Die Steuereinnahmen pro Einwohner stagnieren

Gemeindepräsident Georg Brunner strebt mittelfristig ein ausgeglichenes Budget an (Foto: md)

Im Budget 2018 veranschlagt die Gemeinde Turbenthal einen Aufwandüberschuss von 3,7 Millionen Franken. Der «Tößthaler» hat sich bei Gemeindepräsident und Finanzvorstand Georg Brunner nach den Ursachen erkundigt.

Anfang Oktober gab der Gemeinderat Turbenthal bekannt, dass im Budget 2018 ein Aufwandüberschuss von 3,7 Millionen Franken vorgesehen ist. Um diesen zu decken, ist neben den 47 Prozent der Steuereinnahmen auch eine Entnahme aus dem Eigenkapital geplant.

In der Mitteilung des Gemeinderats Turbenthal heisst es, dass die Steuerkraft trotz Bevölkerungswachstum auf «konstant tiefem Niveau stagniert». Woran liegt dies?

Aufgrund des Bevölkerungswachstums hatten wir einen etwas höheren Steuerertrag erwartet. Vielleicht waren wir aber zu optimistisch. Unser Steuerertrag ist zwar in absoluten Zahlen gewachsen, doch der Steuerertrag pro Einwohner bleibt gering. Turbenthal ist hinsichtlich des Steuerertrags pro Einwohner die drittschwächste Gemeinde des Kantons. Wir haben festgestellt, dass vor allem Familien zugezogen sind, die über ein einziges Haupteinkommen verfügen. Wir sind also ein attraktiver Wohnort mit einer guten Infrastruktur. Dies wirkt sich aber aus, beispielsweise auf die Schülerzahlen, welche steigen. Ausserdem nehmen in Turbenthal, wie in den meisten anderen Gemeinden, auch die Sozialausgaben zu. Diese beiden Entwicklungen können wir nicht beeinflussen.

Für 2018 ist ein Aufwandüberschuss von rund 3,7 Millionen Franken veranschlagt. Dieser soll mit 3,4 Millionen Franken oder 47 Steuerprozenten gedeckt werden. Wie wird dies festgelegt und berechnet?

Unser gesamter Steuerertrag erreicht 7,2 Millionen Franken. Davon erhalten die Schulen 75 und die politische Gemeinde entsprechend 47 Prozent. Der Gesamtsteuersatz der Gemeinde wird auf unverändert 122 Prozent beantragt, also Schulen und politische Gemeinde.

Damit die Rechnung 2018 ausgeglichen ist, müssen rund 364’000 Franken aus dem Eigenkapital entnommen werden. Ist das nicht schmerzhaft?

In den vergangenen Jahren haben wir Beträge aus dem Eigenkapital der politischen Gemeinde bezogen: 2015 waren es 770’000 und 2016 56’900 Franken. Auch die Schulen werden einen Beitrag aus ihrem Eigenkapital beisteuern. In der Finanzkommission koordinieren Primar- und Sekundarschule zusammen mit der politischen Gemeinde die Investitionsausgaben und den jeweiligen Steuerfuss. Auch die Rechnungsprüfungskommission ist in dieser vertreten. Für das Jahr 2018 möchten wir den Steuerfuss auf dem bisherigen Niveau von 122 Prozent belassen. Die Abschreibungen bei den Schulen und der politischen Gemeinde sollten abnehmen. Neue Projekte müssen im Rahmen der knappen finanziellen Möglichkeit geplant werden. Mittelfristig ist ein ausgeglichener Haushalt vorgesehen.

Die Einführung des neuen kantonalen Rechnungsmodells HRM2 bewirkt einen Anstieg des Personalaufwandes: Ist dies ein einmaliger Anstieg?

Wir werden die gesamte Buchhaltung, auch die der Schulen und Zweckverbände, auf das neue Rechnungsmodell umstellen. Dies wird einige hundert Stunden Arbeitsaufwand bewirkt, was sich jetzt in einem höheren, aber einmaligen Personalaufwand niederschlägt.

In welchen Bereichen ist der Personalaufwand sonst noch gestiegen und warum?

In der Sozialverwaltung verzeichnen wir aufgrund steigender Fallzahlen einen etwas höheren Personalaufwand.