«Die Wege für Schulkinder sind weniger gefährlich»

Markus Allenspach, Projektleiter beim Tiefbauamt (Foto: zVg)

In Kollbrunn soll es in der neuen Tempo-30-Zone keine Zebrastreifen mehr geben. «Der Tößthaler» hat Markus Allenspach einige Fragen dazu gestellt. Er ist Projektleiter im kantonalen Tiefbauamt und für das Gestaltungs- und Betriebskonzept zuständig.

In der neuen Tempo-30-Zone in Kollbrunn soll es keine Zebrastreifen mehr geben. Eltern wehren sich dagegen und haben über 250 Unterschriften gesammelt. Sie wollen an entsprechenden Stellen die Zebrastreifen zurück haben. Jedoch sind solche in Tempo-30-Zonen in Ausnahmefällen nur vor Schulen und Altersheimen vorgesehen. «Der Tößthaler» hat Markus Allenspach unter anderem dazu einige Fragen gestellt. Er ist Projektleiter im kantonalen Tiefbauamt und für das Gestaltungs- und Betriebskonzept zuständig.

Herr Allenspach, in Tempo-30-Zonen sind Zebrastreifen grundsätzlich nicht vorgesehen, ausnahmsweise vor Schulhäusern aber erlaubt. Gibt es irgendeine Möglichkeit oder eine Speziallösung, dass es dereinst auch an der Kreuzung beim Restaurant Frohsinn noch Fussgängerstreifen geben könnte?

Markus Allenspach: Grundsätzlich nein. Offen ist einzig die Option eines Fussgängerstreifens im Bereich der Schule.

Wie wurde die Bevölkerung beim ganzen Projekt miteinbezogen?

Die Bevölkerung wurde bei diesem Projekt ausführlich informiert und im Rahmen des Strassengesetzes war sie jederzeit einbezogen. Im März 2013 und im November 2015 fand je eine Informationsveranstaltung über das Projekt statt. Danach wurde das Vorprojekt der Bevölkerung vom 21. Januar bis 22. Februar 2016 gemäss Strassengesetz zur Mitwirkung unterbreitet. Innerhalb der Auflagefrist sind keine Einwendungen und Begehren eingegangen.

Am 14. März 2016 hat die Gemeindeversammlung Zell dem Projekt zugestimmt. Die öffentliche Auflage des Bauprojekts und des Landerwerbsplans gemäss Strassengesetz erfolgte vom 21. Oktober bis 21. November 2016. Innerhalb der Auflagefrist sind zwei Einsprachen eingegangen. Sie enthielten projektbezogene und teilweise enteignungsrechtliche Begehren. Mit einer Partei konnte im Rahmen der Einigungsverhandlungen eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Die zweite Einsprache wurde mit der Projektfestsetzung im April 2017 vom Regierungsrat abgewiesen. Gegen diesen Beschluss ging beim Verwaltungsgericht keine Beschwerde ein.

In Tempo-30-Zonen können die Strassen überall überquert werden. Die Eltern sorgen sich vor allem um die Sicherheit ihrer Kinder. Mit Zebrastreifen seien die Regeln klar und die Kinder wüssten, wo sie die Strassen überqueren müssen, ohne leider nicht. Was antworten Sie?

Auch ohne Fussgängerstreifen gibt es nach der Neugestaltung der Stras-se bei der Verengung beim Schulhaus eine Stelle, die sich erkennbar als Übergang eignet. Die Schülerinnen und Schüler werden zudem diesbezüglich geschult, wie sie mit der neuen Tempo-30-Situation umzugehen haben. Fakt ist: Tempo 30 in Verbindung mit den geplanten baulichen Massnahmen erhöht die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden. Die tiefere Geschwindigkeit führt zu ruhigerem Fahrverhalten, reduziert Abgas- und Lärmemissionen und vermindert den Durchgangsverkehr. Die Anzahl und Schwere von Unfällen nimmt ab, die Wege für Schulkinder sind weniger gefährlich und die langsameren Verkehrsteilnehmenden fühlen sich sicherer. Trotzdem verlieren die Fahrzeuglenkenden kaum Zeit.

Trotz Tempo-30-Zone ist in den Hauptverkehrszeiten auf der Dorfstrasse mit viel Verkehr zu rechnen. Hat demnach der «schwache» Fussgänger, zum Beispiel ein Kind oder eine ältere Person, mit sehr langen Wartezeiten zu rechnen? Ohne Zebrastreifen hat der Fussgänger ja nirgends mehr Vortritt.

Es stellt sich die Frage, was man unter «viel Verkehr» und «langer Wartezeit» versteht. Nehmen Sie als Beispiel die Löwenstrasse in Zürich. Dort hat es sehr viel Verkehr, es gilt Tempo 30 und es gibt keine Fussgängerstreifen. Trotzdem können Sie immer ohne lange Wartezeiten die Strasse überqueren.

Die Kreuzung der Tösstal- und Weisslingerstrasse soll mit einem Kreisel sicherer gemacht werden. Ausserdem wird mit einem Kreisel der Verkehr flüssiger. Könnte es nicht sein, dass durch diese Verflüssigung der Verkehr noch zunimmt?

Im Kanton Zürich verkehren jedes Jahr 10’000 Fahrzeuge mehr auf den Strassen. Auf der Tösstalstrasse hat der Verkehr in den letzten zehn Jahren auch ohne Kreisel um 1000 Fahrzeuge pro Tag zugenommen. Der Verkehr wird also nicht wegen des Kreisels zunehmen, sondern schlicht und einfach, weil die Bevölkerung wächst und die Anzahl Fahrzeuge stetig steigt.

Führt der Bau des Kreisels nicht zu noch grösseren Verkehrsproblemen im Dorf? Wenn zum Beispiel die Bahnschranke beim Bahnübergang geschlossen ist, stauen sich die Autos doch dank des schnelleren Passierens der Kreuzung wegen des Kreisels noch mehr zurück? Das Chaos ist vorprogrammiert. Die höhere Frequenz der Züge ab Ende 2018 auf der Tösstallinie verschärft diese Situation zusätzlich.

Nein. Die Leistungsüberprüfung zeigt, dass der Kreisel genügend leistungsfähig ist. Er vermag Mehrverkehr von bis zu 20 Prozent zu bewältigen. Es ist richtig, dass mit dem geplanten Angebotsausbau im Jahr 2018 der Bahnhof Kollbrunn nicht nur von der S26, sondern auch neu mit der S11 bedient wird. Die heutigen Schliesszeiten der Bahnschranke von 4,5 Minuten werden sich durch die Anpassung aber halbieren, sprich die künftige Gesamtwartezeit reduziert sich von 18 Minuten pro Stunde auf 13,5 Minuten.

Wie lange dauern die Bauarbeiten noch?

Die Hauptbauarbeiten an der Dorf-/Bolsternstrasse werden bis Ende Oktober 2017 abgeschlossen sein. Im Anschluss daran erfolgen die Fertigstellungsarbeiten. Der Beginn des Kreiselbaus ist auf Ende März/Anfang April 2018 geplant. Die Arbeiten dauern je nach Wetter bis circa Ende Oktober 2018.

Rolf Hug
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