Der Püürinemärt ist auch im vierten Jahr erfolgreich

Rachel Stierli, die Initiantin des Marktes (Foto: pa)

Dass auch Bauma zu einem Wochenmarkt gekommen ist, verdankt es der Initiative und dem Engagement von vier Bäuerinnen. Im vierten Jahr hat man das Gefühl, den Püürinemärt habe es schon immer gegeben. So schnell gewöhnt man sich an ein gutes Angebot.

Was vor vier Jahren mit zwei Marktständen vor dem alten Landi in Bauma begann, ist mittlerweile zu einem wöchentlichen Treffpunkt im Sommer geworden. Die Rede ist vom Püürinemärt, der jeweils am Freitagnachmittag stattfindet. Ein Markt, der am Nachmittag abgehalten wird? Viele fanden die Idee kurios. Doch für die Bäuerinnen erwies es sich als richtig: Am Morgen die Ware rüsten, sodass sie am Mittag frisch auf den Markt kommt.

Kleiner Markt mit grossem Angebot

Mittlerweile können Kundinnen und Kunden nicht nur einkaufen, sondern auch noch bei einem Kaffee verweilen. Bei schönem Wetter gibt es auch noch Bauernhofglacé von Pia Braun aus Ried. Seit zwei Jahren ist sie die fünfte im Bund der Marktbäuerinnen. Für die Glacés wird ausschliesslich Milch der eigenen Kühe verwertet. Am vergangenen Freitag war der Markt von einem Apero begleitet, an dem die Gäste die verschiedenen Leckereien des Marktangebots probieren konnten. Die Zahl der Kundinnen und Kunden zeigte: Was als Versuch zur Verbesserung der Direktvermarktung begann, ist zu einem festen Bestandteil des Angebots in Bauma geworden und hat eine feste Kundschaft gewonnen.

So trifft man auch das Wirtepaar des Restaurants Schöntal auf dem Markt. «Wir kaufen nicht nur privat hier ein», meint Peter Aeschlimann, «sondern auch fürs Restaurant». Insbesondere die Ziegenmilchprodukte vom Geissenhof in Bäretswil hätten es ihm angetan: «Gute Qualität aus der Region ist mir wichtig.»

Da ist er wohl nicht der einzige. Das Geschäft mit den Geissenprodukten läuft bestens: Milch, Käse, Joghurt aus Milch der eigenen Ziegen. «Es wird keine Milch zugekauft», betont Andrea Zemp. Dadurch entstehen manchmal Engpässe: Feta hat sie erst jetzt im Angebot, weil sie zu wenig Milch hatte für die Produktion. Und die Formaggini seien deshalb auch erst jetzt in Arbeit. Aber das
gehört zur handwerklichen Produktion: Es ist nicht immer alles vorhanden.

Auch Christine Heusser von der Hofbäckerei Stoffel, Bäuerin und gelernte Bäckerin, geht schon mal das eine oder andere Brot aus. Vor einem Jahr hat sie die Backstube auf ihrem Hof ausbauen müssen, um die Nachfrage zu decken. Fragt man nach, wieviel Mehl sie pro Woche verarbeite, muss sie erst einmal lachen: Sie wisse es selbst nicht – aber so 130 Kilo werden es wohl schon sein, schiebt sie dann nach. In der Bäckerei Scharrenberg in Oetwil hat die Bäckerin/Conditorin ihr Handwerk vervollkommnet und bietet verschiedene Biobrote an – im Winter jeweils auf dem Hof Stoffel ob Hörnen.

Für den Highland-Hof Felmis von Paul Scherer und Ruth Burch ist der Püürinemärt ein wesentlicher Faktor des bäuerlichen Einkommens im Sommer. Angefangen hat Ruth Burch als Direktvermarkterin mit dem Hofladen in der Felmis. Aber die abgelegene Lage war für das Geschäft nicht gerade förderlich. Die Lieferung an Restaurants war wenig attraktiv; die Preise sind zu schlecht. Mit dem Püürinemärt, wo sie Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren vom Hochlandrind sowie Eingemachtes verkauft, hat sich die Situation deutlich verbessert. Den Hofladen führt sie weiter und einzelne ausgewählte Restaurants bedient sie weiterhin.

Rachel Stierli vom Hof Hörnli-blick, die Initiantin dieses Marktes, setzt auf verarbeitete Produkte: Teigwaren, Konfitüren, verschiedene eingemachte Gemüse. Dabei gibt sie ihrer Lust, neue Ideen und Rezepte auszuprobieren, viel Raum. Zu den verarbeiteten Produkten gehören auch Fleischprodukte. Ihre besondere Spezialität ist zudem der Anbau, respektive das Sammeln und die Verarbeitung von Kräutern.

