Die Kirche Turbenthal feiert ihr halbes Jahrtausend

Erna Brüngger (links), Präsidentin der reformierten Kirchenpflege Turbenthal und Marc Schedler, reformierter Pfarrer von Turbenthal: Das Herzstück der Jubiläumsfeierlichkeiten wird das Kirchenfest Mitte Mai sein (Foto: md)

Vor 500 Jahren wurde die Kirche von Turbenthal erbaut. Dieses historische Ereignis will die reformierte Kirchgemeinde mit verschiedenen, über das ganze Jahr verstreuten Anlässen feiern. Ein Interview mit Kirchenpflegepräsidentin Erna Brüngger und Pfarrer Marc Schedler.

Wie haben Sie erfahren, dass die reformierte Kirche Turbenthal dieses Jahr 500 Jahre alt wird?

Erna Brüngger: Ich habe es von meinem Vorgänger im Präsidium der Kirchenpflege bei der Amtsübergabe vor drei Jahren erfahren. Er legte uns ans Herz, dieses Jubiläum würdig zu feiern. Gleichzeitig mit mir fingen verschiedene andere Mitglieder der Kirchenpflege neu an.

Marc Schedler: Ich habe an einer Sitzung der Kirchenpflege vom Jubiläum erfahren. Ich war bereits hellhörig geworden, weil die Kirche von Elgg vor kurzem ihr 500-Jahr-Jubiläum gefeiert hat.

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie dies hörten?

Brüngger: Ich war zuerst einmal beeindruckt, dass unsere Kirche so alt ist. Ein halbes Jahrtausend ist ein stolzes Alter. Es war dann allen Mitgliedern der Kirchenpflege rasch klar, dass wir diesem Jubiläum Raum geben müssen.

Schedler: Im ersten Moment bin ich etwas erschrocken, weil ich wusste, dass dies eine grosse Sache ist und viel Arbeit auf uns zukommt. Dann habe ich mir aber gesagt: Es ist auch eine Chance, ein solches Jubiläum feiern zu dürfen und damit bei den Menschen eine Botschaft im Zusammenhang mit der Kirche anzubringen.

Wie muss man sich die Kirche Turbenthal vor 500 Jahren vorstellen?

Brüngger: Um dies zu erfahren, haben wir den Winterthurer Historiker Peter Niederhäuser kontaktiert. Wir haben ihn gebeten, die Geschichte unserer Kirche aufzuarbeiten. Aber ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, wie ich mir die damalige Kirche vorstellen müsste. Bestimmt hatte auch sie ihre Herausforderungen, vermutlich ganz andere als wir heute haben. Es interessiert mich deshalb sehr, wie die Kirche Turbenthal vor 500 Jahren war.

Schedler: Auf Grund meines historischen Wissens über die Reformation hatte ich bereits eine Ahnung, wie es vor 500 Jahren gewesen sein könnte. Doch die Turbenthaler Details habe ich auch erst von Peter Niederhäuser erfahren. Zurzeit sind wir mit ihm zusammen daran, eine Jubiläumsbroschüre zu produzieren, in der auf diese lokalen Details eingegangen wird.

War die Kirche Turbenthal vor 500 Jahren katholisch?

Brüngger: Die Kirche wurde vor der Reformation erbaut. Sie war in diesem Sinn einfach die Kirche. Wir feiern dieses Jahr auch 500 Jahre Reformation. Bis diese mit Zwingli auch die Schweiz erreichte, vergingen ein paar Jahre und bis diese nach Turbenthal kam, noch etwas länger.

Schedler: Weil es noch keine reformierte Kirche war bei ihrem Bau, war es uns wichtig, unsere katholische Schwesterkirche bei diesem Jubiläum dabei zu haben. Wir haben den Eröffnungsgottesdienst zum Auftakt des Jubiläumsjahres zusammen mit den Katholiken gefeiert. Es war ein schönes Fest und liebenswürdigerweise hat die katholische Pfarrei Turbenthal den Apéro spendiert.

Ist die ökumenische Zusammenarbeit in Turbenthal eine Selbstverständlichkeit?

Brüngger: Ja. Ich glaube, das kann ich schon so sagen.

Schedler: Die personellen Konstellationen spielen eine wichtige Rolle. Meine erste Pfarrstelle war im Wallis und ich konnte dort mit einigen katholischen Kollegen sehr gut zusammenarbeiten. Mit Pater Sunny und der katholischen Kirchenpflege arbeiten wir ebenfalls sehr eng und gut zusammen.

