Die Raucherbeiz wird geschätzt und ist vielen eine Heimat

Martha Aeschlimann und Ernst Baumgartner (Bangj) unter dem gut sichtbaren Raucherbeiz-Schild. (Foto: Renate Gutknecht)

Seit 25 Jahren wirten Martha Aeschlimann und Ernst Baumgartner (Bangj) im Turbenthaler «Sternen». Vieles hat sich in den Jahren verändert. So kam etwa das Rauchverbot in den Gastwirtschaften, das zur gut sichtbar gekennzeichneten Raucherbeiz geführt hat.

Unauffällig haben die Wirtsleute des Restaurants Sternen in Turbenthal anfangs Juli mit ihren Stammgästen das 25-Jahre-Jubiläum begangen. Es ist nicht so das Ding von Martha Aeschlimann, viel Federlesens um die eigene Person zu machen. Würden nicht die beiden Ortsmuseen Turbenthal und Wila für die nächste Wanderausstellung über Gasthäuser recherchieren, die Information wäre wohl nicht bis zum «Tößthaler» gelangt. Eine derartig lange Geschäftspräsenz ist nicht mehr selbstverständlich und so darf das Porträt über den «Sternen» durchaus als kleine Auszeichnung verstanden werden.

Einfaches Konzept, das mitgetragen wird

Seit 25 Jahren öffnet die Wirtschaft Sternen um 8.30 Uhr. Bald darauf treffen die Handwerker aus dem Dorf und der Umgebung ein, die seit jeher auf das gleiche Znüniangebot vertrauen. Dieses ist beliebt! Bestellt wird entweder «das teurere» oder «das billigere»; gemeint sind damit Schweinswürstli mit Brot und einem Getränk dazu (Franken 8.50) oder Wienerli mit Brot und einem Getränk (Franken 7.50). Die Treue der Gäste wird mit einer Knipskarte belohnt. Das heisst, nach zehn Mal Würstli essen, gibts ein Znüni gratis. Martha Aeschlimann schmunzelt und sagt: «Ich loche diese Karten ab und komme mir dabei vor wie ein Zugs-Kondukteur». Über Mittag gibt’s ein einfaches Menu zum Preis von 16.50 Franken.

30 Jahre Gemeinsamkeit führte zu 25 Jahren «Sternen»

Die im Kanton Luzern aufgewachsene Martha Aeschlimann kam nach der Charcuterie-Lehre direkt nach Winterthur. Das war am 1. August 1968, sie ist also exakt 50 Jahre im Bezirk Winterthur wohnhaft. Nachdem sie erst an zwei Orten in der Stadt servierte, ging sie zusammen mit ihrem Ehemann nach Töss und servierte im Restaurant Pöstli. Im Verlaufe der Zeit absolvierte sie die Wirtefachschule und wirkte zehn Jahre am gleichen Ort als Wirtin. Durch den Turbenthaler Getränkelieferant Hans Schuhmacher wurde sie auf den «Sternen» aufmerksam. Zusammen mit Ernst Baumgartner, dem Lebenspartner nach der Scheidung, entschloss sie sich zum Umzug nach Turbenthal.

Bangj, wie er allgemein genannt wird, war Stammgast im Pöstli. Sie können auf 30 gemeinsame Jahre zurückblicken, wie sie während des Interviews registriert! Als gelernter Maler wagte er den Schritt in die Küche. Der «Sternen» gehörte damals noch Raffaela und Karl Schönholzer. Im August 1999 wurde ziemlich überraschend für die Wirtsleute das Haus an das Winterthurer Bauunternehmen «Leemann und Bretscher» verkauft. Die Wirtin hält fest: «Mit dem Eigentümer Robert Hofer haben wir ein sehr gutes Einvernehmen». Nachdem das Rauchverbot zur Einführung gelangte, ermöglichte der Hausbesitzer mit einer Glaswand ein grosszügiges Fumoir im Innenbereich.

Auswirkungen der Promillegrenze sind prägnant

Ansonsten hat sich das Interieur in der Wirtschaft (40 Plätze) kaum geändert. Als am 1. Mai 2010 das Rauchverbot in öffentlichen und geschlossenen Räumen in Kraft trat, ergab sich der oben erwähnte Wechsel zur Raucherbeiz. Noch prägnanter aber sind die Auswirkungen der Promillegrenze; obgleich sie vernünftig ist zur Reduktion von Unfällen auf der Strasse – sie hat das Wirtshausleben stark verändert. Kaum jemand kann es sich heutzutage noch erlauben über die Stränge zu hauen. So gibt es das Feierabendbier eher zu Hause, die Wirtschaften bleiben leer. Zudem «verhocken» Vereinsleute nicht mehr lange nach Proben, so sie sich überhaupt noch einfinden.

Nie war es nötig, die Polizei zu rufen

Martha Aeschlimann erinnert sich an lustige Fasnachten, als noch dekoriert und eine Bar geführt wurde. Da ging es mit den Guggenmusiken hoch zu und her. Oder an die vom Fussballklub initiierten Polterabende! «Es war eine lustige Zeit mit vielen Stammgästen. Das Schöne überwiegt bei weitem», freut sich die Wirtin. Nie war es nötig die Polizei zu rufen. Und man glaubt es Martha Aeschlimann, wenn sie sagt: «Wir haben sensationelle Gäste». Aus diesem Grund wird sie wirten, so lange es geht, auch wenn der 70. Geburtstag nicht mehr viele Jahre auf sich warten lässt. In diesem Lokal mit dem einfachen Konzept scheint irgendwie das Wort «Heimatgefühl» zu schweben, möge es noch lange inmitten des Tabakrauches verharren.