, dass die Zusammenarbeit im Tösstal in Bezug auf die Kultur intensiviert werden muss. Kulturelle Angebote können gemeinsam vermarktet werden und die Zusammenarbeit mit der Kulturkommission Zürioberland muss intensiviert werden. Ebenso spürte man bei der Teilgruppe Bibliothek das Bedürfnis, über die Gemeindegrenzen hinaus eine Vernetzung anzustreben.

Weshalb braucht es so etwas im Tösstal?

Wenn wir immer alles mit der Frage «braucht man das?» konfrontieren, hätten wir wenig. Das Kulturzentrum bietet eine Möglichkeit für umliegende Gemeinden grössere Projekte in der Kulturscheune zu realisieren. Das Tösstal hat eine spannende und vielfältige Geschichte. Wäre es nicht genial, diese an einem Ort im Tösstal aufzubereiten und aufzuzeigen?

Ist ein derartiges Projekt nicht eine Nummer zu gross für eine nicht gerade wohlhabende Gemeinde wie Turbenthal? Sie schätzen die Kosten auf 7,5 Millionen Franken, während die Gemeinde für 2018 ein Defizit von 3,4 Millionen Franken budgetiert hat.

Wenn ich diesen Gedanken von Anfang an ins Auge gefasst hätte, dann hätten wir gar nicht begonnen. Nach wie vor handelt es sich um eine Vision. Wenn wir frühere Visionen nur monetär angeschaut hätten, dann gäbe es in Turbenthal kein Gmei-werch, keinen Werkhof mit einer modernen Wertstoffsammelstelle, keine Grosshalle, kein Schwimmbad und auch keine sanierten Schulhäuser. Um weiterzukommen braucht es manchmal Visionen, vielleicht Mut oder sogar etwas Wagemut.

Sie möchten auch die Gemeindebibliothek in der Kulturscheune Schlossguet unterbringen; weshalb?

Es war nicht meine Idee: Den Anstoss für eine Verlegung der Bibliothek kam von der Präsidentin der Primarschulpflege, Gabriella Pfaffenbichler. Die Bibliothek ist zurzeit in einem Gebäude der Primarschule beheimatet. Aufgrund der steigenden Schülerzahlen ist die Überlegung nachzuvollziehen, dass die Primarschule dieses Gebäude wieder selber nutzen könnte, anstatt irgendwo an-, um- oder neu bauen zu müssen. Diese Machbarkeitsstudie hat unseren «Fahrplan» völlig durcheinandergebracht. Je mehr ich mich aber damit beschäftigt und alle Vor- und Nachteile abgewogen habe, desto mehr Sinn macht diese Verlegung für das ganze Projekt.

Das kantonale Amt für Jugend und Berufsberatung kommt zum Schluss, dass ein Umzug der Bibliothek nur dann infrage komme, wenn in der Kulturscheune dieselbe räumliche Qualität wie in einer modernen Bibliothek gewährleistet werden kann. Wie interpretieren Sie die Rückmeldung des Kantons?

Nach meinem Informationsstand wird das Bibliotheksprojekt allen Anforderungen gerecht werden. Die Pläne mit der Aufteilung der Bibliothek in Zonen zeigen, dass diese im Schlossguet baulich machbar und technisch attraktiv ist.

«Wäre es nicht genial, die Geschichte des Tösstals an einem Ort im Tal selbst zu präsentieren?»

Sie möchten bereits im März 2018 mit diesem Projekt an die Urne gehen. Worüber soll im Frühling abgestimmt werden? Über einen Projektkredit?

Dieser Zeitpunkt kann leider nicht eingehalten werden. Einerseits ist die Bibliotheksfrage von den drei Gütern noch nicht geklärt und andererseits dauern die Entscheidungswege beim Lotteriefonds viel länger als einst angenommen. Die Kommission Schlossguet betreibt eine rollende Planung. Das heisst, dass wir unsere Zeitachse immer wieder den neuen Erkenntnissen anpassen, wie zum Beispiel bei dem neuen Aspekt Bibliothek und bei dem Lotteriefonds. Wir beharren nicht stur auf früheren Entscheiden, sondern aktualisieren unsere Visionen immer wieder von Neuem. Wir kommen jetzt in die Gesamtkonzeptphase. Gerne würde ich im März der Bevölkerung unsere Visionen an einer Veranstaltung aufzeigen. Vielleicht klappt ja das.

Die Integration der Bibliothek in die Kulturscheune erfordert auch das «Placet» des Denkmalschutzes. Ist in diesem Licht eine Abstimmung im März 2018 realistisch?

Mit dem Denkmalschutz arbeiten wir schon sehr eng zusammen. Da erwarte ich keine Hindernisse. Die Zeitverzögerung ist nicht der Denkmalpflege, sondern dem langwierigen Bearbeitungsweg des Lotteriefonds zuzuschreiben.

Wie geht es jetzt mit diesem Vorhaben weiter? Was sind Ihre nächsten Schritte?

Die Erarbeitung des Gesamtkonzeptes wird in Angriff genommen. Dieses wird als Vorgesuch an den Lotteriefonds eingereicht. Im Weiteren bildet es die Grundlage für den Entscheid der drei Güter, die Verlegung der Bibliothek weiter zu verfolgen oder abzulehnen. So oder so: Am Schluss entscheiden die Turbenthaler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.