Die beiden Linden stehen noch immer

Möglicherweise werden die beiden Linden beim Bahnhof Bauma doch nicht gefällt (Foto: ech)

Schon seit Langem bangen Naturfreunde um die mächtigen Linden auf dem Bahnhofplatz Bauma. Und doch ist es ruhiger geworden um den Plan, sie zu fällen und eine Buswendeschlaufe zu bauen. Zu Recht?

«Feiern, bevor sie gefällt werden», titelte am 24. August 2012 der «Zürcher Oberländer». Damals organisierte eine Gruppe um die Baumerin Tanja Manz eine Art Abschiedsfest, um die beiden prominenten Bäume noch einmal zu würdigen – und um die Gelegenheit zu nutzen, um noch einmal gegen die Abholzung zu protestieren. Manz hatte sich gegen das Buswendeschlaufen-Projekt und damit gegen die Fällung der beiden grossen, freistehenden Linden eingesetzt. Die Annahme des Projekts an der Gemeindeversammlung sah sie deshalb als Niederlage.

Zwar hätten bestimmt alle Baumer die eindrücklichen Bäume viel lieber stehen lassen. Sie gaben aber dem Ansinnen Vorrang, dass endlich eine Buswendeschleife gebaut wird, die auch so genannt werden kann. Ebenfalls verfing das Argument, dass der jetzige Zustand für gehbehinderte Personen nicht zufriedenstellend ist, und dass eine neu zu bauende Bushaltestelle selbstverständlich dem in Kraft tretenden Behinderten-Gleichstellungsgesetz entsprechen muss. Also zeigte sich die Mehrheit der Baumer Bevölkerung von ihrer pragmatischen Seite, und beschloss, ihre beiden wohl schönsten Baumexemplare so lange noch zu geniessen, wie sie noch sind. Als Baustart vorgesehen war Herbst 2012.

Es ist ruhig geworden um das Projekt

Umso mehr erstaunt es, dass nun, mehr als drei Jahre später, die zwei Linden immer noch stehen. Es ist in der Öffentlichkeit ruhig geworden um das Projekt. Hat es an Aktualität verloren oder getraut sich niemand mehr, sich zu äussern, um nicht dem Abholzen noch Vorschub zu leisten? Die Bahnanlagen sind modernisiert, die Historische Bahnhofhalle der Dampfbahn ist vollendet und eingeweiht und sogar das vorhin nicht gar so schmucke Bahnhofgebäude hat die SBB sorgfältig herausgeputzt. Bloss die Buswendeschlaufe mit dem «Lindenpärkli» ist noch dieselbe wie zuvor. Aussehen tut das zwar wunderbar: Die Baumriesen und der kleine Park dominieren neben der Bahnhalle das beschauliche Bild und kaschieren so schön den Beton von Busvorfahrt und Parkplatz.

Man könnte sich daran gewöhnen. Nur: Zeitgemäss ist das, wie eingangs erwähnt, schon lange nicht mehr. Hinzu kommt, dass sich seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember die Busse zu den Hauptverkehrszeiten unter der Woche in die Quere kommen: Dank einer Fahrplan-Optimierung hat das Fahrzeug der Post einen längeren Aufenthalt in Bauma, der dazu dient, Verspätungen abzufangen. Zwischenzeitlich muss aber jeweils der VZO-Bus die Wendeschleife passieren. Das Resultat: Das Postauto muss nach Ankunft des VZO-Busses jeweils eine Runde um das «Pärkli» drehen, um diesem die Vorfahrt zu gewähren. Weshalb also die Verzögerung?

Vielleicht werden die Linden stehen gelassen

Laut Gemeindeschreiber Andreas Strahm ist man zum jetzigen Zeitpunkt mitten in der Projekt-Überarbeitung. Deshalb sei man mit genaueren Informationen noch nicht an die Öffentlichkeit getreten. «Es ergaben sich drei logische Bauetappen», so Strahm. «Zuerst die Modernisierung der Bahnanlagen der SBB, dann der Bau der historischen Bahnhalle, und nun als Drittes und Letztes der Bahnhofvorplatz.» Die Zusammenarbeit mit den vielen beteiligten Stellen erweise sich als zeitintensiv. Gegenwärtig ist die Gemeinde in Verhandlungen mit den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland (VZO) und der PostAuto Schweiz – also den für die Region marktverantwortlichen Verkehrsunternehmen des öffentlichen Verkehrs – sowie der Denkmalpflege und der Polizei.

Gemeindeschreiber Strahm weist zudem auf eine weitere Spezialität hin: Der Bau einer Buswendeschlaufe gehört im Kanton Zürich zu den Aufgaben der Gemeinde, wird in Bauma aber nicht auf gemeindeeigenem Grund erstellt, sondern auf SBB-Land. Das Grundstück wird auch nach dem Bau weiterhin den SBB gehören. Sind das alle Gründe für die grosse Verzögerung oder hat der Protest der Bevölkerung seinen Teil dazu beigetragen? «Wenn Bäume gefällt werden müssen, ist das immer emotional. Zudem handelt es sich beim Bahnhofplatz um eine prominente Lage», meint Strahm etwas ausweichend dazu, um dann die Katze doch noch aus dem Sack zu lassen: «Die Linden können eventuell sogar stehen gelassen werden, solange die Sicherheit gewährleistet ist.»

Die historische Bahnhofhalle scheint eine beflügelnde Wirkung auf ihre direkte Umgebung zu haben: Nach dem SBB-Bahnreisezentrum – das wurde im Zuge der Automatisierung der Tösstallinie anstelle einer Schliessung aufwändig renoviert – und dem Denner-Laden bleibt jetzt womöglich sogar das «Lindenpärkli» auf wundersame Art und Weise erhalten.