Der neue Gemeindeschreiber von Zell ist ein Zürcher Oberländer

Erkan Metschli-Roth, neuer Gemeindeschreiber, Martin Lüdin, Gemeindepräsident, Andreas Meyer, bisheriger Gemeindeschreiber (von links) (Foto: md)

Zell hat seit letzten Dienstag einen neuen Gemeindeschreiber: Erkan Metschli-Roth. Er tritt die Nachfolge von Andreas Meyer an, der sich nach über 15 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Der neue Chef der Gemeindeverwaltung will sich als Brückenbauer engagieren.

Epochale Stabübergabe im Gemeindehaus von Zell in Rikon: Der erste Gemeindeschreiber in der Geschichte der Einheitsgemeinde Zell, Andreas Meyer, hat sein Amt am Dienstag an Erkan Metschli-Roth (47) übergeben. Meyer tritt nach 15 Jahren und einem Monat in den verdienten Ruhestand. Die offizielle Übergabe aller Amtsgeschäfte erfolgte unter der Leitung von Bezirksstatthalter Meinrad Schwarz und Bezirksratsschreiber Ran Comfort aus Winterthur. Der Zeller Gemeindepräsident Martin Lüdin und der erste Vizepräsident Kurt Nüesch wohnten der Übergabe ebenfalls bei.

Der neue Gemeindeschreiber ist in Pfäffikon ZH aufgewachsen und zur Schule gegangen. An der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon besuchte er das Wirtschaftsgymnasium und schloss mit der Matur Typus E ab. Danach studierte Erkan Metschli-Roth in Zürich und Fribourg Recht. Prägend war seinerzeit für den jungen Juristen die einjährige Tätigkeit als Praktikant und juristischer Mitarbeiter auf der Ombudsstelle der Stadt Zürich: «An dieser Schnittstelle zwischen Bürgern und Verwaltung habe ich rasch gelernt, wie der Puls der Demokratie schlägt», sagt Metschli-Roth. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich der neue Gemeindeschreiber als Brückenbauer engagieren möchte, zwischen Bevölkerung und Verwaltung sowie zwischen Verwaltung und Gemeindebehörden. Er spricht vier Sprachen, neben seinen Muttersprachen Deutsch und Türkisch auch Französisch und Englisch.

Positiv aufgefallen

Gemeindepräsident Martin Lüdin fiel der künftige Gemeindeschreiber an einer Gemeindeversammlung auf: «Ich hatte ihn noch nie an einer Gemeindeversammlung gesehen. Als ich ihn ansprach, sagte er mir, ich werde bald eine Bewerbung von ihm für die Stelle des Gemeindeschreibers erhalten, die zu jenem Zeitpunkt gerade publiziert worden war», erinnert sich Lüdin schmunzelnd. Vier Bewerber seien genauer geprüft worden, führte er weiter aus. Die Schlussentscheidung sei zwischen zwei hochqualifizierten Kandidaten gefallen.

Dem neuen Gemeindeschreiber gefällt an Zell, dass die Gemeinde einerseits ländlich geprägt ist und ein attraktives Umfeld bietet, aber anderseits nicht weit von einer grossen Stadt mit ihrem Kultur- und Freizeitangebot liegt. «Kollegen haben mir zu bedenken gegeben, dass die Stadtnähe auch Probleme schafft. Doch für mich sind Probleme eher Herausforderungen, die meine Aufgabe interessanter machen», sagt er mit Überzeugung und ergänzt: «Ich habe beide Seiten in mir: ländliche Bescheidenheit und städtische Grosszügigkeit».

In der Stadt wie auf dem Land zu Hause

Metschli-Roth weiss, wovon er spricht: Sein beruflicher Werdegang zeigt, dass er sich sowohl in Städten, als auch in kleineren Gemeinden zu Hause fühlt. Nach seiner Tätigkeit auf der Ombudsstelle der Stadt Zürich wechselte er erst auf das Statthalteramt und später zum Bezirksgericht Hinwil. Danach wirkte er als Jurist im Rechtsdienst des Stadtzürcher Tiefbauamtes. Später leitete er die Abteilung Bau, Umwelt, Wirtschaft der Gemeinde Hitzkirch im Kanton Luzern. Und bevor er nach Zell kam, war er mehr als drei Jahre lang Abteilungsleiter Bau und Planung der Gemeinde Hinwil. «Für mich waren drei Faktoren ausschlaggebend, um mich in Zell zu bewerben: Ich wollte erstens einen verdienten Gemeindeschreiber ablösen, der stabile Verwaltungsstrukturen hinterlässt und ich wollte mich zweitens in einer Gemeinde engagieren, die bodenständig und gut aufgestellt ist. Und schliesslich sollte es eine Gemeinde sein, die ländlich, aber im städtischen Umfeld ist», erläutert Metschli seine Entscheidung.

Die erste Herausforderung, der sich Erkan Metschli-Roth als neuer Gemeindeschreiber stellt, ist die 48 Gemeindeangestellten mit 3629 Stellenprozenten, ihre Funktion und ihre Arbeitsweise kennenzulernen: «Ich will mich zuerst hier einpassen. Danach kann ich auch frischen Wind bringen.»

 

MANN DER ERSTEN STUNDE
Andreas Meyer übernahm das Amt des Gemeindeschreibers Anfang März 2002. Ein Vierteljahr vorher hatten die StimmbürgerInnen der Gemeinde Zell sich für die Bildung einer Einheitsgemeinde (politische Gemeinde plus Schulgemeine) entschieden. Meyer wurde zum ersten Gemeindeschreiber der Einheitsgemeinde und hat in den 15 Jahren seiner Tätigkeit die Organisation der Gemeindeverwaltung massgeblich geprägt. Während dieser Zeit hat er an rund 50 Gemeindeversammlungen und 400 Gemeinderatssitzungen teilgenommen. «Der Tößthaler» wird Andreas Meyer in einer der kommenden Ausgaben mit einem Portrait würdigen.