«Die Silbermedaille bedeutet mir sehr viel»

Florian Nock mit seiner Silbermedaille (Bild: rl)

Der 21-jährige Florian Nock aus Turbenthal holte an den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi die Silbermedaille bei den Zimmerleuten. «Der Tößthaler» interviewte ihn nach seinem Erfolg.

Vom 15. bis 18. Oktober fanden in Abu Dhabi die Berufsweltmeisterschaften statt, auch «WorldSkills» genannt. Insgesamt kämpften 1300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 51 Berufen um die Medaillen, darunter auch 38 Schweizerinnen und Schweizer, die in 36 verschiedenen Berufskategorien antraten. Mit elf Gold-, sechs Silber- und drei Bronzemedaillen erreichte die Schweiz in der Nationenwertung den zweiten Rang. Noch nie waren die helvetischen Berufsleute so erfolgreich. Unter die Medaillengewinner geschafft hat es auch der Turbenthaler Zimmermann Florian Nock. Der Silbermedaillengewinner ist seit dem letzten Wochenende wieder zurück im Tösstal und erholt sich zurzeit noch ein wenig von den intensiven letzten Tagen und Wochen.

Was bedeutet Ihnen die Silbermedaille, die Sie in Abu Dhabi gewonnen haben? 

Florian Nock: Die Silbermedaille bedeutet mir sehr viel. Sie ist eine riesige Entschädigung für die Trainingsstunden und die Energie, die ich für die Berufsweltmeisterschaften aufgewendet habe. Andererseits sind mir auch die Erfahrungen extrem viel Wert, die ich gemacht habe.

Wie sehen diese Erfahrungen konkret aus?

Damit meine ich rückblickend nicht bloss den Wettkampf selber, sondern die ganze Vorbereitungszeit, seit ich im März/April begonnen habe, mich auf die Berufsmeisterschaften vorzubereiten. Was den Aufwand betrifft, ist dieser durchaus mit demjenigen von Spitzensportlern zu vergleichen. Als vollständiges Schweizer Team, mit den Kandidatlnnen aus allen Berufsgattungen, trafen wir uns vor dem Wettkampf insgesamt viermal, jeweils an einem Wochenende, wo wir uns gemeinsam vorbereiteten. Dabei entstand eine ausgezeichnete Gruppendynamik. Die Stimmung im Team war ausgezeichnet. Wir haben uns wirklich gegenseitig unterstützt und einen Haufen schöne Momente miteinander erlebt.

Wie viele Stunden haben Sie in die Vorbereitung investiert? 

Seit April habe ich jeweils wechselweise eine Woche regulär gearbeitet und eine Woche trainiert. Die Trainingswochen begannen stets morgens um sieben und endeten abends um sieben, dazwischen gab es noch rund eineinhalb Stunden Mittagspause. Während der Arbeitswoche habe ich abends nach der Arbeit auch noch trainiert. Dazu kam noch die ganze Werkzeugpflege, die Holzvorbereitung. All das benötigte sehr viel Zeit. Im März und April musste ich die ganze Infrastruktur installieren, um effizient trainieren und mich vorbereiten zu können.

Wie muss ich mir – als Laie – den Wettbewerb vorstellen? Was für Aufgaben mussten Sie meistern, um die Silbermedaille zu gewinnen?

Insgesamt waren es 22 Arbeitsstunden, verteilt auf vier Tage. Wir waren in einem riesigen Messegelände, die als Wettkampfs-Fläche genutzt wurde. Jeder Berufsgattung wurde ihr eigener Sektor zugeteilt. Man kann sich meine Aufgabe wie ein Teil eines Pavillons mit einem komplizierten Dach vorstellen. Das fertige Konstrukt hatte dann eine Grundfläche von rund 1,5 Quadratmetern und war knapp drei Meter hoch. Das Ganze war in vier Module unterteilt, die immer aufeinander aufgebaut waren. Zuerst musste ich immer alles aufzeichnen auf einer Platte am Boden, sodass ich danach die wahren Längen und Schnittwinkel ermitteln konnte. Diese Masse und Schnittwinkel musste ich dann auf die Holzstücke übertragen. Diese schnitt ich zurecht und zuletzt setzte ich alles zusammen. Das Zeichnen der Pläne und das Anzeichnen des Holzes benötigte insgesamt zehn Stunden, für das Bearbeiten und das Aufstellen wendete ich die restlichen zwölf Stunden auf.

Wussten Sie im Voraus schon, was Sie erwartet? 

Wir haben einen Vorschlag erhalten, quasi einen Anhaltspunkt, der aufzeigte, was uns erwarten würde. Dieser wurde jedoch stark abgeändert. Wir wussten also nicht, was uns genau erwarten würde.

Wann werden Sie bei der Flück Holzbau AG, wo Sie angestellt sind, wieder mit der Arbeit beginnen?

Nächste Woche. Bis dann muss ich alles noch ein wenig verarbeiten. Ebenfalls ist jetzt wichtig, all denen zu danken, die mich unterstützt haben in den letzten Monaten.

Wird sich beruflich jetzt etwas für Sie ändern im Arbeitsalltag? 

Klar, jetzt habe ich die Silbermedaille gewonnen, das ist schön. Andererseits habe ich im Zuge der letzten Monate und der Vorbereitungszeit eine stetige Entwicklung durchlaufen, die mich gelehrt hat, anders zu arbeiten und aufzutreten.

Was heisst das? Sie treten heute anders auf? 

Ich trete heute selbstbewusster auf, mit Stress und Druck habe ich gelernt umzugehen. Auch die Arbeitseffizienz konnte ich steigern, sodass ich das Maximum aus mir herausholen kann, wenn es nötig ist. Das ist im Wettkampf entscheidend.

Weshalb sind Sie Zimmermann? 

Weil ich gerne handwerklich arbeite und ich abends immer sehe, was ich gemacht, respektive geleistet habe. Dazu kommt, dass der Beruf sehr vielseitig ist. Jede Baustelle ist anders, das gefällt mir. Des Weiteren arbeite ich sehr gerne mit Holz, einem wunderbaren Rohstoff.

Wie sehen Ihre Zukunftsperspektiven aus? 

Ich möchte Holzbau-Techniker werden. Dafür werde ich in den nächsten zwei, drei Jahren mit der Fachhochschule beginnen.

Was macht der Florian Nock in seiner Freizeit?

Sport generell, insbesondere Turnen, ich bin im Turnverein Bauma.

Wie würden Sie sich selbst als Person bezeichnen? 

Als ehrgeizig und engagiert.

Warum erhält eine Berufs-WM viel weniger Aufmerksamkeit als eine Fussball WM? 

Schwierig zu sagen. Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass die Wettkämpfe bei den Berufsweltmeisterschaften nicht so attraktiv gestaltet sind, wie ein Fussball WM. Ich habe jedoch das Gefühl, dass das öffentliche Interesse zunimmt, da viele Leute einen Bezug dazu haben und es immer mehr gefördert wird, so zum Beispiel durch die SwissSkills in Bern.