Ein Gesundheitszentrum für die Region

In der Überbauung «Zentrum Wila» soll ein regionales Gesundheitszentrum entstehen. Für die Finanzierung engagiert sich Michael Hutzli als Präsident des Vereins WilaCare (Foto: md)

Der Verein WilaCare möchte im Zentrum von Wila ein regionales Gesundheitszentrum mit einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis und weiteren Gesundheitsangeboten aufbauen. Bei der Finanzierung will der Verein neue Wege gehen.

Wila – Mit einem einzigen Hausarzt sei die Gemeinde Wila bereits heute medizinisch unterversorgt, glauben die Initianten des Gesundheitszentrums WilaCare, die sich zu einem Verein zusammengeschlossen haben. «Der Tößthaler» hat Vereinspräsident Michael Hutzli Fragen zu den Zielen und zur Finanzierung eines regionalen Gesundheitszentrums gestellt.

Herr Hutzli, Sie sind Präsident von WilaCare. Welche Ziele verfolgt Ihr Verein?

Der Verein WilaCare bezweckt, das Projekt einer medizinischen Gemeinschaftspraxis in der Überbauung «Zentrum Wila» zu unterstützen und alles zu unternehmen, damit ein solches Gesundheitszentrum realisiert werden kann. Hauptaufgaben sind die Sicherstellung der Finanzierung eines zeitgemässen und modernen Grundausbaus und damit verbunden, Gespräche mit allen Interessengruppen wie die Bevölkerung, die politischen Gemeinden und weitere Gremien. Letzteres umfasst einerseits die Sensibilisierung auf die Thematik der medizinischen Unterversorgung und andererseits auch viel Aufklärungsarbeit bezüglich der Finanzierung mittels «Crowdfunding». Hinzu kommt die Abklärung des medizinischen Angebotes, die bauseitige Planung, die Erstellung der Businesspläne und die Verantwortung für den gesamten Auftritt.

Wieviele Mitglieder zählt WilaCare zurzeit?

WilaCare hat derzeit rund 20 Mitglieder in unterschiedlichsten beruflichen und familiären Lebenslagen, welche unterschiedlichste Kompetenzen einbringen. Diese Verschiedenheit ist eine Bereicherung für dieses Projekt, genauso wie die Tatsache, dass wir alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Obschon wir die Möglichkeit einer Mitgliedschaft noch nicht breit kommuniziert haben, dürfen wir uns bereits über regen Zuwachs freuen. Diese Solidarität zeigt uns, dass wir ein Thema ansprechen, das viele Menschen in und um Wila betrifft. Wer sich also mit dem Vereinszweck anfreunden kann, ist sehr gerne als Vereinsmitglied oder Gönner willkommen.

Wie muss man sich das geplante Gesundheitszentrum in Wila vorstellen? Welche Dienstleistungen sollen angeboten werden?

Wir stellen uns eine moderne und einladende medizinische Gemeinschafts-praxis vor, ein umfassendes medizinisches Angebot unter einem Dach. Mit zwei Hausärzten, einer davon ist Doktor Hans-Peter Mösch, wollen wir den Ansprüchen an die medizinische Grundversorgung gerecht werden. Mit dem erweiterten Angebot wollen wir dem Bedürfnis nach Spezialisten und Fachpersonen des Gesundheitswesens nachkommen. Wir sind derzeit dabei, diesen Bedarf zu evaluieren und halten uns alle Optionen offen. Denkbar sind aber beispielsweise die Bereiche Kinder- und Jugendmedizin, Gynäkologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Urologie, HNO-Heilkunde, Zahnarztmedizin oder Physiotherapie.

Wie hängt das Gesundheitszentrum mit der geplanten Überbauung im Zentrum von Wila zusammen?

Das Erdgeschoss der Überbauung ist für die publikumsorientierte Nutzung vorgesehen. Mit rund 300 Quadratmetern eignen sich die Räumlichkeiten optimal für eine Gemeinschaftspraxis. Sie sind barrierefrei, hervorragend erschlossen und zentral gelegen, also zu Fuss, mit ÖV und auch mit dem Auto sehr gut erreichbar. Man kann also sagen, die Pläne des Neubauprojektes «Zentrum Wila» haben überhaupt den Impuls für ein Gesundheitszentrum gegeben.

Wie steht es mit der Gesundheitsversorgung in Wila, aber auch in den Nachbargemeinden? Hat es in der Region nicht genügend Ärzte?

