Die Eidgenossenschaft; Ausdruck gelebter Solidarität

Patrick Zanini denkt in seiner Rede über das Wort Genossenschaft nach (Foto: rg)

Vor der Drechslerei Kleintal in Steg fand die rundum schöne 1.-August-Feier der Fischenthaler statt. Patrick Zanini, Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Hinwil, machte sich als Festredner Gedanken über die Eidgenossenschaft im eigentlichen Sinne des Wortes.

In Anlehnung an die Melodie des Schweizerpsalms könnte man die Fischenthaler 1.-August-Feier so zusammenfassen: «Sitzt Du vor der Drechslerei, hörst Musik und Rede nicht allein.» Das wäre aber eine doch unschöne Kurzfassung des sympathischen Anlasses. Mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde hat «der Verein zur Erhaltung der Drechslerei Kleintal», kurz VED, zum wiederholten Male den 1.-August-Anlass um die Mittagszeit organisiert. Herbert Müller (Ressort Finanzen) vertrat denn auch im Publikum wohlgelaunt den Gemeinderat.

Es fehlte an nichts. Einzig zwei, drei Besucher mehr hätten den Festakt noch aufgewertet. Für die musikalische Umrahmung sorgten «d’Seehofer». Die mährisch volkstümliche Blaskapelle vom Bodensee servierte leichte Kost in Polka- und Walzertakt. Vor dem historischen Gebäude der Drechslerei hatte der Verein eine tolle Festwirtschaft eingerichtet. Notabene unter einem Allwetterdach, für das es einen Zustupf von der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Hinwil (GGBH) gab. Einer der Gründe also, dem Präsidenten dieser Organisation eine Stimme zu geben.

Ähnlich einer Grossfamilie

Es sei ein Glück für ihn, Schweizer zu sein und hier die Heimat zu haben, begann Patrick Zanini die Festrede. Er hätte ja auch irgendwo sonst das Licht der Welt erblicken können. Dann würde er sich womöglich nicht mit Luxusproblemen beschäftigen, sondern sich ganz existentiellen Fragen widmen, sinnierte der noch junge Referent. Mit einem Blick auf seinen eigenen familiären Hintergrund spannte er den Bogen hin zur Eidgenossenschaft.

Das Gefühl und die Verbundenheit mit der Familie habe viel damit zu tun, was für ihn die Schweiz bedeute und ausmache. Grundsätzlich sei man für einander da, streite mal, könne aber auch wieder Frieden schliessen. Der Festredner fuhr fort, es sei ironischerweise ein deutscher Dichter gewesen, der mit ein paar wenigen Worten auf den Punkt brachte, was bis heute in der Schweiz wichtig sei.

Die Eidgenossenschaft – eine Besonderheit

Friedrich Schiller nämlich lässt drei Eidgenossen auf dem Rütli ihren Bund besiegeln, indem sie schwören: «Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern.» Zanini fügte an: «Diese Worte zeugen vom Wunsch nach Gleichheit bei den Menschen.» Keiner solle sich abheben aufgrund von Reichtum, Herkunft oder eines Amtes. Heiterkeit lösten seine Worte aus, als er sagte: «Zum Glück sind wir ja nun seit 46 Jahren Brüder und Schwester.»

Eine Genossenschaft als Staatsform sei aber ein Unikum. Man kenne Republiken, Vereinigte Staaten, Königreiche und Emirate, aber weltweit nur eine Genossenschaft. Sie verfolge das Ziel, gleichberechtigt auf etwas hinzuwirken, das man alleine nicht erreichen könne. Eine zutiefst ethische Grundhaltung präge eine solche Organisation. Zanini verdeutlichte: «Man möchte für alle möglichst das Beste, nicht nur für sich.» Genossenschaften hätten in der Schweiz eine hohe Bedeutung, sie seien Ausdruck gelebter Solidarität. «Aber nicht nur Solidarität, sondern auch Selbstverantwortung, Demokratie und Respekt sind zentrale Werte, die für mich die Schweiz ausmachen», sagte der Gastredner gegen Endes des Referates. So wäre denn auch sein Wunsch, dass man sich nicht nur am Geburtstag der Schweiz auf diese Werte besinne, sondern auch die restlichen 364 Tage im Jahr.

Das Publikum dankte mit einem herzlichen Applaus. Urs Birrer, Präsident des VED, überreichte ihm ein Geschenk aus der Drechslerei, das im übertragenen Sinne auch etwas mit einer Genossenschaft zu tun hat. Drei Holzkugeln auf einem hölzernen Unterteller tragen solidarisch eine für kulinarische Höhenflüge gedachte Glasplatte, die sich bedingt durch die Holzkugeln wohl so lange drehen kann, wie die Schweiz als Demokratie bestehen bleibt.

HOCH HINAUS MIT DEM AUGUSTFEUER
Wie der Zeitung «Regio» vom 22. Juli 2017 zu entnehmen ist, tat sich in der Gemeinde Fischenthal auf den Nationalfeiertag hin Grossartiges. Bei der Endstation des Fischenthaler Skilifts, auf der Oberegg, entstand das (hoffentlich) grösste Höhenfeuer. 50 Tonnen Holz aus der Umgebung wurden mit einer speziellen Stapeltechnik aufgeschichtet zu einem Blockfeuer, bei dem der Stapel und das Holz gegen oben immer dünner wird. Dadurch fällt beim Abbrennen das Holz in das Feuer und nicht daneben. Die Zielsetzung – nämlich ein grossartiges Augustfeuer von über 15 Metern zu errichten – wurde von den Initianten Manuel Bertschinger und Florian Zürcher zusammen mit ihren sechs Kollegen erreicht. Das beweist ein Video, das man bei «Blick online» anlässlich des Geburtstags der Schweiz anschauen konnte. Damit das ungewöhnliche Feuer auf gebührende Aufmerksamkeit stossen konnte, haben die Organisatoren auf der Wiese auch eine Festwirtschaft mit Bar für 200 Personen errichtet. Vermutlich ging die Post ab – auf gut 1000 Metern findet sich nicht oft ein solches Fest! Da soll mal einer sagen, die Tösstaler seien hinter dem Mond! In Fischenthal auf jeden Fall wurde alles daran gesetzt, dass der Mond am 1. August in den Hintergrund trat und dafür ein Höhenfeuer von gewaltigem Ausmass weitherum sichtbar wurde.

Renate Gutknecht (k)