Die BZO-Revision steht an – endlich

Am Montag entscheiden die Baumer über die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung. Diese sieht unter anderem für das «Ischlag»-Areal eine Gestaltungsplanpflicht vor (Foto: Massimo Diana)

Die Baumer Gemeindeversammlung von kommendem Montag befindet über die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung. Sie legt die Grundlage für ein Wachstum von etwa 700 bis 1000 Einwohnern in den nächsten 15 Jahren.

Lange hat es gedauert, doch nun ist es so weit. An der Gemeindeversammlung kommenden Montag können die Baumer Stimmbürger über die Teilrevision der kommunalen Bau- und Zonenordnung (BZO) befinden. Dass Handlungsbedarf besteht, war seit längerem klar. Die letzte BZO-Revision liegt rund 20 Jahre zurück und die Rahmenbedingungen haben sich seither verändert. Ausserdem macht die Fusion mit Sternenberg eine Überarbeitung dringend nötig.

Bereits 2012 begann die Gemeinde mit den Vorbereitungen für diese Revision, schob das Vorhaben dann aber auf die lange Bank. Der Grund: Anfang 2013 nahmen die Schweizer Stimmbürger das neue Raumplanungsgesetz (RPG) an und kurz davor stimmte die Bevölkerung des Kantons Zürich der Kulturlandinitiative zu. Die Gemeinde musste abwarten, bis diese Entscheide umgesetzt waren und machte sich anschliessend wieder an die Arbeit. Was folgte war ein Hin und Her mit dem kantonalen Amt für Raumentwicklung (ARE). Den ersten Entwurf der Gemeinde lehnte das ARE ab. Der Gemeinderat zeigte sich darüber irritiert. Etliche Gespräche später, in denen sowohl der Kanton als auch die Gemeinde Zugeständnisse machen mussten, liegt nun die abstimmungsreife Vorlage vor.

Reservezonen gibt es nicht mehr

Diese lässt gemäss dem Baumer Hochbauvorstand Paul von Euw (SVP) eine Bevölkerungszunahme in den nächsten 15 Jahren von etwa 700 bis 1000 Einwohnern zu, was einem gesunden Wachstum entspreche. An einem Punkt konnte sich die Gemeinde zwar nicht durchsetzen: Sie wollte eine stärkere Verdichtung gegen innen. Diese Forderung lehnte der Kanton jedoch ab. Denn in Bauma sind noch 20 Prozent des eingezonten Baulandes unbebaut. Und der kantonale Richtplan gibt vor, dass 80 Prozent des Bevölkerungswachstums in den städtischen und urbanen Gebieten stattfinden soll. Und nur 20 Prozent in den ländlichen Kultur- und Naturlandschaften, wozu auch Bauma zählt. Erweiterungen der Bauzonen sind deshalb nicht möglich. Einzig in den Quartieren Sunnerain und Silisegg erhielt die Gemeinde vom Kanton grünes Licht für eine höhere Dichte. Dort sind in Zukunft statt ein- auch zweigeschossige Wohnhäuser erlaubt.

In einem Punkt sieht die Vorlage jedoch grosse Umzonungen vor: Diverse Reservezonen werden neu der Landwirtschaftszone zugeteilt. Dies hat aber einen einfachen Grund. Reservezonen sind im neuen RPG gar nicht mehr vorgesehen. So wechselt zum Beispiel das Areal «Tösshölzli» in Saland von der Reserve- in die Landwirtschaftszone. Dieses liegt gleich neben dem «Ischlag»-Areal, worauf dereinst Wohnungen und Gewerbe entstehen soll. Für diese neue Überbauung statuiert die Revision ausserdem die Gestaltungsplanpflicht. Dasselbe gilt für das Gebiet der ehemaligen Fabrik Juckern und das gleich nördlich dazu gelegene «Baumgartenholz».

Zu 99 Prozent genehmigungsfähig

Gemäss Paul von Euw ist die heutige Vorlage für das ARE zu über 99 Prozent genehmigungsfähig. Einzig beim Zeughausareal an der Hittnauer-strasse in Saland besteht noch eine Differenz mit dem Kanton. Das Zeughaus wird von der Armee nicht mehr benutzt und sie möchte es im Baurecht abgeben. Auch die Gemeinde hat keine Verwendung für das Areal, weshalb sie dort Gewerbe zulassen und die Fläche von einer Zone für öffentliche Bauten in eine Gewerbezone umzonen möchte. «Der Standort wäre für Gewerbe ideal. Ein wenig abseits und doch an der Haupt-strasse», sagt von Euw. «Zum Beispiel für den Umschlag von Waren durch Lastwagen, die so nicht ins Dorfzentrum fahren müssten.»

Ob das ARE diese Umzonung tatsächlich zulassen wird, ist offen. Der Baumer Hochbauvorstand erhofft sich bei einem Ja der Gemeindeversammlung zu diesem Vorschlag, dass die Gemeinde diese Forderung gegenüber dem Kanton mit mehr Nachdruck vertreten könnte. Grundsätzlich sind an der jetzigen Vorlage Änderungsanträge aus der Gemeindeversammlung theoretisch zwar möglich, doch der Spielraum ist aufgrund all der gesetzlichen Rahmenbedingungen sehr klein. Letztlich wird das ARE nachträglich noch seine Zustimmung zu dem von der Gemeindeversammlung abgesegneten Vorschlag geben müssen. «Im schlimmsten Fall würden gewisse beschlossene Änderungen durch das ARE einfach wieder rückgängig gemacht», sagt von Euw. Da während der 60-tägigen öffentlichen Auflage aber nur zwei Einwendungen eingegangen sind, wovon eine bereits wieder zurückgezogen wurde, rechnet er nicht mit vielen Änderungsanträgen. «Zwei Einwendung: Das sind sehr wenige.»

Die Gemeindeversammlung findet kommenden Montag um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle der Schulanlage Altlandenberg statt.

INITIATIVE GEMEINDEVERSAMMLUNG IN DER KIRCHE
Nebst der Teilrevision der BZO und einer Einbürgerung steht am Montag ausserdem die Initiative von Marianne Schoch und Irma Frei auf der Traktandenliste. Sie fordern damit, dass neu in der Baumer Gemeindeordnung steht, dass die Baumer Gemeindeversammlung in der Regel in der reformierten Kirche stattfinden soll. Rund 90 weitere Bürger haben das Begehren unterschrieben. Früher fand die Gemeindeversammlung jeweils in der Kirche statt. Nachdem der Gemeinderat im letzten Herbst beschlossen hatte, die Versammlung zukünftig im Saal des Gasthauses zur Tanne durchzuführen, wurde entsprechende Initiative lanciert. Stimmen die Bürger der Initiative am Montag zu, wird das Begehren dem Gemeinderat überwiesen. An einer weiteren Gemeindeversammlung wird die entsprechende Änderung der Gemeindeordnung vorberaten, bevor dann eine Urnenabstimmung folgt. Der Gemeinderat lehnt die Initiative ab.
Rolf Hug
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