Die Schulpflege kränkelt

Drei Rücktritte innert weniger Monate werfen Fragen auf. Die drei noch verbliebenen Mitglieder der Primarschulpflege Schlatt stellten sich diesen an einem gut besuchten Informationsabend. Ob es gelungen ist, neue Mitglieder zu finden, bleibt fraglich.

Schulpräsident Domenic Hartmann (Foto: abs)
Schulpräsident Domenic
Hartmann (Foto: abs)

Der Informationsabend im Schulhaus begann mit einem Referat von Regina Meister von der Pädagogischen Hochschule Zürich. Sie beleuchtete die Situation einer Schulpflege im Spannungsfeld zwischen strategischen und operativen Aufgaben. Bei einem Eisberg sei nur ein Zehntel sichtbar, der grösste Teil befinde sich unsichtbar unter Wasser. Ähnlich verhalte es sich bei der Schulpflege: Da gebe es viel Unsichtbares wie Gruppennormen, persönliche Beziehungen, Glaubenssätze und Gefühle. «Möglichst viel davon sollte transparent werden», erklärte die Referentin.

Die Schulbehörde leitet und beaufsichtigt die Schule. Sie ist das oberste Führungsorgan der geleiteten Schule. Die Schulleitung ist verantwortlich für die administrative, personelle und finanzielle Führung, also die operativen Aufgaben. In der Privatwirtschaft wäre sie die Geschäftsführung, die Schulpflege der Verwaltungsrat. Das Referat von Regina Meister wurde öfters durch Fragen aus dem Publikum unterbrochen. «Die Behörde braucht Verständnis, um sich im strategischen Bereich zu bewegen», so das Fazit der Referentin.

Auf Verständnis hoffte an diesem Abend sicher Domenic Hartmann als Präsident der Primarschulpflege. Er zeigte sich erfreut über das grosse Interesse, sah sich im Laufe des Abends aber mit teilweise happigen Vorwürfen konfrontiert. Als eines der Ziele des Abends nannte er die Ersatzwahlen in die Schulpflege. Er wolle aufzeigen, was dieses Amt beinhalte.

Kurze Rückblende: Im März 2014 kandidierten sechs Personen für die fünfköpfige Primarschulpflege. Alle erreichten das absolute Mehr, eine Kandidatin schied als überzählig aus. Simon Hausammann wurde zum Präsidenten gewählt. Im März dieses Jahres trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück. Domenic Hartmann übernahm im Juli das Präsidium. Doch nur einen Monat später reichte die ebenfalls im März 2014 gewählte Bianca Ganz den Rücktritt aus der Schulpflege ein. Auch sie machte gesundheitliche Gründe geltend. Aktuell besteht die Behörde aus Domenic Hartmann, Bruno Zürcher und Barbara Tonoli. Erschwerend kommt dazu, dass Schulleiterin Petra Haas krankgeschrieben ist und zudem gekündigt hat.

Die Suche nach einer Nachfolge für Bianca Ganz laufe bereits, erklärte Hartmann. Einen Ersatz für Simon Hausammann möchte man im Oktober suchen. Roswitha Hänni und Verena Fässler befassen sich interimistisch mit der Schulleitung. In der Person von Corinne Süssli aus dem Kanton Aargau konnte für die Überbrückung von den Herbstferien bis Sommer 2016 ein Ersatz gefunden werden. Anfangs 2016 möchte die Schulpflege das Auswahlverfahren für die Schulleitung angehen.

Domenic Hartmann teilte den vielen Anwesenden, unter ihnen auch etliche LehrerInnen, mit, dass die Legislaturziele aufgrund der personellen Situation bis Herbst 2016 zurückgestellt würden. Damit leitete er über zur Fragerunde, mit dem Hinweis, Fragen könnten auch telefonisch oder per Mail gestellt werden: «Aber ich bin an das Amtsgeheimnis gebunden.»

Alarmzeichen beachten

«Man fängt doch mit den Legislaturzielen an», tönte es aus dem Publikum: «Was habt Ihr denn bis jetzt gemacht? Was läuft da ab? Hängt das mit Ihnen zusammen?» Hartmann rechtfertigte sich: «Wir kamen nicht dazu, es gab sonst noch viel zu tun. Zudem sollte die Schulleitung bei der Planung mitreden.» Ein weiterer Votant sprach die Kündigung der vorherigen Schulleiterin Esther Kihm an, worauf eine Besucherin wissen wollte, ob es mit Petra Haas ähnlich gelaufen sei. Diese Frage dürfe er nicht beantworten, sagte Hartmann.

