Drei Rechnungen – eine Meinung

An der mässig besuchten Turbenthaler Gemeindeversammlung wurden die Jahresrechnungen der beiden Schulgemeinden und der politischen Gemeinde einstimmig angenommen. Der Gemeinderat möchte zukünftig die Stimmberechtigten zu einem Apéro einladen.

Wie gewohnt startete die Versammlung in der Gross-halle Tösstal am Montagabend mit den Geschäften der Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg, damit die Teilnehmenden aus Wildberg sich danach gleich wieder auf den Heimweg machen konnten. Finanzvorstand Christiane Tüscher erläuterte die wichtigsten Zahlen der Jahresrechnung 2016, die bei einem Aufwand von 4’601’770 und einem Ertrag von 4’807’856 mit einem Ertragsüberschuss von rund 206’086 abschloss. Im Vergleich mit dem Voranschlag bedeutete dies eine Verbesserung von 226’486 Franken. «Wir waren sparsam beim kommunalen Personalaufwand», liess Tüscher die Versammlung wissen (7,1 Prozent Einsparung). Das selbe lässt sich auch vom Sachaufwand sagen, der fast 17 Prozent geringer ausfiel als budgetiert. Die Energiekosten seien einmalig tief, weil kein Heizöl dazu gekauft wurde. Neu ist die Sekundarschulgemeinde dem Wärmeverbund angeschlossen.

Die Investitionsrechnung sehe etwas komisch aus, weil gar keine Ausgaben budgetiert waren, nun aber doch ein Betrag von 320’389 Franken erscheine. Dies vor allem, weil zwei Korrekturbuchungen aus dem Vorjahr vorgenommen werden mussten. Die 36 Stimmberechtigten genehmigten die Rechnung der Sekundarschule Turbenthal-Wildberg praktisch diskussionslos.

Die Fragen, die der ehemalige Gemeinderat Daniel Rüegg stellte, betrafen nicht unmittelbar die Laufende Rechnung 2016. Er wies daraufhin, dass der BVK-Deckungsgrad nur 92 Prozent betrage. Christiane Tüscher antwortete, man sei auf gutem Weg und habe genügend Rückstellungen. Weil wegen der Einstellung von Postautokursen Schüler vermehrt mit Schulbussen transportiert werden müssten, sollte die Sekundarschule, aber auch die beiden anderen Güter, mit dem Zürcher Verkehrs-Verbund (ZVV) sprechen, schlug Rüegg vor. Diese Transporte verursachten Mehrkosten.

Cornelia Oelschlegel, Präsidentin der Sekundarschulgemeinde, räumte ein, dass wegen der Aufhebung der Postautokurse von Ehrikon nach Turbenthal ein Schulbus eingesetzt werde. Dabei habe man vor allem die Sicherheit der SchülerInnen im Auge. «Wir sind daran interessiert, dass die Kurse erhalten bleiben», erklärte Oelschlegel. Gemeindepräsident Georg Brunner erklärte, man verhandle diesbezüglich, aber derzeit liesse sich da im Hinblick auf die Fahrplanänderungen 2018 nicht viel machen.

Verschlechterung bei der Primarschulgemeinde

40 Stimmberechtigte horchten den Ausführungen von Monika Bosshard, Finanzvorstand der Primarschulgemeinde. Sie musste leider von einer Verschlechterung des Ergebnisses gegenüber dem Budget berichten. Die Laufende Rechnung zeigt bei einem Aufwand von 12’785’410 und einem Ertrag von 12’311’658 einen Aufwandüberschuss von gut 473’752 Franken. Die erheblichsten Abweichungen seien im Bereich der Sonderschulung angefallen. Hier sei ein überdurchschnittlicher Zuwachs von Kindern mit Sonderschulbedürfnissen zu verzeichnen. Erneut habe im Sommer zudem eine neue Kindergartenklasse eröffnet werden müssen, was zu zusätzlichen Lohnkosten geführt habe.

Die Nettoinvestitionen lagen dagegen um über 2,22 Millionen Franken unter dem Budget. Zurückzuführen ist dies in erster Linie auf Verzögerungen bei der Gesamtsanierung der Schulanlage Risi. «Wir sind aber zuversichtlich, dass der bewilligte Kredit eingehalten werden kann», gab sich Bosshard optimistisch. Und Schulpräsidentin Gabriella Pfaffenbichler schob nach: «Die Primarschule freut sich schon auf den Einzug im Herbst im altehrwürdigen Schulhaus Risi.» Die Jahresrechnung der Primarschulgemeinde fand die einhellige Zustimmung der Stimmberechtigten.

Zum Abschluss referierte Gemeindepräsident und Finanzvorstand Georg Brunner über die Rechnung der Politischen Gemeinde. Die schloss trotz eines Defizits von 56’885 Franken um über 495’000 Franken besser ab als geplant. Die grössten positiven Abweichungen waren in den Bereichen Finanzen und Steuern sowie Verkehr zu verzeichnen, dank Mehreinnahmen bei den Grundstückgewinnsteuern, dem Gewinn aus der Neubewertung des Finanzvermögens, tieferen Abschreibungen und Minderaufwendungen für den Winterdienst. Demgegenüber zeigten die Bereiche Gesundheit und Soziale Wohlfahrt schlechtere Zahlen als vorgesehen. «Dabei handelt es sich um übergeordnetes Recht und die Zahlen können von uns nicht beeinflusst werden», sagte Brunner. Dass die Nettoinvestitionen in der Investitionsrechnung mit 522’155 Franken wesentlich tiefer ausfielen als budgetiert, ist zu einem grossen Teil der Verzögerung bei der Umsetzung des Projekts Neugestaltung Mühleweg geschuldet.

Eine Neuerung gesellschaftlicher Art

Daniel Rüegg scheint die Rechnungen jeweils genau anzuschauen. Er erkundigte sich nach den Beiträgen an die Grosshalle. Speziell interessierte ihn, ob der Fussballclub die ihm gewährten Darlehen zurückzahlen könne; oder überhaupt müsse, da er doch viel «Sozialarbeit» leiste. Georg Brunner erwiderte, dass der FC effektiv zurückzahle. Jedoch unterstütze die Gemeinde in Sachen Jugendförderung einige Vereine, und der FC bekomme da eine beträchtliche Summe. Die 40 Stimmberechtigten nahmen die Jahresrechnung der Politischen Gemeinde einstimmig an.

Mit einer erfreulichen Mitteilung wartete der Gemeindepräsident am Schluss auf. Ab der nächsten Gemeindeversammlung wollen die drei Güter – analog anderen Gemeinden – im Anschluss an die Versammlung jeweils einen Apéro offerieren. «Wir möchten jene Leute zum Bleiben motivieren, die noch etwas Durst haben», meinte Georg Brunner, der hofft, dadurch die Beteiligung an den Gemeindeversammlungen zu steigern. Angesichts des doch eher mässigen Aufmarsches am Montagabend sicher verständlich.