«Die Menschen hier sind sehr geradlinig. Das mag ich»

Das Wildberger Wappentier, der Widder, ist gleichzeitig sein Sternzeichen: Peter Ringer geht als Gemeindeschreiber von Wildberg in Pension (Foto: hug)

Fünf Jahre war Peter Ringer Gemeindeschreiber von Wildberg. Am 7. Mai wird er pensioniert. Nun blickt er zurück, auf viele schöne Erlebnisse, aber auch kuriose.

Offen und herzlich empfängt Peter Ringer den «Tößthaler» vergangenen Mittwoch im Gemeindehaus Wildberg. Er wird am 7. Mai als Gemeindeschreiber pensioniert. Zeit also, um in einem Gespräch zurück und nach vorne zu blicken. Im Sitzungszimmer des Gemeinderates angekommen, hebt er sogleich den grossen Tisch, die rund zwölf Stühle und den Aktenschrank hervor. «All diese Möbel haben wir von der Gemeinde Weiach für nur 1000 Franken erstanden. Der Tisch allein hätte neu aber mehrere 1000 Franken gekostet», sagt er nicht ohne Stolz. Es handle sich dabei zwar nicht um das modernste Mobiliar, aber es erfüllte seinen Zweck bei Weitem.

Seit genau fünf Jahren ist Peter Ringer Gemeindeschreiber von Wildberg. Am 1. Mai 2013 übernahm er das Amt von Matthias Küng. An eine seiner ersten Begegnungen in Wildberg erinnert sich Ringer noch genau: «Ich wurde von Pfarrer Theddy Probst und der Präsidentin der reformierten Kirchenpflege, Monique Blattmann, zu einem Eis in die Kirchenstube eingeladen. Das war sehr schön.»

Das gesamte Gemeindegebiet abgefahren

Generell wurde er in der kleinen Tösstaler Gemeinde oberhalb von Turbenthal und Wila sehr herzlich aufgenommen und lernte sie sehr schätzen: «Wildberg ist eine Sonnenstube. Und die Menschen sind sehr umgänglich und geradlinig. Das mag ich.» Und auch die Gemeinde lernte Ringer, der in Henggart in einem Haus mit Garten wohnt, je länger, je besser kennen. «Im Zusammenhang mit der Gesamtmelioration Wildberg hat mir Walter Bodenmann auf meinen Wunsch das gesamte Gemeindegebiet gezeigt.» Er und Köbi Bühler halfen auch bei der Bereinigung der «Nomenklaturen» mit, sodass später das kantonal vorgeschriebene Strassenverzeichnis per 1. März 2016 festgesetzt werden konnte. «Eine nicht ganz einfache Sache», erinnert sich der 61-Jährige. Im Zuge dieses Prozesses wurden auch die Postleitzahlen der drei Wildberger Orte einheitlich. «Vorher war die korrekte Adresse kompliziert.»

Dass Peter Ringer einmal Gemeindeschreiber sein würde, war nicht vorgezeichnet. Bis achtjährig in Zürich und später im «Säuliamt» aufgewachsen, interessierte er sich in seiner Jugend vor allem für Motorräder und Autos. Er entschied sich dann aber für eine kaufmännische Lehre und machte später den eidgenössischen Fachausweis für Buchhalter. Seine erste Anstellung auf einer Gemeinde hatte er in Wallisellen. Das war 1985. Bald wurde er dort Sekretär der Sozialbehörde. Bei der alljährlichen Visitation attestierte ihm dann ein Revisor des Kantons eine sehr genau Dossierführung und warb ihn gleich ab. Fortan war Ringer drei Jahre auf Gemeindeverwaltungen unterwegs und revidierte diverse Sachgebiete, zum Beispiel die Jahresrechnungen. 1992 kam dann der nächste Sprung: Er wurde Gemeindeschreiber von Henggart, wo er seit 1987 zusammen mit seiner damaligen Frau und seinen drei Töchtern, die heute erwachsen sind, wohnte.

21 Jahre arbeitete er da, bis Anfang 2013. In seiner Anfangszeit hatte Henggart 1300 Einwohner, als er aufhörte rund 2300. Die Gemeinde nördlich von Winterthur sei gesund und langsam vom Kern her gewachsen, erklärt Ringer. Das sei gut. Denn ein zu schnelles Wachstum müsse eine Gemeinde erstmal stemmen können. In seiner Zeit in Henggart hat der dreifache Vater auch die Veränderungen mitbekommen, die das Amt des Gemeindeschreibers aber auch das des Gemeinderates erfuhr. «Email und Internet brachten natürlich eine grosse Umstellung mit sich. Ebenso nahm in den letzten Jahren die Regulierungsdichte stetig zu.» Er stellt ausserdem fest, dass der Ton gegenüber den Behörden zunehmend rauher geworden sei. «Früher hatten die Leute mehr Achtung.»

