Der Roboter, den ich schuf, ersetzt mich vollkommen

In der Automobilindustrie sind sie schon länger im Einsatz. Die Rede ist von Montage- und Schweissrobotern. Sie entlasten die Mitarbeitenden von repetitiven oder von körperlich strengen Arbeiten. Dabei sind die Roboter sehr schnell und präzise. Es ist faszinierend, den anmutigen Bewegungen eines Schweissroboters zuzuschauen. Es erinnert mich an eine Art Ballett.

Diese technischen Hilfsmittel werden in immer mehr Bereichen unseres Alltags eingesetzt. So gibt es bereits Roboter, welche an der Réception eines Hotels arbeiten. Auch im Gesundheitswesen sind Roboter allgegenwärtig. Ob im Operationssaal oder in der Betreuung von dementen Menschen: Kein Anwendungsbereich ist vor den Robotern sicher. In den Pflegezentren Lindehus und Im Spiegel wird heute bereits ein Roboter eingesetzt. PARO ist ein interaktiver Roboter aus Japan, der in Spitälern und in der Langzeitpflege verwendet wird, wo lebende Tiere aus hygienischen Gründen nicht «beschäftigt» werden können. Die Bewohner der Pflegezentren reagierten sehr positiv auf PARO. Er stimuliere die Interaktion zwischen Bewohner und Pflegepersonal und habe eine gute psychologische Wirkung auf die Bewohnenden. Dies besonders bei Bewohnern, die an Demenz erkrankt seien. So ist es im aktuellen Quartalsbericht des Zweckverbandes Pflege und Betreuung Mittleres Tösstal zu entnehmen.

Jetzt könnte man meinen, dass der Roboter nur repetitive Arbeiten ausführen kann. Weit gefehlt. Es wird
erwartet, dass bereits in einigen Jahren die ersten Roboter in der Teppichetage Platz nehmen werden. Dort entscheiden sie dann, ob in einem Bereich mehr Stellen bewilligt werden oder ob eine neue Filiale eröffnet werden soll. Die Maschinen können öffentlich zugängliche Daten mit internen Informationen schneller verknüpfen, als dies eine Führungskraft vermag. Der Roboter handelt rational, während wir Menschen uns lieber auf unser Bauchgefühl abstützen, als einem Algorithmus zu vertrauen. Ob wir so bessere Entscheidungen fällen, ist fraglich. Algorithmen machen deutlich weniger Fehler als Menschen. Wir meinen aber, dass nur wir Menschen unser Urteilsvermögen verbessern können, nicht aber Maschinen. Maschinen lernen laufend dazu, vergleichbar mit Kindern. Eine Maschine kann eine riesige Menge von Daten und Beispielen verarbeiten und sie erkennt daraus Muster oder Gesetzmässigkeiten. Allerdings gilt auch hier der Grundsatz «rubbish in, rubbish out». Wenn also die Datengrundlage schlecht ist, lässt sich auch mit künstlicher Intelligenz keine gute Entscheidung fällen. Dies gilt aber ebenso für uns Menschen, nur haben wir noch unser Bauchgefühl.

Ein Vorteil der Roboter liegt sicher beim Fehlen von zwischenmenschlichen Problemen. Die Maschine erledigt die Arbeiten rational und lässt sich nicht von Gefühlen leiten. Macht dies Maschinen sogar zu besseren Chefs? Kürzlich publizierte Studien kommen zum Schluss, dass sich Mitarbeitende lieber von einem Roboter als von einem Menschen Aufträge erteilen lassen. Unter anderem meinen sie, dass Aufträge fairer vergeben werden.

Soeben veröffentlichte der Think Tank W.I.R.E. zusammen mit Swiss Life eine Publikation mit dem Titel «Wie wir morgen leben wollen». In einer repräsentativen Umfrage wurden Schweizerinnen und Schweizer dazu aufgefordert, einige der im Buch präsentierten Szenarien in einem ersten Reality-Test nach Wünschenswertigkeit und Realisierbarkeit zu beurteilen. Vier zentrale Erkenntnisse lassen sich daraus ableiten. Erstens: Es herrscht eine hohe Diskrepanz zwischen Wünsch- und Machbarkeit. Zweitens: Szenarien, die eine Flexibilisierung der Arbeit anstreben, sind besonders wünschenswert. Drittens: Szenarien, die stark durch Technologie geprägt sind, werden stärker abgelehnt. Und viertens: Bei zwischenmenschlichen Beziehungen wünscht man sich alte Normen zurück.

Vor allem die Szenarien drei und vier finde ich spannend. Wenn wir nochmals auf die eingangs erwähnten Roboter zurückkommen: Die Praxis zeigt, dass wir recht schnell eine persönliche Beziehung zu Maschinen aufbauen können. Es fällt uns umso leichter, als der Roboter menschenähnliche Züge aufweist. So sollte er einen Namen haben (PARO lässt grüssen), sprechen oder sich bewegen können. Versteckt sich künstliche Intelligenz hinter einem Gesicht, sind wir eher bereit, die Maschine zu akzeptieren. Das gleiche erleben wir bei der Nutzung unserer Smartphones. Immer wieder lesen wir, dass das Smartphone täglich mehr Streicheleinheiten erhalte als die Partnerin oder der Partner. Dabei streichle ich den nützlichen Helfer gar nicht, ich wische über den Bildschirm. Hätte es nämlich Knöpfe, würde ich diese benützen, um mich beispielsweise durch meine Fotosammlung zu kämpfen.

Firmen investieren immer mehr in Maschinen. Dabei besteht die Gefahr, dass der Mensch vernachlässigt wird. Künstliche Intelligenz kann sicherlich zum Wohl der Gesellschaft eingesetzt werden. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass Roboter keine Steuern bezahlen. Bereits gibt es Bestrebungen, den Einsatz von Robotern zu besteuern. Ich finde dies einen prüfenswerten Ansatz. Es kann nicht sein, dass produktive Fortschritte zu einem immer weitergehenden Abbau von menschlicher Arbeitskraft führen. Die Gleichung ist einfach: Weniger Lohnempfänger führen zu weniger Steuerzahlern. Und wer soll sich dann um all diese Personen kümmern? Vielleicht kommt PARO schon bald beim Sozialamt zum Einsatz, weil er doch eine so positive psychologische Wirkung habe.