Der «Sternen» von Sternenberg spielt eine Rolle in Noldi Oberholzers drittem Fall 

Die Autorin Roswitha Kuhn (rechts) unterhält sich mit dem Besuch aus Deutschland (Fotos: rg)

In der Zehntenscheune nahe der «Pfanni» in Rikon so kam es am Freitagabend quasi zu einem Heimspiel. Die Kulturkommission Zell lud zu einer Lesung aus dem Buch «Fusslos» von KUHN KUHN ein.

Im neusten Buch der Krimischreiber Roswitha Kuhn und Jacques Kuhn geht’s schon mal drunter und drüber. Die Hauptfigur Noldi Oberholzer, umsichtiger Polizist auf der Polizeistation Tösstal, muss einen merkwürdigen Fall übernehmen. Denn Alfons Nievergelt, ein in Sternenberg stationierter Polizeikollege, liegt in seinem Haus tot auf dem Bett. Auf dem Boden daneben stehen sorgfältig platziert seine ebenso sorgfältig abgetrennten Füsse. Mit diesem Blick auf den Tatort startet der dritte Krimi von KUHN KUHN, der den sinnigen Titel «Fusslos» hat. In der Folge sieht sich Noldi Oberholzer mit vielen Ungereimtheiten und, wie es scheint, wasserdichten Alibis konfrontiert. Während seine Kollegin und die Kollegen auf dem Polizeiposten in Turbenthal sich ihm gegenüber aus verschiedenen Gründen unnahbar verhalten und ihn daher fast in eine Lebenskrise lotsen, ist in seinem Innern aber wie immer eine gesunde Neugier am vertrackten Fall zu bemerken. Er kann ihn schliesslich lösen, wobei auch seine Familie und der bayrische Gebirgsschweisshund Bayj eine Rolle übernehmen.

Der Krimi «Fusslos» liest sich so leicht, wie man süffigen Wein trinkt. Man begegnet laufend den lokalen Eigenheiten bei Örtlichkeiten, Gebäuden und anderem mehr. Selbst die Lokalzeitung «Der Tößthaler» nimmt im Geschehen eine Rolle an. Hätte nämlich der Redakteur nicht den Tod des Sternenberger Polizisten auf der Frontseite publiziert, dann hätte die junge, unglückliche Frau nicht Selbstmord begangen! Dazu verursacht sie einen Gebäudebrand oben auf dem Sternenberg, wobei es sich aber um einen alten Schopf handelt. Alles andere wäre dann doch ein bisschen zuviel Lokalkolorit, gepaart mit einer dunkeln Vorahnung.

Egon Fässler liest; das Publikum lauscht

Am Freitagabend genoss das Publikum in überschaubarem Rahmen die Lesung von Egon Fässler. Seine sonore Hintergrundstimme kennt man aus der Nachrichtensendung «10 vor 10». Fässler ist ein Freund der Familie Kuhn und übernimmt immer wieder mal gerne den Part des Vorlesers. Die Buchpassagen trug er äusserst lebendig vor, gerne hätte man noch weiter zugehört. So packte er während des Lesens auch mal bildlich die Zwillinge (Enkelkinder von Oberholzer) am Nacken, die mit ihren speziellen Sonnenhüten aussehen wie geschäftige kleine Fremdenlegionäre. Wie üblich verfolgte Roswitha Kuhn die Lesung mit meist leicht geschlossenen Augen.

In der Fragerunde anschlies-send drang dann richtig ins Bewusstsein, dass Jacques Kuhn fehlte. Als passionierter Jäger hätte er die Frage zum eigenartigen Geweih des Rehbocks locker beantworten können. In der Zehntenscheune konnte indes niemand eine schlüssige Antwort geben. Aber Roswitha Kuhn tat die Fragerunde gut und sie blickte gerne auf die gemeinsame Zeit des Krimischreibens mit ihrem kürzlich verstorbenen Ehemann zurück. Es sei sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass dieser Anlass doch durchgeführt werde. Zudem hat die Witwe noch einen weiteren Auftrag von ihm zu erfüllen. Sie solle den angefangenen vierten Fall von Noldi Oberholzer fertig schreiben. Dessen Handlung – das verriet sie – ist im Raum Wildberg angesiedelt. «Jacques hätte gerne am Anfang die Feuerwehr auf den Platz gerufen», führte Roswitha Kuhn aus, «Ich selber fange lieber mit einem Mord an», schmunzelte sie. Bei der Diskussion habe sie sich durchgesetzt. Doch man spürt, dass sie sich im Moment noch nicht vorstellen kann, wie sie die Geschichte alleine weiterverfolgt.

Recherchen vor Ort beflügelten die Schreiblust

Roswitha Kuhn schildert die Art, wie sie zum Schreiben kamen, wie sie zusammenwirkten und einen Verlag für die Veröffentlichung des ersten Krimis fanden. Einen festen Schreibplan hätten sie nicht gehabt, doch sobald sie irgendwo recherchiert hätten, sei die Lust die Geschichte fortzusetzen, wie von selbst gekommen. Tatorte, Gebäude, Örtlichkeiten und anderes mehr müssten besichtigt werden, damit die Beschreibungen stimmen. Für die dunkle Seite des Buches – also den Mord – hätten sie bei drei Ärzten abgesichert, ob es so möglich sei.

Dem Anlass wohnte das Verlegerehepaar Greiner aus Messkirch (D) bei. Ihr überbrachter Bonsaibaum bildete während der Lesung einen grünen Halt neben der Autorin. Die Wirtin des im Buch erwähnten «Sternen», Marianne Brühwiler, verfolgte samt Serviertochter mit Interesse die Lesung. Ihr sei einmal mehr bewusst geworden, welchen Schaden der Brand angerichtet habe, sagte sie anschliessend. Und spricht dabei die im Buch erwähnte Stelle an, die von Fässler vorgelesen wurde: «Die Vorderfront des Gebäudes ist mit den für das Tösstal so typischen kleinen grauen Holzschindeln bedeckt.»

Das Heimspiel in der Zehntenscheune endete damit, dass Martin Lüdin, Präsident der Kulturkommission und Gemeindepräsident von Zell, den Akteuren einen Geschenkkorb mit regionalen Produkten zum Dank überreichte. Das Tösstal bietet Krimistoff und hat eine Reihe guter Sachen, aber es gibt nur einen Polizisten Noldi Oberholzer, über den man in der Tat noch mehr lesen möchte.