Was ist das Ziel dieses Jubiläums? Haben Sie dazu eine Leitidee?

Brüngger: Wir möchten die Dorfgemeinschaft zum Feiern bewegen. Dabei wird die Zahl 500 im Zentrum stehen, die wir mit Alltagsbegriffen in Zusammenhang bringen: 500 Begegnungen, 500 Lieder, 500 Gebete, 500 Gespräche und so fort.

Schedler: Als wir das Jubiläums-Logo entwarfen, bestand ein Entwurf aus der Zahl 500 und einem leeren, farbigen Feld daneben. Jemand hat dann «Begegnungen» ins leere Feld geschrieben. Ich fand diesen Gedanken sehr stark, denn er drückt aus, was wir mit dem Jubiläum ermöglichen wollen: Begegnungen, auch über die Konfessionsgrenzen hinweg.

Mit welchen Anlässen wollen Sie dieses 500-Jahr-Jubiläum begehen?

Schedler: Zur Eröffnung des Jubiläumsjahrs haben wir am 1. Januar einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Pater Sunny Thomas und ich haben diesen Gottesdienst gemeinsam gestaltet. So kamen wir auf die Idee, den Stifter der Kirche, Hugo von Hohenlandenberg, im Gottesdienst auftreten zu lassen, gespielt von einem Schauspieler. Hugo von Hohenlandenberg war 1517 Bischof von Konstanz. Er spazierte in unseren Gottesdienst und redete mit lauter Stimme in die Predigt drein. Die Predigt verwandelte sich in ein Gespräch zu dritt über unsere Kirche und ihre Aufgabe. Es wurde ein sehr schöner Gottesdienst.

Wie ist die Idee angekommen bei den Gottesdienstbesuchern?

Schedler: Die Leute sind zunächst erschrocken. Der Darsteller von Hugo von Hohenlandenberg trug ein Bischofsgewand und sah entsprechend etwas seltsam aus. Nachdem klar wurde, dass es sich um einen Schauspieler handelte, fanden die Gottesdienstbesucher die Idee amüsant. Ich habe von allen Seiten gute Rückmeldungen erhalten.

Welche Festlichkeiten sind in den nächsten Monaten geplant?

Brüngger: Ende März findet die Vernissage der von Peter Niederhäuser erstellten Publikation über die Turbenthaler Kirchengeschichte statt. Wir haben auch den Gemeindepräsidenten für eine Ansprache gewinnen können. Die Vernissage wird musikalisch umrahmt sein. Selbstverständlich wird auch die Broschüre zum Verkauf angeboten.

Schedler: Der Titel lautet: «500 Jahre Kirche Turbenthal, von der Adels- zur Dorfkirche».

Das bedeutet, die Kirche Turbenthal war ursprünglich eine Grabkirche für das Geschlecht der Hohenlandenberger?

Schedler: Ja. Die Familie der Hohenlandenberger hatte bis ins 19. Jahrhundert Besitzrechte auf die Kirche Turbenthal. Die Familienmitglieder wurden in der Kirche beigesetzt. Erst im 19. Jahrhundert ging die Kirche in den Besitz des Kantons Zürich über.

Brüngger: Die Hohenlandenberger hatten auch ein Mitspracherecht bei der Pfarrwahl. Sie durften Vorschläge machen und der Kanton genehmigte diese.

Wie geht es mit dem Jubiläumsprogramm weiter?

Schedler: Im April werden wir einen Filmabend in der Kirche abhalten. Zuerst wird der Film vorgestellt, den wir zurzeit zusammen mit den Konfirmanden realisieren. Dieser ist dem Thema «Turbenthaler Köpfe» gewidmet. Der Film soll zeigen, dass unsere Kirche im Dorf präsent ist und dass die Menschen in unserem Dorf vollkommen unterschiedlich sind. Gezeigt werden sieben Portraits von Turbenthalerinnen und Turbenthalern. Die Konfirmanden haben den Film mit Hilfe eines Profis gedreht. Im zweiten Teil des Abends zeigen wir den Japanischen Film «Departures», bei dem es um Abschied und vieles mehr geht.

Es soll auch ein Kirchenfest geben.