Verwirklichung einer Idee

Was aber Rachel Stierli genauso interessiert, ist der Aufbau, die Organisation und weitere Entwicklung des Püürinemärts. «Zwar liegt mir Büroarbeit gar nicht», gesteht sie. Aber etwas zu entwickeln und zu planen, scheint ihr doch Spass zu machen. So ist auch der Püürinemärt entstanden: aus einer Abschlussarbeit für die Fachprüfung Bäuerin an der landwirtschaftlichen Schule Strickhof. Etwas Eigenes aufbauen und die Idee der Direktvermarktung hat sie interessiert. Aber für einen Hofladen ist der Hof Hörnliblick in Bliggenswil zu abgelegen. Dass sie drei Kolleginnen für die Marktidee begeistern konnte, war die Lösung des Vermarktungsproblems.

Was Rachel Stierli in Alleingang ausgebrütet hat, wird nun gemeinsam weiterentwickelt. Entschieden wird immer gemeinsam, was manchmal zu etwas langen Sitzungen führt; aber das gehört dazu, wenn man als Gruppe erfolgreich sein will. Wichtige Entscheide betreffen vor allem Fremdprodukte, also solche, die nicht oder nur indirekt aus eigener Produktion stammen. So verkauft Andrea Zemp Bergkäse und Geissenwürste aus dem Simmental, die ihre Schwester dort produziert. Auch Rachel Stierli verkauft Käse: den Rostigen Ritter von Roland Rüegg in Ringwil, der die Milch auch vom Hof Hörnliblick bezieht. Wichtig ist dabei, dass die Qualität dieser Produkte stimmt und eine Beziehung zwischen dem Produzenten sowie mindestens einer der Bäuerinnen besteht. Rachel Stierli verkauft zum Beispiel Rapsöl aus dem Zürcher Oberland, hergestellt von Wirz in Hombrechtikon. Von dort beziehen die Bäuerinnen des Püürinemärts einerseits Flaschen und Einmachgläser, andererseits liefert der Highland-Hof von Scherer und Burch ihren Raps an Wirz. Diese bestehenden Beziehungen sind die Grundlage für die Aufnahme eines Fremdprodukts wie das Rapsöl ins Angebot des Püürinemärts.

Und noch etwas ist speziell am Püürinemärt: die gemeinsame Kasse. Für die Kundinnen hat dies einen grossen Vorteil; sie müssen nicht an jedem Stand einzeln bezahlen, sondern können alle Einkäufe zusammen mit dem letzten Einkauf berappen. Das Geld geht in eine gemeinsame Kasse, jede Bäuerin füllt einen Lieferschein aus, in dem aufgeführt wird, was sie gebracht und wieder nach Hause genommen hat. Nach dem Markt wird abgerechnet und jede Bäuerin erhält ihren Anteil – abzüglich fünf Prozent für Werbeaufwand, Platzmiete und administrativen Aufwand.

Direktvermarktung als Selbsthilfe

Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten ist in den letzten Jahren zu einer wichtigen Marktnische geworden, die auch ihr Publikum findet. Frischprodukte, Produkte aus der Region und direkter Kontakt zu den Produzenten als Alternative oder Ergänzung zum Einkauf beim Grossverteiler erfreuen sich grosser Beliebtheit. Doch für die Führung eines eigenen Hofladens sind die abgelegenen Höfe der vier Bäuerinnen nicht geeignet. Der gemeinsame Markt an zentraler Lage im Dorf entpuppt sich als gelungene Aktion zur Selbsthilfe.

Und er ist auch eine Aktion von vier Frauen. Sie haben die Initiative ergriffen und stehen Freitag für Freitag an ihrem Stand vor dem Landi. Mit ihrer Aktion konnten sie auch ihre Männer überzeugen, die sie tatkräftig unterstützen: So hilft Martin Heusser auch in der Backstube mit oder kümmert sich der Zimmermann Noldi Pfenninger um die Geissen.

Eines aber hat sich nicht eingelöst. Ursprünglich war gedacht, dass jeweils nur zwei Frauen am Freitagnachmittag die beiden Marktstände betreuen und die andern zu Hause arbeiten können. Der Andrang und auch der Wunsch der Kundinnen nach Beratung liess diese Idee scheitern. Schon im dritten Jahr brauchte es einen dritten Marktstand. Dass alle vier Bäuerinnen am Freitag anwesend sein müssen, kann man wohl nicht als Misserfolg werten – im Gegenteil.