Ein altehrwürdiges Haus wird erweitert

Alt und Neu werden ineinander verfliessen (Visualisierung: zVg / Foto: rf)

Das unter regionalem Denkmalschutz stehende Hauptgebäude der «Blumenau» mit Baujahr 1899 wird grundlegend saniert und erweitert. Der Gebäudezweck und die stilvollen historischen Gemeinschaftsräume können dabei erhalten bleiben, erfahren aber einen erhöhten Komfort durch Minergie-Standard.

Mitte Juni 2014 wurde das Baugesuch eingereicht, im März 2015 die Baubewilligung erteilt. Die letzten Hindernisse für die Bau- freigabe wurden in diesem Februar bereinigt. Das altehrwürdige Haus Blumenau ist bereit. Die Verabschiedung sowie der Spatenstich erfolgen am 30. April. Eine Totalsanierung sowie ein Erweiterungsbau, mit der Möglichkeit, Altes zu erhalten und Neues modern und grosszügig zu gestalten, steht der «Blumenau» bevor. Das Charisma des Heimgebäudes soll genauso erhalten bleiben wie die speziellen Begegnungsmöglichkeiten, die dieses Haus mit seiner über 100-jährigen Gemeinschaftstradition bietet.

Die Bautätigkeiten sollen zur Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten und des «Beziehungskreuzes» führen. Zudem entstehen ein neuer Gemeinschaftsraum, ein hindernisfreier Zugang mit innerer Erschliessung, eine Erweiterung von 13 auf 16 Einzelzimmer mit Nasszellen, ein Büro Pflege und Administration sowie ein Ersatzwäschehaus respektive eine neue Wäscherei und Glätterei mit Lagerraum. Das Ganze wird mit einem zeitgemässen Komfort durch Minergie-Standard untermauert. Der stilvolle Anbau wird optisch mit einer zwei Meter breiten transparenten Begegnungszone vom heimatgeschützten Altbau abgesetzt.

Für die Zeit des Umbaus werden zwölf Bewohnende samt Nachtwache in einem Übergangsbau untergebracht, der noch diesen Monat errichtet wird. Sie erhalten Einzelzimmer sowie eine geräumige Stube. Zusätzlich muss die Infrastruktur, wie Büros, Wäscherei, Glätterei und Lagerräume, im Provisorium aufrechterhalten werden. Der Speisesaal und die Küche werden in den Mehrzweckraum des Hauses Flieder verlegt. Der eigentliche Baustart erfolgt am 1. Mai. Der Bau dauert etwa 18 Monate. Die Eröffnung der neuen «Blumenau» ist auf den Herbst 2017 geplant.

Über 120-jährige Geschichte

Die «Blumenau» wurde 1894 als erste Trinkerinnen-Heilanstalt in der Nord-Ostschweiz gegründet und wurde ab 1920 allmählich in ein Altersheim umgewandelt. 1969 übernahmen Elise und Walter Graf-Graf das Altersheim, deren Sohn Felix Graf, mit seiner Frau Ursula Graf-Züllig, schliesslich im Jahre 1987.

1899 wurde das heutige Haupthaus erstellt. Dieser Neubau entsprach in seiner Grundstruktur sowie dem Ausbau den zeittypischen Ideen und Idealen einer Heilstätte für Trinker. Aus dem Schuldbrief des Institutionsgründers Simeon Diener, datiert vom 3. November 1899, geht ein Wohnhaus Brandkataster Nr. 982 mit Gesamtkosten von 57’200 Franken hervor. Nach dem ersten Weltkrieg, um 1920, wurde die Trinkerinnen-Heilanstalt in ein Altersheim umgewandelt.

Nebst dem normalen Unterhalt wurden in den letzten 30 Jahren am Haus Blumenau die bleiverglasten Fenster mit den Rosenornamenten saniert, sämtliche Sandsteinbänke überarbeitet, die Jugendstil-Giebel wieder eingesetzt sowie das Aussenbrünnchen wieder angebracht. Im Inneren wurden die alten Böden von den Linoleumabdeckungen befreit, um das Haus wieder möglichst im Originalzustand zu betreiben. Mit dazu gehörte der Einbau eines Treppenliftes, den die Hans Erna Walder Stiftung ermöglichte und der bis heute jeden Tag intensiv genutzt wird.

Der Bau wurde schwellenlos gemacht und die sanitarischen Anlagen so umfunktioniert, dass der Transfer für die Bewohnenden von einem Rollstuhl aus möglich wurde.

Das Projekt nimmt Gestalt an

In den 90er-Jahren wurde eine erste Machbarkeitsstudie mit einem Quartierplaner gestartet, der Überlegungen zur gesamten Anordnung und Erschliessung des Ensembles anstellte. Beim nächsten Planungsanlauf wurden zwei Architekten eingeladen mit dem Auftrag, kubische Vorschläge für das bestehende Raumproblem zu erarbeiten. Sie schlugen verschiedene Anordnungen von zusätzlichen Baukörpern vor, die alle unstimmig schienen. Die Übung wurde abgebrochen.

Ab 2010 wurde erneut intensiv darüber nachgedacht, wie die Schwerpunkte realisiert werden könnten, ohne dabei das charaktervolle Gebäude abzureissen und das wichtige «Beziehungskreuz» aufzugeben. In der Folge entschied man sich für Ueli Erb, Wila, als Bauberater, mit dem ein differenziertes Baupflichtenheft erarbeitet wurde. 2012 hatte man an drei Planungsbüros Studienaufträge erteilt.

Den Zuschlag erhielt die Idee der Architektengruppe 4 aus Winterthur, die einen schlichten Anbau auf der Nordseite der Blumenau vorsah und damit den Altbau mit gebührendem Respekt erweiterte. Der Anbau wurde in Höhe und Lage dem alten Haupthaus untergeordnet.

Nach verschiedenen Abklärungen und Erwägungen wurde der Anbau grösser geplant, aber auch kompakter in seiner Erscheinungsform. Dazu kam eine einjährige Schlaufe mit der Denkmalpflege, was dem Setting des Baukörpers zusehends innere Qualität verlieh.

Verkehrstechnisch nicht optimal gelöst ist nach wie vor die Erschliessung der Anlage. Dafür wurde ein Projekt aufgegleist mit dem Ziel, eine Zufahrt von Osten über die Rohrstrasse entlang der SBB Linie zu realisieren.

Dazu wurde ein Richtplaneintrag gemacht, und es bedurfte der Zustimmung der Gemeindeversammlung Fischenthal zum Gestaltungsplan Rohr im Dezember 2015. Ausstehend ist noch die Zustimmung des Regierungsrates des Kantons Zürich.

Felix Graf freut sich auf die Fertigstellung des An- und Ausbaus. Für ihn steht das Wohl der Bewohnenden klar im Vordergrund, weshalb für das gemeinschaftliche Leben im Haus (Beziehungskreuz) auf jedem Geschoss grosszügige Erschliessungsflächen eingeplant sind. Das ganze Gebäude wird mittels Lift hindernisfrei erschlossen.