Brüngger: Das Kirchenfest Mitte Mai ist das Herzstück des Jubiläums. Wir haben die Vereine eingeladen, sich zu beteiligen. Wir stellen uns ein buntes Markttreiben vor. Wir haben eine erfreuliche Zahl Anmeldungen erhalten. Die einen werden mit Verkaufsständen präsent sein, die anderen mit Aktivitäten. Wir werden am Sonntag des Festwochenendes einen feierlichen Gottesdienst abhalten. Kirchenrat Bernhard Egg wird an diesem Gottesdienst teilnehmen und einen Teil davon bestreiten.

Im Herbst ist eine Wanderausstellung geplant.

Brüngger: Ja, es ist eine Wanderausstellung der Ortsmuseen Wila und Turbenthal, wie sie jedes Jahr stattfindet. Wir haben die Verantwortlichen angefragt, ob sie sich am Kirchenjubiläum beteiligen möchten. Die Ausstellung wird sich um die Themen «Sitte und Seelenheil» drehen. Eine Szenographin wird die Ausstellung mitgestalten. In den Herbstferien wird übrigens auch ein Kindermusical eingeübt und aufgeführt. Die Kinder werden dabei von den Katechetinnen und von Freiwilligen betreut.

Sie haben auch eine Wanderung zum Schloss Hegi geplant.

Schedler: Ich bin gerne zu Fuss unterwegs. Ich war auch schon auf dem Jakobsweg. Weil der Stifter unserer Kirche auf Schloss Hegi aufgewachsen ist, hatte ich die Idee, Hegi und Turbenthal zu Fuss zu verbinden. Das Leitthema ist «Auf den Spuren des Hugo von Hohenlandenberg». Ein Höhepunkt wird die Besichtigung des Schlosses mit einer gespielten Führung sein, der zweite Höhepunkt das gemeinsame Essen unterwegs Richtung Turbenthal.

Brüngger: Das Jubiläumsjahr schlies-sen wir dann so ab, wie wir es begonnen haben: Mit einem Gottesdienst.

Was bewirkt bei Ihnen das Ziel, dieses 500-Jahr-Jubiläum zu feiern?

Schedler: Auf ökumenischer Ebene hat das Jubiläum bereits etwas ausgelöst. Mein katholischer Kollege kam kürzlich mit einer Bitte zu mir: Er fragte, ob er die Erstkommunion in unserer Kirche feiern dürfe, denn die katholische Kirche sei zu klein für die vielen Kinder und Gäste. Ich habe das Anliegen der Kirchenpflege vorgebracht und diese hat Hand geboten für einen Kirchentausch. Dass so etwas möglich wird, freut mich sehr.

Sind weitere Aktivitäten geplant im Zusammenhang mit dem Jubiläum?

Schedler: Ja. Wir werden ein Foto-Sammelalbum, ähnlich wie das Fussballbildchen-Album von Panini, schaffen. Wir werden also Fotos in Umlauf bringen, die man erwerben und austauschen kann. So wollen wir ebenfalls Begegnungsmöglichkeiten schaffen.

Brüngger: Wir sind daran, diese Idee umzusetzen. Wir überlegen gerade, wie wir die Bilder auf vernünftige Art in Umlauf bringen können. Das Album und die Bildsujets sind schon vorbereitet. Lancieren wollen wir die Sammelaktion am Kirchenfest.

Schedler: Unser Kirchturm soll übrigens am Kirchenfest eine Jubiläumsmasche aufgesetzt bekommen. Wir hoffen, dass sich dies realisieren lässt.

Brüngger: Ja, die Masche wird weit oben befestigt, wo sonst am 1. August die Fahnen angebracht werden. Am liebsten hätten wir diese das ganze Jahr am Kirchturm oben gelassen.

DIE JUBILÄUMSANLÄSSE (PROVISORISCH)

  • 26. März: Historiker Peter Niederhäuser stellt sein Buch zur Kirchengeschichte Turbenthals vor (ca. 16.30 Uhr)
  • 21. April: Filmabend: Filmprojekt der Konfirmanden, «Departures», Filmvorführung der Kulturkommission (19.30 Uhr, ref. Kirche)
  • 13./14.Mai: Chile-Fäscht: Markt und Festgottesdienst
  • 9./10. September: Vernissage Wanderausstellung «Sitte und Seelenheil»
  • 23. September: Herbstwanderung «Auf den Spuren des Hugo von Hohenlandenberg»
  • Oktober (Herbstferien): Musical mit Kindern
  • 31. Dezember: Festgottesdienst zum Abschluss des Jubiläumsjahrs (10.00 Uhr)