Ein gutes Omen

Ringer wurde in Henggart sehr geschätzt. So unverständlich war für die Bevölkerung dann auch sein Abgang, worüber er nicht gerne öffentlich spricht und auch keine Details mehr in der Zeitung lesen möchte. Nur so viel: Im 2012 wählte Henggart einen neuen Gemeindepräsidenten und neue Gemeinderäte. «Die Chemie zwischen den Neugewählten und mir hat einfach nicht mehr gestimmt.» Und Ringer sah sich nach einer anderen Stelle um. «Heute ist der Fall Henggart für mich abgeschlossen.» Ausserdem erhielten der damalige Gemeindepräsident und seine Mitstreiter dann die Quittung 2014 an der Urne. Sie wurden vollständig abgewählt, weil ein sehr breit abgestütztes Bürgerforum gegen sie mobil machte und Gegenkandidaten stellte.

Das Assessement für den Posten des Wildberger Gemeinedeschreibers bestand Ringer dann ohne Probleme. Der damals 56-Jährige entschied sich für Wildberg, weil der Widder, sein Sternzeichen, gleichzeitig das Wildberger Wappentier ist. Ausserdem befindet sich das Gemeindehaus an der Luegetenstrasse Nummer 3 und er hat am dritten des Monats April Geburtstag. «Ich habe das als gutes Omen gedeutet.» Und der Entscheid sei goldrichtig gewesen: «Meine Arbeit ist sehr vielfältig, gerade in einer kleinen Gemeinde wie hier. Da bin ich eine Art Mädchen für Alles», meint er positiv. Und er zeigt lachend an die Decke des Gemeinderats- zimmers: «Diese Sparlampen habe ich selber reingeschraubt.»

Wichtig, alle Fakten zu prüfen

In Henggart hatte die Verwaltung 350 Stellenprozent, in Wildberg 240. Einen Werkhof hat Wildberg keinen. Drei Bauern führen die nötigen Arbeiten für die Gemeinde aus. Die Abfallsammlung ist zusammen mit Turbenthal und Wila organisiert. Beim Grüngut diskutiert man derzeit über eine neue Lösung. «Die heutige Regelung finde ich jedoch nicht schlecht», sagt Ringer. Denn eine wöchentliche Grüngut-Tour koste etwa zwei Steuerprozente.

Wird in den Medien von kleinen Gemeinden berichtet, ist das Thema der Fusion mit anderen politischen Gemeinden meist nicht weit. In einer solchen Fusion sieht Ringer nicht nur Vorteile: «Ich glaube nicht, dass man dadurch Geld spart.» Zudem habe Wildberg die nötige Anzahl Behördenmitglieder bis jetzt immer wieder gefunden. Sehr wichtig sei einfach, dass vor einer möglichen Fusion alle Fakten auf dem Tisch lägen, vor allem die finanziellen.

Verursacher bis heute unbekannt

Immer eitlen Sonnenschein gab es aber auch in Wildberg nicht. Peter Ringer erzählt vom Wasserschaden im alten Gemeindehaus, der insgesamt 55‘000 Franken kostete, was knapp drei Steuerprozenten entspricht: «Bis heute wissen wir nicht, wer den Hahn im obersten Stock aufgedreht hatte und ob derjenige es mit Absicht tat.»

Prägnant in Erinnerung ist ihm auch noch die Gemeindeversammlung im Dezember 2015, bei der die Stimmbürger fast alle Anträge des Gemeinderats abschmetterten und bei der, zu allem Übel, dem damaligen Gemeindepräsidenten Roland Bänninger der Notenständer mit seinen Unterlagen vor voller Kirche zusammenkrachte. «Es ist ihm beim Umblättern seines grossen Notizbuches passiert», erinnert sich Ringer. «Roland Bänninger war ein guter Gemeindepräsident, hatte aber aufgrund seiner Arbeit einfach viel zu viel um die Ohren.» Bänninger reichte nach der Versammlung dann ziemlich abrupt beim Bezirksrat das Gesuch für seinen Rücktritt ein, der diesem stattgab. Sehr lobende Worte findet der 61-Jährige für dessen Nachfolger: «Dölf Conrad ist ein wahrer Glücksfall für Wildberg. Er übt das Amt mit Bravour aus.»

Am 7. Mai hat Ringer nun seinen letzten Arbeitstag und wird pensioniert. Rund drei Wochen wird er noch seinen Nachfolger Reto Stark einarbeiten. Was folgt danach? «Ich werde vermehrt auf meine Enkeltochter aufpassen und mehr Zeit für meinen Vater haben, der 88-jährig ist.» Und wird Peter Ringer wieder einmal in Wildberg anzutreffen sein? «Ja. Ich werde vielleicht ab und zu mit meinem Velo den Berg hinauf- fahren. Henggart ist ja nicht so weit weg.»

Rolf Hug
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