Ein Festival für die Tosende

Eine Gelbbauchunke gab die Initialzündung, um das Ökomodul zu entwickeln (Foto: zVg)

Einer Vielzahl von Tierarten bietet sie Lebensraum – die Töss. Am 26. Mai bringen «ggNatur» und andere Naturschutzvereine aus der Region «die Tosende» und ihre Bewohner Jung und Alt ein Stückchen näher. Sie zeigen ausserdem Möglichkeiten auf, wie die Artenvielfalt auch künftig erhalten werden kann.

Es begann mit einer Liebesgeschichte. Als die gefährdete Gelbbauchunke im Brunnen der Familie Renggli Zuflucht suchte, ahnte noch niemand, was das für Folgen haben würde. Doch die Familie schloss die kleine Unkenart sofort ins Herz. «Sie kam, sah und siegte. Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt Werner Renggli. So begannen sich die Rengglis zu informieren und fanden heraus, dass es nicht besonders gut um ihre neue amphibische Mitbewohnerin stand. Werner Renggli beschloss, dass es an der Zeit war, der Natur etwas zurück zu geben. Erst recht, weil er selbst als Bauunternehmer tätig ist. «Es galt das Baugeschäft mit Naturschutz zu verbinden. Zwei Dinge, die sich nicht immer sonderlich gut vertragen. Aber genau diese Kombination hat am Ende zu unserer Lösung geführt», erzählt er.

Entdeckungstour für Jung und Alt

Nachdem die Familie das Projekt «ggNatur» ins Leben gerufen und einige Jahre viele unterschiedliche Materialien und Varianten ausprobiert hatten, gelang schliesslich die Entwicklung eines sogenannten Ökomoduls. Bei einem Ökomodul handelt es sich um ein Wohnraumsystem für Kleinlebewesen. «Dabei spielt es keine Rolle, ob nun eine Unke den Wohnraum bezieht, oder zum Beispiel eine Schnecke. Jedes Lebewesen hat seinen Platz im Kreislauf. So kann das Eine auch das Futter für das Andere sein», sagt Sandra Renggli. Am Morgen des 26. Mai präsentieren Sandra und Werner Renggli das weltweit einzigartige Ökomodul geladenen Gästen und interessierten Besuchern.

Doch das Ökomodul ist längst nicht alles, was es an diesem Samstag zu sehen gibt. Denn im Zeichen der Veranstaltungsserie «Festival der Natur» laden am Nachmittag Workshops zu Entdeckungstouren ein. Zusammen mit anderen Organisationen wie «karch» und umliegenden Naturschutzvereinen organisieren die engagierten Mitarbeiter von «ggNatur» das vielseitige Nachmittagsprogramm. So werden einzelne Töss-Bewohner/innen, wie die Gelbbauch-
unke, oder der Eisvogel vorgestellt und deren Lebensräume erkundet. Sandra Renggli erzählt zudem von ihren Erfolgen mit selbstgebauten Insektenhotels. Ein solches Hotel können die kleinsten Veranstaltungsbesucher vor Ort gleich selbst herstellen und mit nach Hause nehmen. Tipps für den eigenen Garten gibt es ausserdem in einem Rundgang, der das Thema der wertvollen Pflanzen für die Biodiversität sowie den ungeliebten Neophyten aufgreift. Neophyten sind gebietsfremde Pflanzen, die einheimische zu verdrängen drohen. Dies soll nun verhindert werden, da sonst die Artenvielfalt darunter leidet.

Zentrales Thema: Die Renaturierung der Töss

Ein zentrales Thema der Veranstaltung ist die Renaturierung der Töss. Als man 1876 eine Flusskorrektion vornahm, schuf dies zwar neues Kulturland, aber diese Massnahme vertrieb zeitgleich auch verschiedene Arten aus ihrem natürlichen Umfeld. Die Renaturierung ist schon seit vielen Jahren geplant, sie wurde bisher aber nur abschnittsweise umgesetzt. Es soll noch einmal aufgezeigt werden, wie wichtig es für die Biodiversität ist, die natürlichen
Lebensräume wiederherzustellen. Auch die Vernetzung entlang der Töss spielt eine wichtige Rolle, wenn es zum Beispiel darum geht, den Amphibien die Ausbreitung zu erleichtern. Auf ebenjene Vernetzung und auch auf Fischtreppen, die denselben Effekt auf Fische haben, wird im Verlaufe des Nachmittags ebenfalls eingegangen. 

Mit einer Festwirtschaft ist ausserdem für das leibliche Wohl gesorgt. Die Initianten, Sandra und Werner Renggli, freuen sich auf den Anlass: «Der Tag wird super. Wir haben viele motivierte Helfer. Wir möchten die Leute für diese Welt begeistern. Unser Ziel ist es nicht, die Welt zu verbessern, aber sicher die Leute für die Biodiversität zu sensibilisieren.» 

Anmeldung erwünscht
Für die Präsentation am Morgen sind Anmeldungen erwünscht (unter: ggnatur.ch) für das Nachmittagsprogramm können sich Interessierte spontan auch vor Ort eintragen.