Die Zukunft wird spannend

Sämtliche Teilnehmer an der Zukunftswerkstatt waren begeistert und empfanden diese Form der Beteiligung als bereichernd (Foto: lk)

Vierzig engagierte Personen verbrachten den Samstagvormittag diskutierend im Eichhaldesaal in Wila – sie befassten sich anhand fünf Schlüsselfragen mit der zukünftigen Ausrichtung der politischen Gemeinde Wila.

Schon vor acht Uhr morgens waren alle pünktlich zur Stelle und liessen sich erstmal in einem kurzen Rückblick über die Ergebnisse der ersten Zukunftswerkstatt vom 18. November 2017 einführen. Stolze 130 Punkte wurden damals eingebracht. Dieser Katalog wurde durch die Begleitgruppe (bestehend aus Vertretern der Alterskommission, Parteien, Gewerbe, Schulpflegen und Gemeinderat) im Januar 2018 Punkt für Punkt hervorragend durchgearbeitet und kommentiert. Aus dieser Sichtung ergaben sich Empfehlungen der Begleitgruppe an den Gemeinderat. An einer Klausur hat sich dann der Gesamtgemeinderat im Februar 2018 der Empfehlungen angenommen und hat daraus dann fünf Schlüsselfragen formuliert, über die nun an dieser zweiten Zukunftswerkstatt intensiv diskutiert wurde.

Emotionale Gespräche

Aufgeteilt in fünf Gruppen wurde anschliessend die rege Diskussion zu den brisanten Themen geführt, jeweils ein Mitglied der Begleitgruppe und je ein Gemeinderat waren als Zuhörer an den Tischen dabei. Die Gruppen waren gut durchmischt, jüngere und ältere Menschen, Frauen und Männer, Neuzuzüger und in Wila Aufgewachsene. Es entwickelten sich spannende Gespräche, klare Voten einzelner Teilnehmer wurden eingebracht und danach kam das Kunststück die Gruppenmeinung auf einem Blatt zusammenzufassen und zu präsentieren.

Quote-one

Schon die erste Schlüsselfrage war Anlass für emotionale, eifrige Gespräche: Eigenständigkeit versus Fusion. «Die politische Gemeinde soll mittelfristig (10 bis 15 Jahre) die Eigenständigkeit erhalten, unter Optimierung und Intensivierung der Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden». Dies die Haltung des Gemeinderats. In den Gruppen war schnell klar, dass dies nicht die Meinung der Bevölkerung ist: Einerseits war der Zeitrahmen 10 bis 15 Jahre für einige zu lang, als dass da die absolute Eigenständigkeit gewahrt werden kann. Andererseits sind die Chancen oder Risiken der zahlreichen Fusionsmöglichkeiten nicht abgeklärt und somit keine klare Entscheidung für die Bevölkerung gegeben. Die Optionen reichten von der Frage, ob eine Fusion mit Turbenthal oder mit Bauma sinnvoller ist über den Gesichtspunkt, welche Lösung wirtschaftlich besser ist, bis zur Frage, ob es überhaupt eine Gemeinde gibt, die fusionieren will. All diese Fragen können nicht beantwortet werden und somit ist die Eigenständigkeit nicht abschliessend die beste Lösung.

Wie weit soll Zusammenarbeit gehen?

Die zweite Schlüsselfrage lautete: Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. «Massnahmenplan für eine erweiterte Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden erarbeiten und umsetzen, Bildung von Kompetenzzentren prüfen und realisieren» war die Stellungnahme des Gemeinderates. Spezialisierte Ämter in der einen oder anderen Tösstaler Gemeinde anzubieten, würde den Arbeitsplatz attraktiver machen und erhalten, wie beispielsweise das Betreibungsamt für Wila, Wildberg und Bauma in Wila stationiert ist und die Fachstelle für Ergänzungsleistungen dafür auf der Gemeindeverwaltung Bauma. Im Grundsatz waren die Anwesenden hier zustimmend. Es wurde auch davor gewarnt, sich dabei jedoch nicht zu verzetteln in den verschiedenen Zweckverbänden und dazu aufgerufen, sinnvolle Synergien oder Kompetenzzentren zu fördern, eine mögliche Fusion im Auge zu behalten und immer wieder den Puls der Bevölkerung zu fühlen.