Zwei Frauen meinten, sie fänden die Stimmung zwischen Behörden und Lehrpersonal schlecht, sie hätten Angst um die noch aktiven Lehrkräfte. Bruno Zürcher warf ein: «Wir gaben eine Plattform für Ersatzwahlen, doch diese Möglichkeit wurde nicht wahrgenommen. Offenbar besteht kein Interesse an der Klärung der Situation.» Die Lehrpersonen sollten abgeschottet werden, damit sie sich in Ruhe entwickeln könnten.

Ein Mann forderte, die Verantwortlichen müssten darauf achten, dass sie zusammenarbeiten können. Es könne doch nicht sein, dass innerhalb so kurzer Zeit so viele Leute krankgeschrieben würden. Ein anderer schob nach: «Es ist wichtig, dass die Sache aufgearbeitet wird.» Der Schulpräsident äusserte sich, es sei ihm ein Anliegen, dass die Kommunikation stimme. Er werde künftig am Konvent teilnehmen.

Die gesundheitsbedingten Rücktritte wurden im Laufe der engagierten Diskussion mehrmals angesprochen. So forderte jemand, die Behörde müsste in einer Selbstreflexion eruieren, weshalb innert kurzer Zeit drei Personen «sogenannt» krank wurden: «Sonst habt Ihr keine Basis, Leute zu finden.» Ein weiterer Teilnehmer bat: «Bleibt nicht oberflächlich. Die Fluktuation ist offenbar gesundheitlich bedingt. Wenn ich kandidierte, hätte ich Angst, krank zu werden.» Eine Frau wollte wissen: «Welche Ideen hat die Behörde? Das muss man doch wissen, wenn man kandidieren will.» Man müsse anschauen, was man ändern soll, erwiderte Hartmann.

«Deine Antworten haben kein Fleisch am Knochen», warf ein Votant dem Schulpräsidenten vor: «Warum sind so viele Leute gegangen?» Simon Hausammann und Bianca Ganz hätten aus gesundheitlichen Gründen demissioniert. Petra Haas sei krankgeschrieben, aber er habe noch nicht persönlich mit ihr sprechen können, räumte Hartmann ein. Mutmassen wolle er nicht. «Das sind Alarmzeichen! Wir wollen eine gute Schule», forderte eine Mann mit Nachdruck. Man rede von gesundheitlichen Gründen, aber es sei etwas anderes.

Schwindendes Vertrauen

Eine Votantin befürchtete, dass aufgrund des heute Gehörten kaum viele Bewerbungen zu erwarten seien. Sie wollte wissen, wie es ohne Kandidaten weitergehe. «Zu dritt haben wir noch mehr Arbeit», war Hartmanns knappe Antwort. «Die Situation ist desolat und macht Angst. Wer ist die nächste Instanz?» Das sei der Bezirksrat, und mit dem sei er in Kontakt, so der Schulpräsident.

Die Forderung nach einem externen Coaching (oder einer Mediation) wurde mehrmals geäussert. Hartmann versprach, dieses Thema aufzunehmen, Vorrang habe aber die Suche nach einer neuen Schulleitung. Befürchtet wurde etwa, dass es aufgrund der Situation zu Kündigungen seitens der Lehrpersonen kommen könnte. Eine Lehrerin versuchte zu beschwichtigen: «Wir laufen sicher nicht während des Schuljahrs davon.»

Mehrmals wurde das Vertrauen in die Behörde angesprochen: «Es geht um Vertrauensbildung.» «Wenn wir jetzt nichts hören, ist das Vertrauen futsch.» «Ihr müsst etwas ändern, sonst kommt niemand.» «Ich kann nicht akzeptieren, was heute abgeht. Ich habe nichts gegen diese Leute, aber ich habe kein Vertrauen.» Bruno Zürcher unterstützte seinen Präsidenten mit der Aussage: «Wir dürfen nichts sagen.» Ziemlich energisch rief ein Besucher: «Ich bin mit der Erwartung gekommen, dass jemand sagt, es gebe ein Problem, man hole Hilfe. Ich merke aber nichts von Entgegenkommen.» Es sei an der Zeit, etwas zu unternehmen, und zwar sofort.

Zürcher gestand: «Wir sind uns bewusst, dass wir ein Coaching brauchen. Ein erster Schritt ist, dass die interimistische Schulleiterin dabei auch mitwirkt. Sie schaut ganz genau hin. Aber der Zeithorizont ist eng.» Hartmann bekräftigte: «Coaching haben wir heute mehrfach gehört. Wir packen das an.»

Schlussfazit eines Teilnehmers: «Was wir heute hören, bringt uns keinen Schritt vorwärts. Wichtig wäre jetzt, Werbung zu machen.» Diese Vorgabe wurde nicht aufgenommen, nach rund zwei Stunden schloss Domenic Hartmann die Veranstaltung. Gut möglich, dass die Schulpflege Schlatt auch nach dem 18. Oktober als Triumvirat weiter arbeiten muss.