Mit einem einzigen Hausarzt für knapp 2000 Einwohnerinnen und Einwohner ist die Gemeinde Wila bereits heute medizinisch unterversorgt. Die OECD empfiehlt einen Arzt pro 1000 Personen. Natürlich ist das eine Herausforderung, die viele ländliche Gemeinden kennen. In Wila wird sich die Situation in den kommenden fünf Jahren zunehmend verschärfen, aufgrund der baldigen Pensionierung unseres Hausarztes und dem zunehmenden Bedarf an medizinischer Versorgung aufgrund der demographischen Entwicklung. Im Rahmen der Analysenphase haben wir die Gemeinden Bauma, Hittnau, Russikon, Turbenthal, Weisslingen, Wildberg, Wila und Zell in die Überlegungen miteinbezogen. In diesem Gebiet wohnen rund 29’500 Personen, welche von 14 Hausärzten versorgt werden. Zum Vergleich: in der Stadt Winterthur kommen auf gut 105’000 Einwohner rund 150 Allgemeinmediziner.

Von welchen Kosten gehen Sie aus, um dieses Gesundheitszentrum zu realisieren?

Wir gehen derzeit von Kosten in der Höhe von rund 960’000 Franken aus. Ein gewisser Anteil entfällt auf die Planungs- und Projektierungskosten, welche einerseits im betriebswirtschaftlichen und andererseits im bauseitigen Bereich anfallen. Hauptsächlich finanzieren wir damit aber den Grundausbau, also die immobilen Anlagen. Darunter verstehen wir den Empfangs- und den Administrationsbereich, die Behandlungsräume, das Wartezimmer, die sanitären Anlagen, die Personal- sowie die Lagerräume und das Archiv. Die mobilen Anlagen, zum Beispiel die IT-Infrastruktur und das Mobiliar sind ebenso zu berücksichtigen wie einmalige Raumaufwendungen, Gründungskosten, Büroeinrichtungen oder Initialkosten für Marketing und Kommunikation.

Weshalb suchen Sie private Geldgeber, um das Gesundheitszentrum zu finanzieren?

Die Kosten für den Grundausbau und die Einrichtung einer zeitgemässen Gemeinschaftspraxis stellen für angehende Hausärzte wesentliche Eintrittsbarrieren dar. Dadurch, dass wir den Grundausbau zur Verfügung stellen und entsprechend individuelle Finanzierungskonzepte für die künftigen Betreiber erarbeiten, möchten wir medizinische Kompetenz nach Wila holen. Diese Finanzierung möchten wir mittels Crowdfunding zustandebringen und suchen deshalb nach potenziellen Teilhabern für das Gesundheitszentrum sowie nach Darlehensgebern und Sponsoren. Wir sprechen dabei sowohl Privatpersonen, als auch die öffentliche Hand, Stiftungen, Fonds und weitere Organisationen an. Und natürlich werden auch die künftigen Pächter, also die Ärzte und Spezialisten ihren Teil zur Finanzierung beitragen müssen, es geht nur gemeinsam.

War es für Sie nie eine Option, die Räume für das Gesundheitszentrum einem erfahrenen Dienstleister zu vermieten?

Selbstverständlich gab es diese Überlegungen. Wir haben diese Pläne aber rasch verworfen. Es gibt diverse Unternehmen, welche auf die Herausforderung der medizinischen Grundversorgung in Gemeinden und den Aufbau von Gemeinschaftspraxen spezialisiert sind. Die Kosten für die diversen Dienstleistungspakete, wie Machbarkeitsanalysen, Aufbau und Gründung, Baumanagement und so fort sind aber immens. Kommt dazu, dass niemand die Bedürfnisse der Bevölkerung so gut kennt, wie die Bevölkerung selbst. Aus diesen Gründen und weil wir der festen Überzeugung sind, dass wir mit den uns zur Verfügung stehenden Kompetenzen sowie der Unterstützung der Bevölkerung und der öffentlichen Hand ein betriebswirtschaftlich stabiles Gesundheitszentrum gründen können. Auch die Zusammenarbeit mit einem bestehenden Anbieter von Gesundheitszentren wäre denkbar gewesen, damit verlöre aber das Projekt seinen dörflichen Charme und wir wären komplett fremdbestimmt gewesen.

Wie geht es mit dem Verein weiter, wenn Sie das Geld für die Realisierung des Gesundheitszentrums beisammen haben?

Mit der Sicherstellung der Finanzierung eines Grundausbaus für das Gesundheitszentrum in Wila hat der Verein seinen Hauptzweck erfüllt. Aber selbstverständlich gibt es auch dann immer noch viel zu tun. Beispielsweise muss das konkrete Leistungsangebot, also der Ärzte- und Spezialistenmix, definiert und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt werden. Und nicht zuletzt folgen die betriebswirtschaftlichen Aufgaben, also die Gründung einer Betreibergesellschaft in Form einer Aktiengesellschaft oder Genossenschaft, welche den operativen Betrieb der Gemeinschaftspraxis und die Berücksichtigung sämtlicher Interessen und Interessenten (Stake- und Shareholder) koordiniert. Aber jetzt steht der Verein WilaCare im Fokus.

Interview: Massimo Diana

Weitere Informationen: www.wilacare.ch