Quote-two

Wie soll sich Wila baulich entwickeln: Dies war die dritte Frage. Hier gab der Bauvorstand Fredi Waldvogel einen Überblick über die einschränkenden Reglementarien der kantonalen, regionalen und kommunalen Bau- und Zonenordnungen. Das zur Verfügung stehende Bauland ergibt für die nächsten rund 30 Jahre ein Wachstum auf rund 2500 EinwohnerInnen, also eine Zunahme um rund 600 Personen nach heutigem Stand. Nach Möglichkeit soll das Wachstum moderat gesteuert werden, sodass keine grösseren Investitionen in die Infrastruktur, vornehmlich Schulanlagen, nötig werden. Aus den Gruppen kam die Rückmeldung, dass dies grundsätzlich begrüsst wird, das massvolle Wachstum soll durch gezielte Strategie- und Marketingmassnahmen kontrolliert werden. Die gemeindeeigenen Liegenschaften oder Räumlichkeiten sollen besser genutzt werden können, z.B. indem Vereinslokale angeboten werden.

Vereine und Gruppen fördern

Zusammenleben in Wila – so die nächste Schlüsselfrage – die Lebensader einer jeden Gemeinde ist die Freiwilligenarbeit, die Ehrenamtlichkeit der Vereine und Gruppierungen, Eigeninitiativen sollen gezielt unterstützt werden. Hier wünschen sich die Teilnehmenden ein bisschen mehr Unterstützung seitens der Gemeinde. Diese soll eher mal einen finanziellen Zustupf oder Anstoss geben, die Infrastruktur der öffentlichen Räumlichkeiten optimieren (z.B. Einbau einer Küche im Eichhaldesaal), sich aber auch fragen, wie man die Bevölkerung motiviert, mehr mitzumachen (z.B. ist der Kulturverein Wila kurz vor der Auflösung mangels Vorstandsmitgliedern).

Die fünfte Schlüsselfrage war: Was für Herausforderungen bestehen im Bereich Jugend, Familie, Alter und Gesundheit und wie sollen diese gelöst werden? Dass die politische Gemeinde Wila hinter dem Projekt «WilaCare 2020» steht, ist bei allen Gruppen sehr gut angekommen. Wünschenswert sind Treffpunkte (Räume) sowie regelmässige Treffen zu einem bestimmten Thema für Interessierte und Fachleute, ob zum Thema Gesundheit, Jugend oder Alter.

Wie lässt sich die Attraktivität Wilas steigern?

Unter der aufmerksamen Moderation des Unternehmensberaters Hans Heinrich Raths wurden die Ergebnisse aus den Gruppengesprächen zusammengetragen und daraus umgehend die nun zu erledigenden Aufgaben an den Gemeinderat formuliert. In der abschliessenden Fragerunde wurde beispielsweise die Attraktivität Wilas fürs Gewerbe angesprochen, was da aktuell getan wird und was noch getan werden könnte, damit sich neue Firmen in der Gemeinde ansiedeln würden.

In einem kleinen Überblick stellten die anwesenden Gemeinderäte ihre aktuellen Projekte vor: Breitbanderschliessung der Aussenwachten, die Vertiefung der möglichen Synergien und Einsparungen für einen gesunden Finanzhaushalt, mögliche Begegnungsorte prüfen, das gute Angebot des öffentlichen Verkehrs soll mit einem Minimalangebot auch die Aussenwachten berücksichtigen oder das Grossprojekt «Abwasserfreie Töss», das Gemeindeübergreifend das ganze Tösstal betrifft und im Februar 2019 zur Urnenabstimmung kommt.

Der Gemeinderat zeigte sich sehr beeindruckt vom Fachwissen der Teilnehmenden, dem Engagement für die Gemeinde und den wohlüberlegten Voten zu den einzelnen Themen. Gerne soll auch in Zukunft der Dialog mit der Bevölkerung aufrechterhalten werden, denkbar sind «Runde Tische» zu spezifischen Anliegen oder eine Plattform auf der neuen Gemeinde-Homepage.

Im April 2018 wird die Begleitgruppe diesen zweiten Zukunftstag auswerten, die Argumente der Gruppen analysieren und dem Gemeinderat die entsprechenden Empfehlungen übergeben. Nach den Wahlen wird der Gemeinderat im August /  September die Ziele, Massnahmen und Prioritäten aus diesen Empfehlungen zur kommenden Legislaturperiode 2018 – 2022 zuordnen, definieren und im Rahmen der Gemeindeversammlung vom 5. Dezember 2018 der Bevölkerung präsentieren.

Quote-three

Sämtliche Teilnehmenden waren begeistert bei der Sache, hatten den Samstagvormittag als bereichernd, motivierend und sehr konstruktiv empfunden. Die aktive Mitwirkung an der zukünftigen Ausrichtung der Gemeinde ist diesen Menschen ein Anliegen, einige waren schon am ersten Zukunftstag dabei gewesen, einige hatten vom ersten Anlass gehört und wollten nun beim zweiten aktiv dabei sein.