Die Hauptstrasse, die auch eine Dorfstrasse ist

Die heutige Situation in Turbenthal: Velos weichen vor dem Autoverkehr aufs Trottoir aus (Fotos: Amt für Verkehr)

Die Tösstalstrasse in Turbenthal soll attraktiver und sicherer gestaltet werden. Die Gemeindeversammlung hat im Dezember 2013 einen Kredit von rund zwei Millionen Franken bewilligt. 2019 soll mit der ersten Etappe der Umgestaltung begonnen werden.

Die Gemeinde Turbenthal arbeitet seit über zehn Jahren daran, das Ortszentrum entlang der Tösstalstrasse attraktiver zu gestalten. Es geht aus Sicht der Gemeinde unter anderem darum, die wenig übersichtliche Kreuzung bei der reformierten Kirche zu entschärfen, bessere Fusswegverbindungen für die Fussgänger zu schaffen und die Sicherheit für den Veloverkehr zu erhöhen. Die Knacknuss ist, dass die Tösstalstrasse eine kantonale Hauptverkehrsstrasse ist, die den Raum Winterthur mit dem Raum Oberland und Obersee verbindet. Eine Verbesserung ist somit nur in enger Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinde zu erreichen.

Bereits vor rund zehn Jahren versuchte der damalige Gemeinderat, mit einer Zentrumsplanung eine Verbesserung der Verkehrssituation im langgezogenen Ortskern von Turbenthal zu erreichen. Aus dieser Zentrumsplanung ist das Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) hervorgegangen, das an der Gemeindeversammlung im Dezember 2013 gutgeheissen wurde. Für dieses BGK wurde ein Kredit von rund zwei Millionen Franken bewilligt. An die Gesamtkosten von 7,3 Millionen Franken steuert der Kanton 5,3 Millionen bei. Das gesamte Vorhaben ist in drei Etappen gegliedert, die nacheinander realisiert werden sollen. Ursprünglich war der Baubeginn für die erste Etappe von der Gemeindegrenze bei Wila bis zur reformierten Kirche für dieses Jahr vorgesehen. Dieser Zeitplan kann nicht mehr eingehalten werden. Neu ist der Baubeginn der ersten Etappe auf 2019 terminiert. Die beiden anderen Etappen werden voraussichtlich im Zweijahresrhythmus folgen.

Verzögerung auf der Marschtabelle

Diese Verzögerung ist auf den Kanton zurückzuführen, der anderen Stras-senprojekten eine höhere Priorität zugewiesen hat, sagt Gemeindepräsident Georg Brunner. Unklar ist, ob Einsprachen erhoben werden. Das Gesamtprojekt, das von der Gemeindeversammlung bewilligt wurde, sei zwar gegeben, betont Brunner, doch im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens seien Projektoptimierungen denkbar und möglich. Für die Zufahrt zum Restaurant Landenberg ist laut Brunner ein eigenes Parkierungskonzept in Arbeit. Ziel des BGK ist, die Verkehrssicherheit und den Verkehrsablauf zu verbessern sowie den öffentlichen Raum in der Gemeinde aufzuwerten. Gleichzeitig soll der dank BGK geschaffene Mehrwert für alle Verkehrsteilnehmer deutlich sichtbar sein.

Die Realisierung des Betriebs- und Gestaltungskonzepts wird sich in drei Etappen über ungefähr zehn Jahre hinziehen, wobei folgende Verbesserungen geplant sind:

  • 1. Etappe: Gemeindegrenze Wila – Einmündung St. Gallerstrasse: Die Einmündung bei der reformierten Kirche wird in einen Kreisel umgebaut und der Kirchplatz vergrös-sert. Richtung Wila werden Velostreifen markiert oder der Veloweg auf dem Trottoir geführt. Kosten: rund 1,6 Millionen Franken. Der Baubeginn ist für 2019 geplant.
  • 2. Etappe: Einmündung St. Gallerstrasse – Girenbadstrasse: Bei diesem Abschnitt wird ein durchgehendes Trottoir auf der östlichen Seite der Tösstalstrasse erstellt, ein Mehrzweckstreifen in der Mitte der Fahrbahn angelegt und vor dem Migros ein breites Trottoir erstellt und eine Baumreihe angepflanzt. Auf den Strassenabschnitten ohne Mehrzweckstreifen werden auf beiden Strassenseiten Velostreifen markiert. Kosten: rund drei Millionen Franken. Die Planung beginnt nach den Sommerferien. Mit der Realisierung könnte somit voraussichtlich 2020 begonnen werden.
  • 3. Etappe: Einmündung Girenbadstrasse – Grosshalle Tösstal: Hier wird ein zweites, durchgehendes Trottoir auf der Nordseite der Tösstalstrasse erstellt, die Fahrbahn zwischen Einmündung Girenbadstrasse und Grosshalle Tösstal verschmälert. Richtung Zell wird ein Veloweg auf dem Trottoir markiert. Die Vorzone der Grosshalle wird ebenfalls mit einer Baumreihe aufgewertet. Kosten: rund 2,7 Millionen Franken.

«Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Zentrumsplanung hat der Gemeinderat gemerkt, dass die Verbesserungen für alle Verkehrsteilnehmer nur mit einem Gesamtkonzept erreicht werden können», betont Gemeindepräsident Brunner. Sobald man zum Beispiel beginne, behindertengerechte Bushaltestellen zu planen, stelle man fest, dass eben auch ein beidseitiges Trottoir dazugehöre, genauso wie Mittelinseln an den Fussgängerstreifen. Die Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Verkehr wie auch mit der Kantonspolizei (bei Fragen der Verkehrssicherheit) bezeichnet Brunner als gut. Der Gemeindepräsident weist darauf hin, dass die Tösstalstrasse nicht nur eine kantonale Hauptverkehrsstrasse ist, sondern auch Turbenthals Dorfstrasse: «Die Tösstalstrasse ist unser wichtigster öffentlicher Raum.» So erklärt sich auch, weshalb die Gemeinde Wert darauf legt, an verschiedenen Stellen entlang der Tösstalstrasse Bäume zu pflanzen. Der öffentliche Raum soll attraktiv wirken, denn er ist Teil der Dorfidentität.

 

Mehrzweckstreifen
Zwischen der Einmündung Bahnhofstrasse und der Einmündung Girenbadstrasse ist geplant, einen sogenannten Mehrzweckstreifen in der Mitte der Fahrbahn zu markieren. Der zwei Meter breite Mittelstreifen dient einerseits als Fahrbahnteiler, anderseits aber als Linksabbiegespur. Im Bereich eines Fussgängerstreifens dient der Mittelstreifen auch als Mittelinsel.